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Über dieses Buch

Im Topologischen Manifest sind die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Topologie der Technik“ auf prägnante Weise dargelegt. Der spatial turn analysierte die Produktion des Raumes durch soziale Praktiken, jedoch ohne die Einbettung jener Praktiken in technische Systeme zu berücksichtigen. Angesichts der Bedeutung technisierter Räume für das heutige Leben ist dieser Mangel akut. In diesem Band sind neben dem Manifest Beiträge aus verschiedenen Disziplinen versammelt, um Möglichkeiten und Grenzen einer Topologie der Technik auszuloten. Ausgehend von einem modalen Machtbegriff wird nach technogener Formation und Transformation von Räumen gefragt, nach der Konzeptionalisierung relationaler Räume als Struktur- oder Netzphänomenen und der Rolle von Imagination für raumbildende Prozesse.
Der InhaltDie interdisziplinären Beiträge gruppieren und positionieren sich um und auf unterschiedliche Weise zum Topologischen Manifest sowie den darin niedergelegten Raumthesen und -typen. Sie reichen von raumtheoretischen Überlegungen und den Besonderheiten relationaler Räume über historische und praxeologische Abhandlungen zur Performanz von Orten bis hin zur Analyse spezifischer Räume wie virtuellen und textuellen Räumen, Sicherheits- und Möglichkeitsräumen oder der Kryosphäre. Die Autorinnen und Autoren erforschen Praktiken, Dynamiken und Zustandsbedingungen im Beziehungsgefüge zwischen Technik, Macht und Raum.
Die ZielgruppenForschende auf den Gebieten der Raum- und Technikphilosophie, -soziologie, -geschichte sowie alle interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
Die HerausgeberDie Herausgeberinnen und Herausgeber sind Doktorandinnen und Doktoranden im Forschungsprojekt „Topologie der Technik“ in Darmstadt.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Topologie der Technik

Manifestation eines interdisziplinären Forschungsprogramms
Das Topologische Manifest des Darmstädter Graduiertenkollegs Topologie der Technik proklamiert mit Verve einen Paradigmenwechsel in der Raumforschung: „Vom leeren Raum zum Relationengefüge, vom bloßen Konstrukt zum Dispositiv!“ (TM [2]) Mein Beitrag geht der Genealogie einer relationalen Topologie nach und arbeitet in den Werken Carl Schmitts und Viktor von Weizsäckers Ansätze einer Raumtheorie heraus, die wichtige Grundannahmen des Topologischen Manifests vorwegnimmt. Die neuesten relationalen Raumtheorien werden so wissensgeschichtlich eingeordnet.
Andreas Brenneis, Oliver Honer, Sina Keesser, Annette Ripper, Silke Vetter-Schultheiß

Topologische Avantgarde

Das Topologische Manifest des Darmstädter Graduiertenkollegs Topologie der Technik proklamiert mit Verve einen Paradigmenwechsel in der Raumforschung: „Vom leeren Raum zum Relationengefüge, vom bloßen Konstrukt zum Dispositiv!“ (TM [2]) Mein Beitrag geht der Genealogie einer relationalen Topologie nach und arbeitet in den Werken Carl Schmitts und Viktor von Weizsäckers Ansätze einer Raumtheorie heraus, die wichtige Grundannahmen des Topologischen Manifests vorwegnimmt. Die neuesten relationalen Raumtheorien werden so wissensgeschichtlich eingeordnet.
Niels Werber

