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Die unsichtbaren Folgen des Extraktivismus

Ein Blick hinter die slow violence der chilenischen Bergbauindustrie

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  • 2024
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Über dieses Buch

Dieses Open-Access-Buch beschäftigt sich mit Umweltproblemen, die selbst im Kontext der heutigen globalen ökologischen Krise weitgehend gesellschaftlich unsichtbar bleiben, da sie ihre oftmals schwerwiegenden sozial-ökologischen Auswirkungen allmählich, schleichend und über längere Zeiträume hinweg in Form einer slow violence (Rob Nixon) entfalten. Am Beispiel der toxischen Industrieabfälle (Tailings) der chilenischen Bergbauindustrie werden in der Untersuchung anhand von drei Fallstudien die zentralen Gründe und Dimensionen dieser Unsichtbarkeit dargestellt und ihr Zusammenspiel analysiert.

Inhaltsverzeichnis

  1. Kapitel 1. Einleitung

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    Anna Landherr
    Das Kapitel untersucht die Umweltverschmutzung durch Tailings im chilenischen Bergbau und die damit verbundene 'slow violence', die sich in Form von langsam wirkenden, aber schwerwiegenden ökologischen und gesundheitlichen Schäden äußert. Es wird analysiert, wie diese Schäden trotz ihrer Bedeutung oft unsichtbar bleiben und welche strukturellen und gesellschaftlichen Mechanismen dahinterstehen. Besondere Aufmerksamkeit wird den Fallstudien in Pabellón, Chañaral und Tierra Amarilla geschenkt, die exemplarisch die Unsichtbarkeit und die damit verbundenen Probleme aufzeigen. Die Forschung zielt darauf ab, ein Gesamtbild der (Un-)Sichtbarkeit zu erstellen und mögliche Lösungsansätze zu identifizieren, um die ökologischen und sozialen Kosten der Tailings zu minimieren.
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  2. Kapitel 2. Theoretischer Rahmen, zentrale Begriffe und Forschungsstand

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    Anna Landherr
    Das Konzept der slow violence, geprägt von Rob Nixon, beschreibt Formen der Gewalt, die langsam und graduell über lange Zeiträume hinweg wirken und oft in sozial-ökologischen Problemen auftreten. Im Fokus steht der Bergbau in Chile, wo die Auswirkungen der slow violence durch die Unsichtbarkeit der Schäden und die räumliche und zeitliche Distanz zwischen Verursachern und Betroffenen verstärkt werden. Nixon erweitert das Konzept der strukturellen Gewalt von Johan Galtung und Frantz Fanon, indem er die zeitliche Dimension und die räumliche Distanz als zentrale Faktoren einbezieht. Die globalen Macht- und Herrschaftsverhältnisse, insbesondere die Weltsystemtheorie von Immanuel Wallerstein, werden als Rahmen für die Analyse herangezogen. Die Unsichtbarkeit der slow violence-Phänomene wird durch die dekoloniale Perspektive und die Kritik an der Eurozentrik und dem Anthropozentrismus der westlichen Wissenschaft beleuchtet. Besonders relevant sind die Themen der Kolonialität der Macht, der globalen Arbeitsteilung und der Umweltgerechtigkeit. Der Text bietet eine umfassende theoretische Grundlage und empirische Fallstudien, die das Verständnis der slow violence-Phänomene vertiefen und deren Bedeutung für die Umwelt- und Sozialwissenschaften hervorheben.
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  3. Kapitel 3. Fragestellung und Forschungsheuristik

