Skip to main content
main-content

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Vorbemerkung der Herausgeber

Vorbemerkung der Herausgeber

Zusammenfassung
Handbücher und Einführungen sind in den Wissenschaften lange Zeit als Kompendien gesicherten Fachwissens angesehen worden, die den — für veränderungsresistent angesehenen — Grundstock an Erkenntnissen und Verfahren einer Disziplin versammeln.
Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weischenberg

Grundlagen der Medienkommunikation

Die Wirklichkeit des Beobachters

Zusammenfassung
Immer wenn Medienskandale die Öffentlichkeit beschäftigen — sei es das Gladbecker Geiseldrama, die Barschel-Affäre oder der Golfkrieg -, wird auch einem breiten Publikum bewußt, daß die Sicherheit der Fakten prekär ist. Was ist Wirklichkeit, was Lüge oder Fiktion? Wer sagt die Wahrheit, wer verschleiert sie? Transportieren Fernsehbilder Abbilder der Wirklichkeit in unsere Wohnzimmer oder inszenieren sie Wirklichkeit(en)? Welche Rolle spielen Reporter und Journalisten als „Beobachter der Wirklichkeit“, welche Funktion kommt Beobachtungsinstrumenten wie Fotoapparat und Fernsehkamera zu?
Siegfried J. Schmidt

Der psychische Apparat des Menschen

Zusammenfassung
Kein anderes Problem hat die Philosophiegeschichte nachhaltiger bestimmt als die Frage nach dem Verhältnis von Sein und Bewußtsein, nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit objektiver, „wahrer“ Erkenntnis. Die logische Konsequenz einer skeptischen Position steht in deutlichem Widerspruch zu unseren Alltagsüberzeugungen.
Peter Kruse, Michael Stadler

Soziale Konstruktion von Wirklichkeit

Zusammenfassung
Daß Wirklichkeiten1 als soziale Konstrukte verstanden werden können oder gar sollten, haben zumindest einige Soziologen seit der Etablierung ihrer Disziplin gewußt2. Weil jedoch die Medien weder in der heute gegebenen technischen Vielfalt und Leistungsstärke, noch in der damit einhergehenden sozialen Organisation präsent waren, konnten diese frühen Überlegungen zur sozialen Konstruktion von Wirklichkeit noch nicht in eine Medientheorie verlängert werden. Indem sie jedoch die Folgen sozialer Differenzierung für Wirklichkeitsvorstellungen und Kommunikation thematisierte, verband bereits die frühe evolutionistische Soziologie konstruktivistische und funktionale Überlegungen in einer Weise, die in der soziologischen Theorie die systematische Stelle entstehen ließ, die die moderne Medientheorie ausfüllen konnte.
Peter M. Hejl

Kommunikation und Verstehen

Zusammenfassung
Modelliert man menschliche Individuen als kognitive, autopoietische Systeme, stellt sich die Frage, wie operational geschlossene, an ihr Medium1 strukturell gekoppelte Organismen mit geschlossenen Nervensystemen miteinander interagieren können. Wenn schon — so könnte man fragen -die biologisch-kognitionstheoretischen Voraussetzungen, die in der Theorie autopoietischer Systeme (vgl. Maturana 1982) formuliert sind, den Common-Sense-Annahmen über die „Natur“ des Menschen (als eines für seine Umwelt offenen, durch seine Sinne die Realität erkennenden Wesens) zum Teil erheblich widersprechen, wie groß mögen dann erst die Unterschiede zwischen einer auf der Theorie autopoietischer Systeme aufbauenden Kommunikations- und Sprachtheorie und den seit Generationen populären kommunikations- und sprachtheoretischen Überzeugungen (z.B. von der natürlichsprachlichen Informationsübertragung) sein?
Gebhard Rusch