Widerstände in den Aufteilungen des Sinnlichen

Eine Bildbeschreibung
Mit den Mitteln einer Bildbeschreibung wird der Versuch unternommen, zu klären, wie sogenannte Sichtbarkeitsregime erfasst werden können, um diese als Einheiten von sinnlicher Wahrnehmung, Macht und Raum zu verstehen. Grundlage hierfür bildet die Illustration zu einem Meeting the Challenge betitelten Bericht des European Security Research Advisory Boards von 2006, der die Agenda der Europäischen Sicherheitsforschung stark geprägt haben dürfte. Alltag anzeigend fügt das Bild unmerklich Bedrohung und Sicherheit ineinander, repräsentiert nicht einfach Wirklichkeit, sondern erweist sich selbst als handlungswirksames Fragment dieser. Während es Abstraktes mit Konkretem verbindet und konserviert, greift es als Bildakt auf den Betrachter aus, zieht diesen in Bann und zwingt ihn, sich in dem explizierten Netz aus Beziehungen zu positionieren. Anknüpfungspunkt des Experiments bildet das klassische Problem der Bildbeschreibung, wonach sich kein Bild einfach in Sprache übersetzen lasse, ohne es erneut sinnlichen Aufteilungen im Sinne Jacques Rancières zu unterwerfen, die es dann selbst als ein Sichtbarkeitsregime ausweisen. Für den Betrachter folgt hieraus aber, dass er die Bildtechnik als eine offene verstehen und sich von der einmal begriffenen Bildkonstruktion emanzipieren kann. Entsprechend sind hier auch Beobachtungen anzutreffen, die sich im Topologischen Manifest wiederfinden, insbesondere in den Abschnitten 5 und 7 zu den Sicherheitsräumen.
Leon Hempel, Thomas Markwart

Literally Imagination

Aviation Security Practices and Literary Fiction
In fiktionaler Literatur werden Beziehungsgefüge zwischen wirklichen und möglichen Relationen gestaltet. Je nachdem, welche gesellschaftspolitische Relevanz ihren Inhalten zugesprochen wird, erlangen literarische Werke Geltungsmacht. Sie werden dann in Medien, manchmal sogar in sicherheitspolitischen Kreisen, Gegenstand einer Bezugnahme. In diesem Beitrag wird gezeigt, wie fiktionale Literatur an der Produktion und der Rezeption von Sicherheitsräumen im Luftverkehr beteiligt sind. Darüber hinaus wird die strukturelle Verwandtschaft literarischer mit Praktiken in Sicherheitsräumen thematisiert und am Beispiel von Identitätskonstruktionen, Szenarien und Techniken der Täuschung erörtert, in welcher Weise genuin literarische Techniken in Sicherheitsräumen zum Einsatz kommen. Auf der Grundlage fiktions-, sicherheits- und intertextualitätstheoretischer Annahmen lassen sich diese als Praktiken ‚als ob‘ einerseits näher bestimmen und die Relationen zwischen faktualen und fiktionalen Elementen benennen. Andererseits kann somit ihre topologische Charakteristik und deren raumbildende Dimension identifiziert werden. In Sicherheitsräumen öffnen und verschließen sich Handlungs-, Deutungs- und Seinsmöglichkeiten, die von der Literatur ausgefüllt werden können, die somit entweder an Wirklichkeitswert gewinnt oder aber Deutungsmuster verstärkt.
Annette Ripper

Virtualität und Macht

Die Informationsgesellschaft pflegt einen selbstverständlichen Umgang mit ihren sich immer weiter entwickelnden technischen Geräten. Die neuen Phänomene der Virtualität sind dabei jedoch weitgehend unreflektiert als Schein oder Unwirklichkeit konnotiert. In der phänomenologischen Analyse zeigt sich, dass insbesondere der virtuelle Ort als versammelndes Prinzip eine Realität schafft, die, ganz im Gegensatz zum abstrakten Konzept des Cyberspace, eine ontologische Verbindung zur menschlichen Alltagswelt herstellt und sie auf diese Weise erweitert.
Tobias Holischka