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    Anna Landherr
    Der Fachbeitrag untersucht die Fragestellung und Suchthese im Kontext der Forschung zu Tailings im chilenischen Bergbau. Die Untersuchung basiert auf den Erkenntnissen aus zwei Teilprojekten, die im Rahmen des Fondecyt-Projekts von Sebastián Ureta durchgeführt wurden. Ein Projekt untersuchte die Diskurse und Praktiken der betroffenen Bevölkerung, während das andere die Hindernisse bei der Umweltregulierung analysierte. Die Forschung zeigt, dass Tailings trotz ihrer Belastung für Mensch und Umwelt weitgehend unsichtbar bleiben. Dies liegt an der Tatenlosigkeit der beteiligten Akteure, insbesondere der staatlichen Institutionen und der Bevölkerung. Die Unsichtbarkeit der Tailings wird durch die Unsichtbarkeit der Chemikalien und die Problematik der Langzeitwirkungen verstärkt. Die Forschung hebt hervor, dass die Handlungsmöglichkeiten der Akteure direkt von den Wechselwirkungen zwischen Wissen, Nichtwissen und Handlungsmöglichkeiten abhängen. Die zentrale These der Arbeit ist, dass diese drei Kategorien in enger Wechselwirkung stehen und die Handlungsmöglichkeiten der Akteure bestimmen. Die empirische Forschung berücksichtigt die sozialen und ökologischen Gegebenheiten sowie die Materialität der chemischen Stoffe und die nationalen und globalen Strukturen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Sichtbarkeit der Tailings durch Machtasymmetrien und die Externalisierung der Problematik beeinflusst wird. Die Arbeit setzt sich zum Ziel, die spezifischen Mechanismen zu untersuchen, die dazu führen, dass das Problem der Tailings trotz seiner Belastung kaum öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Die Forschung ist ein wichtiger Beitrag zur Verständnis der sozialen und ökologischen Dynamiken im Umgang mit Tailings und bietet wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Mechanismen der Unsichtbarkeit und Nichtwissen in diesem Kontext.
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  4. Kapitel 4. Methodische Grundlagen und Forschungsdesign

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    Anna Landherr
    Der Fachtext behandelt die methodische Vorgehensweise einer empirischen Forschung, die sich an der Grounded Theory orientiert. Es wird detailliert erläutert, wie qualitative Methoden wie die Grounded Theory angewendet werden, um Daten zu erheben, zu analysieren und zu interpretieren. Die Forschung konzentriert sich auf drei Fallstudien in Chile, die durch die Grounded Theory untersucht werden. Die Grounded Theory ermöglicht es, Theorien zu entdecken und zu erweitern, indem sie eine offene und flexible Vorgehensweise verfolgt. Die Forschung umfasst verschiedene Erhebungsmethoden wie teilnehmende Beobachtung, leitfadengestützte Interviews und die Analyse von Sekundärliteratur. Besonders hervorhebenswert ist die detaillierte Darstellung der Grounded Theory und die Offenheit gegenüber neuen und unvorhergesehenen Phänomenen. Die Forschungsstrategie ermöglicht es, Theorien zu entdecken und zu erweitern, was den Text von anderen, weniger offenen Ansätzen unterscheidet. Die Forschung zielt darauf ab, ein möglichst breites Bild der untersuchten Phänomene zu rekonstruieren und die Vielzahl an möglichen Mechanismen, die zur Unsichtbarkeit des untersuchten Phänomens führen, aufzuzeigen.
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  5. Kapitel 5. Forschungsgegenstand: Der chilenische Bergbau und die schleichende Gewalt seiner Hinterlassenschaften

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    Anna Landherr
    Der Fachtext behandelt das chilenische Wirtschaftsmodell, das durch eine neoliberale und extraktivistische Ausrichtung gekennzeichnet ist. Es wird die Geschichte und Entwicklung dieses Modells untersucht, beginnend mit der Militärdiktatur und der Einführung des neoliberalen Experiments. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Bergbau und seinen sozialen, ökonomischen und ökologischen Kosten und Grenzen geschenkt. Der Text analysiert die Produktion großer Mengen industrieller Abfälle, sogenannter Tailings, und deren gesundheitliche und ökologische Folgen. Es wird auch auf die sozial-ökologischen Konflikte und den Widerstand gegen das Modell eingegangen, der sich in den letzten Jahren verstärkt hat. Die Untersuchung zeigt die komplexen Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Wachstum, sozialer Ungleichheit und Umweltzerstörung auf und hebt die Herausforderungen hervor, denen das Land gegenübersteht.
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  6. Kapitel 6. Schleichende Gewalt – der Fall Pabellón

