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Hohe Zinsen und Baukosten bremsen Wohnungsbau aus

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In Deutschland entsteht zu wenig neuer Wohraum. Die Nachfrage nach Baufinanzierungen sinkt aufgrund hoher Zinsen. Und steigende Baukosten belasten die Baukonjunktur zusätzlich. Forscher sehen nun die öffentliche Hand am Zug.

Die Erweiterung bestehender KfW-Programme sowie der Aufbau neuer öffentlicher Einrichtungen, die den Bau bezahlbaren Wohnraums fördern, sollen der Baukonjunktur wieder Auftrieb verleihen, meinen Ökonomen. 


Der Wohnungsbau in Deutschland stottert gewaltig: Die bereits Mitte 2022 eingeläutete Zinswende hat die Nachfrage nach Baufinanzierungen deutlich gedämpft. Gegenüber dem Vorjahr hat sich diese laut Zahlen von Barkow Consulting aus dem Mai halbiert. Zusätzlich dämpfen hohe Kosten für Baumaterial die Entstehung neuer Wohneinheiten in Mehr- und Einfamilienhäusern, wie das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung aktuell berechnet hat. 

Nur 177.000 neue Wohneinheiten 2024 möglich

Das Forschungsteam schätzt, dass nach 295.000 im Vorjahr 2023 im schlechtesten Fall 223.000 Einheiten fertiggestellt werden. 2024 könnten es sogar nur noch 177.000 sein. Damit wäre der historische Tiefststand von 2009 erreicht, heißt es. Eigentlich soll es nach dem Willen der Bundesregierung jährlich 400.000 neue Eigenheime geben. Treffen die vom IMK prognostizierten Zahlen ein, sinken die realen Wohnungsbauinvestitionen um knapp 21 Milliarden Euro in diesem und um gut 16 Milliarden Euro 2024. Die Forschenden sprechen sich daher für öffentlich geförderten Wohnungsbau aus und fordern Strukturen für eine schnellere Umsetzung. 

Damit sich die Wohnungsknappheit nicht weiter zuspitzt und die Kapazitäten der Bauwirtschaft dauerhaft zurückgefahren werden, schlagen die Ökonomen unter anderem eine Aufstockung und Ausweitung von existierenden KfW-Programmen für den sozialen Wohnungsbau vor. Damit sollen die durch steigende Zinsen verursachten Kosten abgefedert werden. Eine weitere Förderoption bestehe bei der Erbpacht. 

Beratungsgesellschaft, Boden- und Beteiligungsfonds sinnvoll

Mittelfristig sinnvoll sei zudem der Aufbau neuer öffentlicher Einrichtungen, die den Bau bezahlbaren Wohnraums fördern. Hierzu gehöre 

  • eine bundesweit agierende Beratungsgesellschaft, die die kommunale Verwaltungen bei der Planung von Wohn- und Stadtteilprojekten unterstützt - etwa durch den Ausbau der bereits existierenden Beratungsgesellschaft "Partnerschaft Deutschland",
  • ein Bodenfonds, der den Kommunen hilft, das öffentliche Eigentum an Grund und Boden auszuweiten sowie.
  • ein Beteiligungsfonds, der sich als Minderheitsgesellschafter an öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften beteiligen und so deren Eigenkapitalbasis stärkt.

Risiken staatlicher Förderung beherrschbar

Ob die Erhöhung der Wohnungsbauförderung für Sozialbauten durch das Bundesbauministerium die Zahl neuer Einheiten im laufenden und kommenden Jahr positiv beeinflusst, ist aufgrund mangelnder Datenlage laut der Forschungsgruppe derzeit nicht kalkulierbar. Befürchtungen, ein verstärktes Engagement der öffentlichen Hand werde dazu beitragen, die Baupreise und indirekt auch die Inflation anzuheizen, halten die IMK-Fachleute in der gegenwärtigen Situation allerdings für überzogen. Die Risiken seien beherrschbar, insbesondere, wenn man die Ausgaben schrittweise aufstocke, die Lage im Jahresrhythmus evaluiere, die sonstige Bautätigkeit im Blick behalte und auf die weiteren Ausbaustufen bei gegebenenfalls besserer Entwicklung verzichte. 

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