Der verschwundene Bote. Metaphern und Modelle der Kommunikation

Zusammenfassung
An einem komplexen Wirtschaftssystem und einem Modell dieses Systems wird erkennbar, was Modelle für uns leisten können. Unsere Fähigkeit, mit dem Wirtschaftssystem experimentieren und von den Folgen dieser Experimente lernen zu können, ist stets auf das beschränkt, was seine Teilnehmer — Produzenten, Verbraucher, Geschäftsleute, Bankiers, Ökonomen, Politiker — zu dulden bereit wären. Mit einem Computer-Modell solch eines Systems wäre man nicht nur in der Lage, sehr viel mehr Daten zu erfassen, als ein Mensch jemals könnte, sondern auch sehr viel freier mit dem System spielen zu können, ohne dabei dessen Teilnehmer zu gefährden. Mit Hilfe eines Computer-Modells kann man offensichtlich die kühnsten wirtschaftspolitischen Strategien durchspielen; man kann Faktoren einfügen, um Krisenpunkte aufzuspüren oder Revolutionen zu berechnen; man kann Veränderungen viele Jahre vor ihrem Eintreffen studieren; man kann die Lebensfähigkeit möglicher Wirklichkeiten testen und vieles andere mehr. Modelle können uns helfen zu verstehen, was das Modellierte uns verschweigt.
Klaus Krippendorff

Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis

Zusammenfassung
Das Gedächtnis entsteht nicht nur in, sondern vor allem zwischen den Menschen. Es ist nicht nur ein neuronales und psychisches, sondern auch und vor allem ein soziales Phänomen. Es entfaltet sich in Kommunikation und Gedächtnismedien, die solcher Kommunikation ihre Wiedererkennbarkeit und Kontinuität sichern. Was und wie erinnert wird, darüber entscheiden neben den technischen Möglichkeiten der Aufzeichnung und Speicherung auch die Relevanzrahmen, die in einer Gesellschaft gelten. Aufbauend auf der Gedächtnistheorie des Soziologen Maurice Halbwachs entwickelt der folgende Beitrag eine Theorie des kulturellen Gedächtnisses, die den kulturellen Aspekt der Gedächtnisbildung in den Vordergrund stellt und nach den Medien und Institutionen fragt, die dieses „Zwischen” organisieren. Medien wie Schrift und Buchdruck sowie Institutionen der Kanonisierung und Interpretation von Texten haben in der Vergangenheit die Möglichkeiten des kollektiven oder sozialen Gedächtnisses fundamental erweitert. Entsprechende Wandlungen zeichnen sich mit der Heraufkunft der elektronischen Medien ab. Kultur wird in diesem Sinne verstanden als der historisch veränderliche Zusammenhang von Kommunikation, Gedächtnis und Medien.
Aleida Assmann, Jan Assmann

Wirklichkeitskonstruktion durch Medien

Evolution der Kommunikation

Zusammenfassung
Als Evolution kann man all solche Prozesse bezeichnen, bei denen vier Bedingungen erfüllt sind: Veränderungen der Struktur in gewissem Umfang und über eine gewisse Zeit hinweg (vgl. Campbell 1969; Luhmann 1984: 191 ff.) müssen eine positive Referenz auf die Systeme haben, deren Struktur verändert wird. Dies gilt für biologische Systeme (Lebewesen), wo solche Veränderungen als „Vorteile für die Art” bezeichnet werden, als auch für soziale Systeme, in denen „the gene has been replaced by the symbol” (Parsons 1964: 341). Dabei ist Evolution nur in dem Maß erwartbar oder vorhersagbar, wie der zugrundeliegende Prozeß von genereller Relevanz fiir Systeme ist und nicht auf evolutionäre Nischen verwiesen bleibt. Unter diesem Aspekt ist zu erwarten, daß die Evolution von Kommunikation ein durchgreifender und hochrelevanter Prozeß sowohl für die daran profitierenden psychischen Systeme ist, die durch Kommunikation verkoppelt werden als auch für die sozialen Systeme, insbesondere für das übergreifende System der Gesellschaft.
Klaus Merten