Ein Sturm zieht auf

Urbane Katastrophen als Heterotopien und Heterochronien
Wenn Katastrophen moderne Großstädte treffen, stehen alle gesellschaftlichen Ordnungen zur Disposition – ob nun durch das Scheitern unvorbereiteter Behörden, plötzlich aufkochende gesellschaftliche Konflikte oder das Zusammenbrechen der ‚Weltbilder‘, die alltäglich zwischen den Menschen und ihrer Umwelt vermitteln sollen. Katastrophen zeigen auch epistemologische Krisen innerhalb der Kultur auf: welchen Anteil hat noch die ‚Natur‘ an einem Umweltereignis, wenn es insbesondere durch fahrlässigen Umgang mit Technologie in seinen Folgen verstärkt wird, oder wenn ein Mythos der ‚Beherrschbarkeit‘ von Umweltkräften zum mitunter opportunen Ausblenden von realen Bedrohungen führt? Analog zu den materiellen Verwüstungen der Katastrophe ‚überschreiben‘ solche gesellschaftlichen und epistemologischen Krisen den Stadtraum und dessen Funktionen. Ausgehend von Foucaults Konzept der „Heterotopie“ ist dieser Aufsatz ein Versuch, komplementär zur Katastrophe als Ereignis von ‚katastrophalen Räumen‘ auszugehen und diese – wie beispielsweise die ‚schöne Ruine‘ – sowohl ästhetisch und als Teil bestimmter politischer Programme zu analysieren, in denen das Katastrophale zum Anlass gesellschaftlicher Neuordnungen wird.
Jacob Birken

Die ausgeklammerte Welt und das Gefängnis der eigenen Sprache

Zur Sprecherin von Luhmanns Ausführungen zur Technik
Die Erzähltheorie Gérard Genettes gehört zu den Theorieentwürfen, die die logische Struktur von Erzähltexten in weitgehender Widerspruchsfreiheit begrifflich abbildbar machen. Genette öffnet Erzähltexte für eine nahezu hyperwissenschaftliche Zugangsweise, die bis weit in die Wechselwirkungen und Beziehungen zwischen erzählenden Texten und Realität logisch vordringt und sie beschreibt. Der Aufsatz fokussiert mit Hilfe von Genettes Erzähltheorie auf die Aussage-Mechanismen, derer sich die ‚Sozialontologie‘ Luhmanns bedient und zielt auf den „rhetorischen Status eines Textes“ (TM [26]). Die These: Aufgrund ihrer Raumignoranz eignet sich der Soziologieentwurf schlecht für techniktopologische Fragestellungen und lässt sich als Negativ-Folie gegen das Topologische Manifest lesen. Vom Technikbegriff ausgehend wird die Logik der Text-Architektur von „Die Gesellschaft der Gesellschaft“ und deren diskursive Einbindung ‚geröntgt‘. Zwar werden im Spannungsfeld „komplexe Infrastrukturprobleme - Machtbeziehungen“ (TM [1]) die mit Technik einhergehenden komplexen Infrastrukturprobleme bei Luhmann ‚(sozial)ontologisch‘ erfassbar, der Ansatz bleibt jedoch blind gegenüber diskursiven Machtbeziehungen, die Raum be- und durchsetzen. Ein demokratischer und empirisch gesättigter – das heißt: ortsrelational und praktikeninteressierter – Umgang mit Technik wird durch Luhmanns Ansatz mindestens behindert. Der „technisierte Raum“, in dem Luhmanns Wissenschaft agiert, ist ein ‚sprachtechnisiert‘ konzeptualisierter Raum, der paradoxerweise keinen Raum braucht.
Frauke Nowak