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    Anna Landherr
    Der Beitrag 'Schleichende Gewalt – der Fall Pabellón' untersucht die Umweltverschmutzung durch Bergbauabfälle im Dorf Pabellón in der Region Atacama, Chile. Pabellón ist ein kleines Dorf, das trotz seiner idyllischen Lage eine der giftigsten historischen Tailingdeponien Chiles beherbergt. Die Bevölkerung lebt unter ärmlichen Bedingungen und ist stark von der Bergbauindustrie betroffen. Der Text beleuchtet die Geschichte des Ortes, die Gesundheitsrisiken durch die Abfälle und die kollektive Vergessenheit der Bevölkerung. Besonders hervorgehoben wird die materielle Unsichtbarkeit der Abfälle und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken. Der Beitrag analysiert auch die sozialen und ökonomischen Ungleichheiten, die die Bevölkerung betreffen, und die Rolle der Wissenschaft bei der Aufklärung und Bekämpfung der Umweltprobleme. Die Untersuchung zeigt auf, wie die betroffenen Menschen mit den Herausforderungen umgehen und welche Hindernisse sie dabei erfahren. Der Text bietet somit einen tiefgehenden Einblick in die komplexen Zusammenhänge zwischen Umweltverschmutzung, sozialer Gerechtigkeit und der Rolle der Wissenschaft.
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  7. Kapitel 7. Die Macht der Bergbauunternehmen – der Fall Tierra Amarilla

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    Anna Landherr
    Der Fachbeitrag untersucht die Macht und den Einfluss von Bergbauunternehmen am Beispiel der Stadt Tierra Amarilla in Chile. Tierra Amarilla ist eine Kleinstadt, die von Bergbauaktivitäten stark geprägt ist und deren Einwohner unter den Umwelt- und Gesundheitsfolgen dieser Aktivitäten leiden. Der Beitrag beleuchtet die historische Entwicklung der Stadt, die wirtschaftliche Abhängigkeit von Bergbauunternehmen und die sozialen und ökologischen Kosten, die mit dem Bergbau verbunden sind. Besonders hervorgehoben wird die territoriale Macht der Bergbauunternehmen, die die ökologischen Ressourcen und die lokale Wirtschaft kontrollieren. Die Bewohner von Tierra Amarilla fühlen sich vom Staat im Stich gelassen und sind oft auf die Unterstützung der Bergbauunternehmen angewiesen, die jedoch nur begrenzt und selektiv erfolgt. Der Beitrag analysiert auch die Strategien der Unternehmen, um Widerstand und Proteste zu unterdrücken, und die Rolle der Korruption in diesem Kontext. Die detaillierte Darstellung der sozialen und ökologischen Auswirkungen des Bergbaus und die umfassende Analyse der territorialen Macht von Bergbauunternehmen machen den Beitrag besonders interessant für Leser, die sich mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft auseinandersetzen.
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  8. Kapitel 8. Die Unsichtbarkeit des Offensichtlichen– der Fall Chañaral

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    Die Unsichtbarkeit des Offensichtlichen – der Fall Chañaral. Der Beitrag untersucht die Umweltverschmutzung in Chañaral, einer Stadt im Nordwesten der Region Atacama, Chile, und die daraus resultierenden sozial-ökologischen Konflikte. Die Geschichte der Tailings und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung und Umwelt werden in drei historischen Phasen dargestellt. Chañaral ist eine Stadt mit etwa 13.500 Einwohnern, durch die die wichtigste Schnellstraße Chiles, die Ruta 5, führt. Die Stadt ist stark von der Umweltverschmutzung durch Bergbauabfälle betroffen, die jahrzehntelang in den Fluss Río Salado abgeleitet wurden und schließlich im Meer endeten. Diese Verschmutzung hat schwerwiegende wirtschaftliche und gesundheitliche Auswirkungen auf die Bewohner der Stadt. Der Beitrag analysiert die verschiedenen Phasen der Sichtbarkeit und Unsichtbarmachung der Umweltverschmutzung, die Rolle der beteiligten Akteure und die Herausforderungen bei der Dekontamination. Besondere Aufmerksamkeit wird den wissenschaftlichen Studien und den gesundheitlichen Auswirkungen der Verschmutzung geschenkt. Der Text zeichnet sich durch seine detaillierte historische Analyse und die tiefgehende Untersuchung der sozial-ökologischen Konflikte aus, die in Chañaral entstanden sind.
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  9. Kapitel 9. Zusammenfassung und Auswertung der Forschungsergebnisse

