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02.02.2024 | Notenbanken | Im Fokus | Online-Artikel

EZB zieht bei grüner Transformation die Zügel an

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

3:30 Min. Lesedauer

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Die EZB hat ihre eigene klimabezogene Ausrichtung überprüft: Bei ihrer Arbeit spielen künftig die Folgen des Klimawandels und die mit den Gegenmaßnahmen verbundenen Investitionen und Kosten in der Wirtschaft eine noch größere Rolle.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) gewinnt das Thema Klimawandel weiter an Gewicht: "Das heißere Klima und die Zerstörung natürlicher Ressourcen zwingen unsere Wirtschaft und unser Finanzsystem zur Anpassung", erläutert EZB-Präsidentin Christine Lagarde. "Wenn wir unsere Bemühungen ausweiten und intensivieren, können wir die Tragweite dieser Anpassung besser nachvollziehen und somit zur Förderung der Stabilität und des grünen Wandels in der Wirtschaft und im Finanzsystem beitragen."

EZB nennt drei Arbeitsschwerpunkte  

Hierzu will sich die Notenbank bei ihrer Arbeit in den Jahren 2024 und 2025 schwerpunktmäßig mit den

  • Auswirkungen und Risiken des Übergangs zu einer grünen Wirtschaft und den damit verbundenen Investitionen und Kosten, 
  • der zunehmende physischen Auswirkungen des Klimawandels und den Maßnahmen der Wirtschaft zur Anpassung an eine Welt mit heißerem Klima sowie
  • den Risiken durch Verlust und Zerstörung der Umwelt und deren Folgen für die Wirtschaft und Finanzsystem befassen.  

Ökologische EZB-Leitlinien sind Messlatte

Auf europäischer Ebene geben bereits heute EU-Parlament, EU-Kommission sowie die EZB und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) die Leitlinien vor, an denen die Finanzinstitute ihre Nachhaltigkeitsstrategien ausrichten. 

Doch auch über die regulatorischen Anforderungen hinaus sollten die Banken ein genuines Interesse daran besitzen, sowohl aus wirtschaftlicher als auch ethischer Perspektive ihre eigenen Treibhausgasemissionen zu reduzieren, Kunden bei der Transformation in Richtung Klimaneutralität zu begleiten und so einen effektiven Beitrag zur Eindämmung der Erderwärmung zu leisten", schreiben die Springer-Autoren Sören Abendroth und Thorgny Sörensen zum Nachhaltigkeitsmanagement in Banken. 

Klimarisiken und Investitionsschwerpunkte im Blick

Konkret konzentriert sich die EZB bei ihrer Arbeit künftig stärker auf die Finanzierung grüner Investitionen, die Übergangspläne sowie die Auswirkungen des grünen Wandels auf wirtschaftliche Aspekte wie Arbeit, Produktivität und Wachstum. Die Ergebnisse sollen schließlich in die gesamtwirtschaftlichen Modelle der Notenbank einfließen. "Ferner wird die EZB im Rahmen ihres Mandats prüfen, ob angesichts dieses Übergangs weitere Änderungen ihrer geldpolitischen Instrumente oder Portfolios erforderlich sind", heißt es in einer Mitteilung. 

Außerdem will das Institut prüfen, wie sich die Folgen von Extremwetterereignissen auf die Inflation und das Finanzsystem in Klimaszenarien und gesamtwirtschaftliche Projektionen integrieren lassen. Hierbei werden auch die potenziellen Auswirkungen von Anpassungen oder deren Unterlassung in Bezug auf den Klimawandel durch die Wirtschaft und den Finanzsektor bewertet, "einschließlich des damit verbundenen Investitionsbedarfs und der entsprechenden Versicherungslücke".

In Hinblick auf den Verlust und die Zerstörung der Umwelt wird die EZB die enge Verbindung zum Klimawandel sowie die damit verbundenen wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen analysieren. Außerdem will sie die Rolle von Ökosystemen für Wirtschaft und Finanzsystem weiter prüfen.

Neues Umweltmanagementprogramm startet

Hinsichtlich ihrer eigenen Geschäfte leitet die EZB nach eigenen Angaben ihr achtes Umweltmanagementprogramm ein. Damit will das Institut seine für 2030 gesteckten CO2-Reduktionsziele erreichen. Hierzu gehören unter anderem neue Ökodesign-Grundsätze für die künftige Euro-Banknotenserie, die sich aktuell in der Vorbereitungsphase befindet. 

In einer Mitte Dezember vorgestellten Analyse hat die EZB die Auswirkungen von Bargeld auf die Umwelt dargelegt. Die Erhebung umfasst alle Aktivitäten in einem kompletten Banknotenkreislauf von der Beschaffung der Rohstoffe über die Herstellung, Verteilung und Inverkehrgabe bis hin zu ihrer Entsorgung durch die nationalen Zentralbanken der Euro-Länder. Als Datenbasis dient die von der EU-Kommission verwendete Methode zur Ermittlung des Umweltfußabdrucks von Produkten. "Deren Grundlage sind Untersuchungen, die 2004 im Zusammenhang mit der Ökobilanz der ersten Euro-Banknotenserie begonnen wurden", hieß es in einer Mitteilung von Ende 2023.

Maßnahmen werden regelmäßig überprüft

Mit der stärkeren ökologische Ausrichtung ihrer Arbeit folgt die Zentralbank einer Bestandsaufnahme der Klimamaßnahmen, die auf der Klimaagenda aus dem Jahr 2022 basieren. Angesichts des sich wandelnden Umfelds und einer besseren Datenbasis hat das Institut zudem seinen Arbeitsplan angepasst, heißt es weiter. Die EZB will ihre klimabezogenen Indikatoren, die Überwachung und die Offenlegung von Risiken optimieren. 

Die für das laufende und das kommende Jahr getroffenen Maßnahmen werden regelmäßig überprüft, "um sicherzustellen, dass sie zweckmäßig sind und zur Erfüllung ihres Mandats beitragen". 

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