Die Technisierung des Leibes

Der Diskussion um die medizinischen Grundkategorien (krank/gesund) und die mögliche Entwicklung hin zu einer ‚wunscherfüllenden Medizin‘, die sich an biomedizinischen Technologien und ihrer potentiellen Dienlichkeit zu Enhancementpraktiken entzündet, mangelt es an einer technikphilosophischen Perspektive. Ausgehend von der Kulturphilosophie wird versucht, eine Modellierung zu entwickeln, die den Zusammenhang von Handlungslogik, Technik und orientierenden Wertdimensionen verständlich macht, d. h. wie technische Artefakte jenseits von Vermarktwirtschaftlichungsprozessen auf Praktiken, aus denen sie hervorgingen, zurückwirken. Die Ordnung des durch Technik – verstanden als symbolische Form – eröffneten Möglichkeitsraumes wird über die Begriffe vom logischen, teleologischen und kulturellen Raum aufgeschlüsselt. Entwicklungsdynamiken lassen sich dann als subversive Prozesse wie auch in Form einer orientierenden, aber nicht determinierenden „kulturellen Logik der Objekte“ (Simmel) begreifen. Angewendet auf die Medizin als Handlungsfeld zeigt sich Enhancement als abweichende Praxis auf Basis des medizinischen Möglichkeitsraumes, der nicht nur quantitativ, sondern qualitativ um eine neue orientierende Wertdimension erweitert wird.
Oliver Honer

Kryosphäre

Künstliche Kälte im Dispositiv der Biomacht
Der vorliegende Beitrag untersucht die Topologie globaler Kühlnetzwerke unter dem Gesichtspunkt eines modalen Machtkonzeptes. Zunächst stellen wir das integrierte Raum-Zeit-Gefüge biozentrischer Kälteinfrastrukturen als einen vernetzten Dispositionsraum und dessen Topologie vor: die Kryosphäre. Darauf folgt eine historische Rekonstruktion ihres Zustandekommens, der daran beteiligten Akteurs-Netzwerke und des sich in ihnen scheinbar zielgerichtet entfaltenden Zwecks: die umfassende Disposition, Inwertsetzung und Sicherung des Lebens. Die Kryosphäre lässt sich damit als ein zentrales Dispositiv der Biomacht beschreiben. Wie aber lässt sich das Verhältnis der umfassenden biopolitischen Strategie, die sich in der Entfaltung der Kryosphäre realisiert, zu den verteilten Akteurs-Netzwerken näher bestimmen, denen sie ihr Zustandekommen verdankt? Und wie verhält sich die enorme raum-zeitliche Handlungsmacht, die der biozentrische Technospace der Kryosphäre eröffnet, zu der umfassenden Abhängigkeit moderner Gesellschaften von der Verfügbarkeit künstlicher Kälte? Ausgehend von der Topologie global vernetzter Kälteinfrastrukturen werden am Schluss des Beitrags weiterführende machttheoretische Überlegungen angestellt.
Alexander Friedrich, Christoph Hubig

Kryosphären des Kapitals

Zur urbanen Topologie des gekühlten Lebens
Mit der Ausbreitung von Technologien des Kühlens und Gefrierens etabliert sich im 19. Jahrhundert eine neue räumliche Konfiguration: Die Kryosphäre. Die klimakontrollierten Umwelten erweisen sich dabei nicht nur als entscheidende Faktoren kapitalistischer Industrialisierung, Kolonialisierung und Urbanisierung. Sie durchdringen zudem immer mehr Bereiche des Alltags: Von Wohnen, Arbeit und Freizeit bis hin zu Mobilität und Ernährung. Längst sind die Territorien und Techniken künstlicher Kälte zu einem konstitutiven Element moderner Gesellschaften geworden. Dieser Aufsatz rekonstruiert die historischen Dynamiken, die zur Entfaltung der Kryosphäre seit der Mitte des 19. Jahrhunderts geführt haben. Er führt uns über die Sümpfe Floridas, die Schlachthöfe Chicagos und Fabriken New Yorks hin zur planetaren Durchsetzung klimakontrollierter urbaner Räume im späten 20. Jahrhundert. Dabei zeigt sich, dass sich in der Durchsetzung dieser Territorien und Netzwerke der Kälte ein neues Dispositiv der Kryopolitik formiert. In der Schaffung wohltemperierter Körper zielt es darauf ab, die Produktivität und Vitalität der Bevölkerung zu steigern. Zugleich etablieren sich insbesondere an den Rändern der Kryosphäre neue Formen sozio-ökonomischer Ungleichheit und Exklusion.
Stefan Höhne