Zur Kulturgeschichte der Medien

Zusammenfassung
Der Medienhistoriker, der sich bewußt ist, daß Historiographie die aktive Aneigung der Vergangenheit aus einer aktuellen Interessenlage bedeutet (vgl. Elsner / Müller / Spangenberg 1991), sucht nach den Kategorien, mit denen er Strukturwandel durch Medienevolution beschreiben soll. Wir wollen auf diese Frage anhand von drei Kategorien — Objektbereich, Beobachtungsperspektive und Beschreibungshorizont — eingehen. Der Objektbereich scheint auf den ersten Blick recht wenig Probleme aufzuwerfen, da es um die Evolution von Kommunikationsmedien gehen soil. Die Wahl der Beobachtungsperspektive verweist auf die Interessen und Problemlagen, die wir an unseren Gegenstandsbereich herantragen und wird somit auf seine Abgrenzung und Wahrnehmung zurückwirken. Auf der Ebene des Beschreibungshorizonts müssen wir uns in Beziehung zu den Sichtweisen und Diskursen der Mediengeschichtsschreibung setzen. Mit dem Versuch, die Medienevolution mit dem mentalitätsgeschichtlichen Ansatz zu verknüpfen, wollen wir diesen Diskurs für die zentralen Zeiterfahrungen der Moderne — erwartbarer Wandel und Beschleunigung — öffnen.
Monika Elsner, Hans Ulrich Gumbrecht, Thomas Müller, Peter M. Spangenberg

Public Opinion und Public Relations

Zusammenfassung
Die Evolution von Kommunikation hat im 20. Jahrhundert nicht nur doppelt so viele Medien erzeugt wie in der gesamten Zeit davor (→ II, Merten), sondern sie hat auch zur weiteren Ausdifferenzierung des Kommunikationssystems selbst geführt, die, weit weniger als die Evolution der Medien ins Blickfeld geraten, gleichwohl erheblichen Einfluß auf Kommunikation in der Mediengesellschaft ausübt: Die Rede ist von den kommunikativen Subsystemen Öffentliche Meinung und Public Relations, die sich auf dem Rücken der Evolution von Öffentlichkeit entwickelt haben.
Klaus Merten, Joachim Westerbarkey

Mediengattungen, Berichterstattungsmuster, Darstellungsformen

Zusammenfassung
Im alltäglichen Umgang mit Medienangeboten aller Art stoßen wir auf ein vertrautes Phänomen: Programmzeitschriften für Funk und Fernsehen offerieren Krimis, Westernlegenden, Nachrichten und Kommentare; Buchläden ordnen ihr Sortiment unter Standorten für Romane, Kochbücher, Hobby, Jagd und Wild; der Hörfunk bietet Mittagsmagazin, Hörspiel, Funkkolleg und Unterhaltung à la carte. Die Präsentation von Medienangeboten wie die Kommunikation über Medienangebote kommt also offensichtlich nicht ohne Gattungsbezeichnungen aus; und die Kommunikationsteilnehmer wissen mit solchen Gattungsbeziehungen durchaus etwas anzufangen.
Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weischenberg

Ereignis, Nachricht und Rezipient

Zusammenfassung
Ziel dieses Beitrages ist es, Nachrichtenproduktion und -rezeption als Prozesse der Selektion und Konstruktion sozialer Wirklichkeit zu begreifen. Analysiert werden sollen die Selektionskriterien der Produzenten und der Rezipienten von Nachrichten. Die zentralen Fragen lauten: Welche Ereignisse werden zur Nachricht? Welche der produzierten Nachrichten werden publiziert? Wie werden Nachrichten geschrieben? Welche Nachrichten werden rezipiert und verstanden? Und: Was machen verschiedene Rezipienten mit der Nachricht?
Georg Ruhrmann

Männerwelten — Frauenwelten. Wirklichkeitsmodelle, Geschlechterrollen, Chancenverteilung

