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14.11.2017 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Was die Blockchain der Energiewirtschaft bringt

Autor:
Frank Urbansky

Blockchain kann auch die Energiewirtschaft revolutionieren. Für Messungen und Transaktionen bedarf es weder Messdienstleister noch Banken. Das könnte die dezentrale Energiewende voranbringen.

Blockchain ist ein viel diskutiertes Thema. Auch für die Energiewirtschaft werden erste Anwendungen realisiert und geplant. "While academic research is still emerging, several industrial projects such as the Brooklyn Microgrid are already testing the use of blockchains as the main ICT for energy markets", beschreiben die Springer-Autoren Esther Mengelkamp, Benedikt Notheisen, Carolin Beer, David Dauer und Christof Weinhardt sowohl den Status als auch die Stellung des wohl bekanntesten Energiekonzepts, das Blockchain verwendet, in ihrem Zeitschriftenbeitrag A blockchain-based smart grid: towards sustainable local energy markets vom 22.07.2017. 

Empfehlung der Redaktion

22.08.2017 | Special Issue Paper

A blockchain-based smart grid: towards sustainable local energy markets

The increasing amount of renewable energy sources in the energy system calls for new market approaches to price and distribute the volatile and decentralized generation. Local energy markets, on which consumers and prosumers can trade locally produced renewable generation directly within their community, balance generation and consumption locally in a decentralized approach.


Bevor es jedoch um diese erste konkrete Anwendung in der Energiewirtschaft geht, erst einmal eine Erklärung, was eine Blockchain ist.

Digitales Kassenbuch für viele

Blockchain ist ein digitales Kassenbuch. Ein aktueller Datensatz ist immer auch mit dem vorher gehenden Datensatz (Block) verkettet, daher der Name. Zudem liegen diese Datensätze und Transaktionen bei allen Teilnehmern der Blockchain gleichzeitig auf dem Rechner. Diese sind anonymisiert, was die Teilnehmer der Transaktionen betrifft. Durch die Vielzahl der gesicherten Transaktionen ist sie absolut manipulationssicher.

Abgerechnet wird dabei mit einer digitalen Währung. Die bekannteste ist Bitcoin. Mit Ether ist zudem ein Zahlungsmittel blockchaingeeignet, das auch Befehle aufnehmen kann, etwa zu Zahlungszeiträumen oder Zahlungshöhen.

Für die Energiewirtschaft ist dieses in der Finanzwirtschaft entwickelte Modell auch deshalb interessant, weil es mit vielen Millionen Datensätzen operieren kann. Das ist ein typisches Erfordernis bei Energieversorgern.

Und so ist die erste Anwendung auch eine zwischen Energieproduzenten und Energieverbrauchern: Das Brooklyn Microgrid im gleichnamigen New Yorker Stadtteil vereint Hausbesitzer mit PV-Anlagen und Strom-Abnehmer wie Privatpersonen, einen Kindergarten sowie eine Feuerwache, Tankstelle und Produktionsbetriebe.

Die Preise werden in automatisierten Auktionen festgelegt. Jeder Teilnehmer kann angeben, was er zu welchem Zeitpunkt für den Strom bezahlen kann oder will. Das höchste Gebot gewinnt. Es misst gleichzeitig die Energieproduktion, deren Lieferung und den Verbrauch und ermittelt auch die Rechnungssummen. Entwickelt wurde es von IBM. Ist es noch mit 50 Teilnehmern gestartet, sollen es im nächsten Jahr schon 1.000 sein. Reicht der Strom aus den PV-Anlagen nicht aus, wird er übrigens vom örtlichen konventionellen Kraftwerk zugekauft. Mittels der Blockchain können also stark dezentrale Projekte in der Energiewirtschaft realisiert werden – ohne Großkraftwerke und Übertragungsnetzbetreiber.

Erste Projekte in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es erste Projekte. Hier sollen noch in diesem Jahr 20 Unternehmen auf Basis einer Blockchain Energie handeln – direkt untereinander und unter Ausschluss der Leipziger Energiebörse EEX. Der E-Batteriehersteller Sonnen und Netzbetreiber TenneT verbinden in einem anderen Projekt PV-Heimspeicher per Blockchain, um so Schwankungen im Stromnetz zu nutzen oder auszugleichen.

Dennoch ist zu beachten, dass die Entwicklung für die Energiewirtschaft noch am Anfang steht. Und nicht alle Prozesse werden sich mit einer Blockchain darstellen lassen. "Dem Hype folgt die Ernüchterung, dass sehr genau geprüft und analysiert werden muss, bevor es zum Einsatz der Blockchain-Technologie kommen kann", beschreiben dies die Springer Gabler-Autoren Stephan Wiefling, Luigi Lo Iacono und Frederik Sandbrink in Ihrem Zeitschriftenbeitrag Anwendung der Blockchain außerhalb von Geldwährungen auf Seite 486.

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