Relationale Räume mit Grenzen

Grundbegriffe der Analyse alltagsweltlicher Raumphänomene
Dieser Artikel bietet eine raumsoziologische Konzeptualisierung der Grenze an. Im Rahmen relationaler Raumtheorien haben Grenzen bisher wenig Beachtung gefunden, genau wie relationale Raumkonzepte innerhalb der border-studies kaum rezipiert wurden. Um die empirische Existenz von Containerräumen zu verstehen, ohne die Einsichten des spatial turn zu negieren, bedarf es eines Konzepts der Grenze im Rahmen einer relationalen Theorie des Raums.
Martina Löw, Gunter Weidenhaus

The Architects’ Ban on Advertising

On the Conflicts between Architectural Professional Ideals and Mass Media
Der vorliegende Beitrag widmet sich dem Werbeverbot für Architekten, das bis zu seiner Abschaffung 1986 für alle Mitglieder des Royal Institute of British Architects galt. Als integraler Bestandteil der Professionsehre und des Berufskodexes forderte es von britischen Architekten einen stilvollen und diskreten Umgang mit medialer Öffentlichkeit, mit der sich die Architekturprofession von unternehmerischer Konkurrenz im Baugewerbe absetzen wollte. In der Mediengesellschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde diese Haltung zunehmend problematisch, weil sie eine weitere wichtige Aufgabe der Professionsorganisation – der Architektur zu öffentlichem Ansehen zu verhelfen – zu verhindern schien. Die innerhalb des Royal Institute of British Architects geführten Debatten darüber, wie zeitgemäß oder tradiert das Verbot sei, offenbart einen zeitgenössischen Widerspruch zwischen professionellem Selbstverständnis und Dominanz medialer Meinungsbildung.
Sina Keesser

Raumgestaltung als Sozialtechnologie ?

Eine Selbsterkundung aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive
Ein Blick auf die eigenen, raumbezogenen, geschichtswissenschaftlichen Forschungsarbeiten des Autors dient zur Reflexion über die Frage, wie sich ‚hinter‘ den in den Quellen überlieferten Raumrepräsentationen die Wirklichkeit historischer Räume und Raumdeterminationen erkennen lässt.
David Kuchenbuch

Vordigitale und digitale Buchseite

Der Text als Raum
Der Beitrag reflektiert Formen des Textgebrauchs. Wenn sich im Zuge des digitalen Wandels die Textarbeit von der Buchseite ablöst und Alternativen zu paperwork den Alltag der Textarbeit – allem voran des Lesens – prägen, so verlagert das nicht nur den einen oder anderen Handgriff. Es ändert sich Textualität. Um dies in den Blick zu nehmen, blicken die Autorinnen zunächst historisch zurück. Mit Ivan Illich (L’Ére du livre, 1990) wird an diejenigen Medienbrüche erinnert, mit welchen „der Text“ – ein kaum mit der opaken ‚weißen‘, unräumlichen Buchseite verbundenes Abstraktum – als ganz eigenes Phänomen entstanden ist. Wie der „Text“ ist die dazugehörige Lesepraxis eine neuzeitlich-moderne Errungenschaft. Gleiches gilt für die zuvor so weder existenten noch möglichen Text-Wissenschaften: Philologie, Textforschung, „Theorie“ im heutigen Sinne haben sich als Praxis der Buchseite erst schrittweise etabliert. Wie mag sich Textgebrauch im digitalen Raum nun ändern? Im Beitrag wird das Bild vom digitalen Text als Raum gewählt, um hierzu Stellung zu nehmen. Die Autorinnen plädieren dafür, die Frage nach dem – auch ja in der wissenschaftlichen Praxis – unumkehrbaren Wandel nicht vorschnell zu entdramatisieren.
Petra Gehring, Andrea Rapp