Zusammenfassung
„Kein Ort. Nirgends.“ So beschreibt Christa Wolf in ihrem gleichnamigen Buch das Lebensgefühl der Dichterin Karoline von Günderrode, einer Frau, die in der bürgerlichen Gesellschaft an der Wende zum 19. Jahrhundert keinen Platz hatte. Ähnlich wie andere Publizistinnen und Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts mußte sie unter einem Pseudonym veröffentlichen, wie viele ambitionierte und begabte Frauen ihrer Zeit scheiterte sie an den starren und stereotypen Geschlechtsrollen (vgl. Kern/Kern 1988; Prokop 1983: 46–77; Pusch 1988; Schindel 1922; Theleweit 1989). Frauen galten damals als Hüterinnen von Heim und Herd; schriftstellerische, publizistische oder politische Betätigungen waren verpönt und wurden sanktioniert. Der Abbruch so manchen hoffnungsvollen Wirkens einer Frau auf künstlerischem, publizistischem oder politischem Gebiet erfolgte unter dramatischen, manchmal selbstzerstörerischen Umständen: Karoline von Günderrode setzte 1806, erst sechsundzwanzigjährig, ihrem Leben ein Ende.
Irene Neverla

Recherche und Nachrichtenproduktion als Konstruktionsprozesse

Zusammenfassung
Nicht nur in medientheoretischer, sondern auch in medienpraktischer Hinsicht besitzen die konstruktivistischen Theoreme und Denkmodelle einen großen heuristischen Wert. Sie konfrontieren den Wirklichkeitsbegriff des naiven, gleichwohl weit verbreiteten journalistischen Realismus1 mit einem subjektbezogenen Wirklichkeitsbegriff, der den Prozeß menschlicher Wahrnehmung ins Blickfeld rückt und damit auf immanente Bedingtheiten des journalistischen Handelns verweist.
Michael Haller

Wirkungen der Medien

Wirkungen von Kommunikation

Zusammenfassung
Fünfzig Jahre seit Ende der Phase der allmächtigen Wirkungen der Massenmedien1 sind an der Medienwirkungsforschung nicht spurlos vorübergegangen: Eine Fülle neuer Ansätze mit klangvollen Namen hat sich entwickelt und etabliert. Die Medienwirkungsforschung scheint „inzwischen in ein Stadium bisher nie gekannter theoretischer und methodischer Prosperität eingetreten (zu sein)“, und befindet sich „am Ende des Holzweges“ (Schulz 1982: 66).
Klaus Merten

Risikokommunikation in den Medien

Zusammenfassung
Der Risikobegriff hat derzeit in der öffentlichen Diskussion wie in der Sozialforschung Hochkonjunktur. Ulrich Beck hat sogar den Übergang von der klassischen Industriegesellschaft in die „Risikogesellschaft“ postuliert. Die Produktion von Risiken, die sich in einem frühen Stadium noch als Nebenwirkungen hätten legitimieren lassen, gewinne in den politischen und sozialen Auseinandersetzungen der Risikogesellschaft eine neue und zentrale Bedeutung (vgl. Beck 1986: 17). Charles Perrow argumentiert, daß die beim Einsatz moderner Technologien auftretenden Risiken angesichts der Komplexität der (technischen und organisatorischen) Systeme zwangsläufig zu Katastrophen führen müßten (Perrow 1984). Kennzeichen der Risikogesellschaft ist aber nicht unbedingt die Höhe der uns umgebenden Gefahren, denen Menschen ja immer schon und — wie sich aus der Verlängerung der Lebensdauer ablesen läßt — früher vielleicht stärker als heute ausgesetzt waren. Als charakteristisches Merkmal der Risikogesellschaft wird vielmehr angeführt, daß Gefahren zunehmend nicht mehr als unbeeinflußbar hingenommen, sondern als kalkulierbar und gestaltbar problematisiert werden (vgl. z. B. Evers / Nowotny 1987; Luhmann 1991b).
Hans Peter Peters

Gewalt und Pornographie im Fernsehen — Verführung oder Therapie?