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    Anna Landherr
    Der Fachbeitrag untersucht die zentralen Erkenntnisinteressen der Forschung zur Anerkennung der Tailings des chilenischen Bergbaus als Umweltproblem. Die Forschungsheuristik konzentriert sich auf die Kernkategorie der (Un-)Sichtbarkeit und deren Zusammenhang mit Wissen, Handlung und den beteiligten Akteuren. Die Forschung wird durch mehrere Forschungsfragen geleitet, die die Unsichtbarkeit der Tailings trotz ihrer Belastung für Mensch und Umwelt, die Rolle von Wissen und Nichtwissen sowie die Mechanismen und Akteure hinter der Unsichtbarkeit und Sichtbarkeit untersuchen. Eine (Un-)Sichtbarkeitspyramide wurde entwickelt, um die unterschiedlichen Stufen der Sichtbarkeit der Tailings zu ordnen und die Prozesse und Übergänge zu analysieren. Die Fallstudien aus Pabellón, Tierra Amarilla und Chañaral zeigen, wie verschiedene Akteure und Mechanismen die Sichtbarkeit der Tailings beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Tailings in Chile weitgehend unsichtbar sind, aber durch verschiedene Ereignisse und Konflikte sichtbar werden können. Der Fachbeitrag zielt darauf ab, ein Gesamtbild der gesellschaftlichen (Un-)Sichtbarkeit der Tailings zu erstellen und ein Modell zu entwickeln, das als Wegweiser und Grundlage zur Untersuchung von sozial-ökologischen slow violence-Phänomenen dienen kann.
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  10. Kapitel 10. Fazit: Die Hürden auf dem Weg zur gesamtgesellschaftlichen Sichtbarkeit der Tailings

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    Anna Landherr
    Das Fazit des Forschungsbeitrags konzentriert sich auf die gesellschaftliche Unsichtbarkeit von Tailings in Chile und die multidimensionalen und multiskalaren Prozesse, die dazu führen. Die Unsichtbarkeit wird durch eine Vielzahl von Gegebenheiten, sozialen Mechanismen und (in)actions der beteiligten Akteure hergestellt oder begünstigt. Ein zentrales Ergebnis ist die Notwendigkeit, die spezifischen Faktoren und Akteure auf verschiedenen Ebenen zu berücksichtigen, um die gesamte Ausprägung der Unsichtbarkeit zu verstehen. Ein Stufenmodell der (Un-)Sichtbarkeitspyramide wurde entwickelt, das die verschiedenen Stufen der Unsichtbarkeit und die darin involvierten Faktoren und Akteure identifiziert. Dieses Modell zeigt, wie die Unsichtbarkeit von der vollständigen sozialen Unsichtbarkeit bis hin zur gesellschaftlichen Anerkennung als Umweltproblem variiert. Die Forschung hebt hervor, dass die Unsichtbarkeit durch eine Kombination aus materiellen und sozialen Gegebenheiten, nichtintendierten und intendierten Faktoren sowie Macht- und Herrschaftsverhältnissen bedingt wird. Die Erkenntnisse der Studie sind besonders relevant für die Entwicklung von Strategien zur Sichtbarmachung und Bewältigung von Umweltproblemen, die durch Tailings verursacht werden.
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Titel
Die unsichtbaren Folgen des Extraktivismus
Verfasst von
Anna Landherr
Copyright-Jahr
2024
Electronic ISBN
978-3-658-43288-1
Print ISBN
978-3-658-43287-4
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-43288-1

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