Zusammenfassung
Die Diskussion über die möglichen Auswirkungen von Gewaltdarstellun-gen hat eine lange Tradition. Die Frage, wie Menschen von bildhaften oder verbalen Darstellungen beeinflußt werden, wurde schon in der Antike — hauptsächlich von Platon und Aristoteles — kontrovers diskutiert. Die Basis dieser Diskussion war dabei immer die Vorstellung, daß Menschen vor Inhalten und / oder Darbietungen geschützt werden müssen, die für sie schädlich sein können. Allerdings war die Auffassung, daß Menschen von bildlichen oder verbalen Darbietungen negativ beeinflußt werden, auch schon immer umstritten. So erhob Platon die Forderung, daß die Dichter von Märchen und Sagen beaufsichtigt werden müßten, so daß nur die guten Märchen an die Rezipienten weitergereicht würden, wobei offen blieb, was gut sein sollte und wer über gut oder nicht gut entscheiden sollte. Im Gegensatz zu Platon vertrat Aristoteles die Ansicht, durch eine Tragödie, die Stimmungen wie Furcht und Mitleid beim Zuschauer errege, werde eine reinigende Wirkung erzielt. Dieser als Katharsisthese in der Forschung bekannte Standpunkt schreibt Gewaltdarstellungen eine sozialhygienische Funktion zu, da durch die Rezeption derartiger Darstellungen Aggressionspotentiale abgebaut würden.
Dagmar Krebs

Kinder und Medien

Zusammenfassung
Kinder wachsen gegenwärtig in einer Umgebung auf, die von den Medien in einem Ausmaß geprägt wird, wie es die heute Erwachsenen noch nicht gekannt haben. Wer sich in einem ganz normalen Kinderzimmer umsieht und sich zum Vergleich zurückversetzt in seine eigene Kindheit, kann schon den Eindruck gewinnen, daß die Heranwachsenden von Medien geradezu „umstellt“ sind.
Bettina Hurrelmann

Weiblichkeitsklischees in der Fernsehwerbung

Zusammenfassung
Durch die nicht zu übersehende Präsenz in den Medien ist Werbung ein Massenkulturphänomen, das kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen in einem breiten Maße kommunikativ macht (vgl. Schmidt 1992a). Werbung stiftet individuelle und soziale Identität und bietet zunehmend Trendberichte an (z.B. Symbolbesetzung für Subkulturen, neue SeniorInnentypen, Geschlechts- und Rollenbilder usw.). Im Werbefernsehen werden in höchst komprimierter Form die populären Lebensentwürfe zitiert, die den ZuschauerInnen u.a. von ihren eigenen Erfahrungen, Träumen und Wunschvorstellungen sowie vom übrigen Programm her bekannt sind. Die werbespezifische Betrachtung des weiblichen Geschlechts erhellt somit den alltagsgeschichtlichen Boden, in dem die Vorstellungen von weiblicher Identität bzw. Existenz wurzeln.
Brigitte Spieß

Medienstrukturen und Mediendynamik

Journalismus als soziales System

Zusammenfassung
Konstruktivisten wie Heinz von Foerster (1985) provozieren mit der Feststellung, Objektivität sei die Illusion, daß Beobachtungen ohne jemanden möglich seien, der beobachtet. Es sind aber Beobachter, die beobachten. Ihre Beobachtungen beruhen auf Unterscheidungen, die jeweils nicht selbst mit beobachtet werden können, sondern nur in einer „Beobachtung zweiter Ordnung“ (I, Schmidt)1. Das nicht Sichtbare — gleichwohl Voraussetzung jeder Beobachtung — ist der blinde Fleck.
Siegfried Weischenberg

Die Entwicklung der Medientechnik

Zusammenfassung
Die Wirklichkeitsmodelle, die Medien anbieten, lassen sich — im weitesten Sinne — als soziale Konstruktionen verstehen. Sie werden geprägt von den Wirtschaftsverhältnissen in einer Gesellschaft und von den Organisationsverhältnissen, die durch die institutionalen Ordnungen und die sozialen Rollen deutlich werden. Sie sind aber insbesondere das Produkt von Techniken, die in einer Gesellschaft zur Vergung stehen.
Siegfried Weischenberg, Ulrich Hienzsch

Ökonomie und Organisation der Medien

Zusammenfassung
Massenmedien sirnd in vielfältiger Weise mit der Volkswirtschaft verwoben. Sie nehmen eine Schlüsselstellung ein, weil sie als Träger aktueller Informationsangebote das Schwungrad einer hochgradig differenzierten und anpassungsfähigen Wirtschaft in Gang halten. Vor allem in Gestalt der technischen Übertragungswege von Hörfunk und Fernsehen ist das Mediensystem integraler Bestandteil der sozioökonomischen Infrastruktur einer Volkswirtschaft. Sie könnte ohne die Verkehrswege für Waren und Dienstleistungen ebensowenig funktionieren wie ohne ein feingesponnenes technisches Netz von Übermittlungskanälen.
Jürgen Prott

Das Mediensystem der Bundesrepublik Deutschland

Zusammenfassung
„Machtkampf der Mediengiganten” (Süddeutsche Zeitung), „Zwist KirchSpringer geht in eine neue Runde vor dem Kadi” (Frankfurter Rundschau), „Offener Schlagabtausch” (Kirche und Rundfunk), „Aufmarsch der Bataillone” (Die Zeit), „Kirch und Springer schaden nicht nur sich selbst” (Frankfurter Allgemeine Zeitung): Solche Schlagzeilen über den jahrelangen Streit zwischen dem größten Verlagshaus der Bundesrepublik, dem Axel Springer-Konzern, und dem größten Filmhändler Europas, Leo Kirch, haben die Öffentlichkeit auf die sprunghaften Veränderungen im Mediengeschäft aufmerksam gemacht.
Horst Röper

Nationale und internationale Mediensysteme

Zusammenfassung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Tragfähigkeit allgemeiner oder theoretischer Aussagen über die Natur von „Kommunikation“ zu prüfen. Eine der ergiebigsten ist der Weg in die „weite Welt hinein“, also eine Überprüfung anhand von Beispielen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland.
Hans J. Kleinsteuber

Kommunikation in der Informationsgesellschaft

Zusammenfassung
Im Verlauf der letzten drei Jahrzehnte hat sich der Begriff ‚Informationsgesellschaft’ zu einer Schlüsselkategorie politischer und ökonomischer Diskurse über den sozialen Wandel von Industriegesellschaften entwickelt — mit erheblichen Konsequenzen gerade auch für die Debatte über die Zukunft der (Medien-)Kommunikation. Die wissenschaftliche Relevanz des Begriffes wird freilich nach wie vor recht unterschiedlich bewertet: Schäfers (21986: 131 ff.) zählt ‚Informationsgesellschaft’ zu den Grundbegriffen der Soziologie. Willke (1989: 23) findet den Begriff im Rahmen der Selbstbeschreibung der modernen Gesellschaft „sinnvoll“. Luhmann (1992: 17) hingegen meint, hier werde lediglich ein mit allen Zügen forcierter Einseitigkeit behaftetes Schlagwort kreiert. Tatsächlich könne die Moderne „[...] sich selbst noch nicht ausreichend beschreiben, also markiert sie ihre Neuheit durch Bestempelung des Alten und verdeckt damit zugleich die Verlegenheit, nicht zu wissen, was eigentlich geschieht“ (ebd.: 14).
Martin Löffelholz, Klaus-Dieter Altmeppen

Nachbemerkung

Konstruktivismus in der Medienforschung: Konzepte, Kritiken, Konsequenzen

Zusammenfassung
Reaktionen auf das Funkkolleg „Medien und Kommunikation. Konstruktionen von Wirklichkeit“ (vgl. dazu Weischenberg 1993) sowie Reaktionen auf konstruktivistische Publikationen der letzten Jahre (vgl. dazu zusammenfassend Nüse et al. 1991) haben deutlich gemacht, daß wichtige konstruktivistische Hypothesen unzureichend formuliert worden sind. Da auch im vorliegenden Handbuch viele — wenn auch nicht alle — Autoren konstruktivistisch argumentieren bzw. auf konstruktivistische Hypothesen zurückgreifen, sollen in diesem Beitrag einige Klarstellungen und weiterführende Korrekturen versucht werden. Da in Kapitel I zusammenfassende Darstellungen konstruktivistischer Positionen gegeben werden, konzentriert sich dieser Beitrag auf Aspekte, die dort nicht so ausführlich angesprochen werden, die aber zur Klärung von Kontroversen beitragen können.
Siegfried J. Schmidt

Backmatter

Weitere Informationen