Verstehen als Erwachen

Zur Topologie von Denkbildern und Metaphern
Ausgehend vom Topologischen Manifest lässt sich Verstehen als ein Denken von und in Konstellationen erfassen. Traditionell ist der Name für ein solches sich reflektierendes Denken die Dialektik. Diese kann von ihren Ziel- und Ausgangspunkten her analysiert werden. Dabei sind entweder die Formen des Denkens zentral oder das Material desselben. Josef Königs Untersuchungen zu Sein und Denken lassen sich der ersten Perspektive zuordnen, Walter Benjamins Konzept des Denkbildes der zweiten. In dem vorliegenden Text werden beide mittels der Metapher des Weckens aufeinander bezogen.
Andreas Brenneis, Silke Vetter-Schultheiß

Der Erfolg der Modellierung und das Ende der Modelle

Epistemische Opazität in der Computersimulation
Die Computersimulation führt neue Techniken in die Wissenschaft ein. Diese verändern die Art der Modellierung: Sie ermöglichen komplexere Modelle. Infolgedessen werden die Simulationsmodelle opaker: Das Verhältnis der Wissenschaftler zu ihren auf Computersimulation basierenden Methoden und Resultaten wird intransparenter, die Weise ihrer Rechtfertigung verändert sich. Der Beitrag klärt dazu den notorisch unterbestimmten Begriff „epistemischer Opazität“ und entwickelt auf dieser Grundlage ein historisch-systemisches Argument: Die Erfolge der (computerbasierten) Modellierung führen zu einem Ende der Modelle in ihrem klassischen, durch das 19. Jahrhundert geprägten Sinne. Dadurch wird es möglich, die Transformation der Wissenschaft durch Computersimulation zu begründen sowie die gleichsam inflationäre Redeweise vom Vertrauen in die Simulation zu erklären.
Andreas Kaminski

Der Topos der Grenze

Zur Suggestivkraft von Jacques Derridas Dekonstruktion
Das sokratische Diktum „Ich weiß, dass ich nichts weiß“: Wie kann Philosophie wissen, was sie nicht weiß? Eine Philosophie, die weiß, was sie nicht wissen kann, ist eine Paradoxie – und sie macht aus dieser Paradoxie nicht selten ein Stilmittel. Der algerisch-französische Philosoph Jacques Derrida (1930-2004) hat sich in seinem Projekt der aporetischen Schriften wie kaum ein anderer Philosoph des 20. Jahrhunderts den Grenzen – in seinen Worten: Aporien (von altgriech. oν ἄπόρος: ohne Weg) – traditioneller Wissenskonzepte der Geistesgeschichte angenommen. Grenzen des Wissens erscheinen in den 20 Jahren des Projekts jedoch nicht schlichtweg als Beschränkungen, sondern gleichermaßen als Wegweiser. Der vorliegende Text soll am Beispiel von Derridas aporetischen Schriften den Sokratismus der Dekonstruktion verständlich machen. Und er wird dabei nachvollziehbar werden lassen, welcher rhetorischen Mittel es einer Philosophie bedarf, die trotz des zum common sense spätmoderner Gesellschaften gewordenen sokratischen Diktums noch mehr wissen möchte. Pace Sokrates.
Manuel Reinhard

Newtons Eimer

Was sich aus ontologischen Spekulationen für heutige Raumdebatten lernen lässt
Dem relationalen Raumbegriff, den das Topologische Manifest favorisiert, steht traditionell ein als „absolut“ bezeichneter Raumbegriff gegenüber, aus dessen Sicht „Raum“ nicht das Produkt von räumlichen Relationen ist, sondern eine (im Grenzfall) inerte „Bühne“ für die räumlichen Gegenstände bildet. Bekannt geworden ist beispielsweise die Debatte zwischen Leibniz und dem Newton-Schüler Samuel Clarke. Bevor der relationale Raumbegriff mit dem topological turn in den Geistes- und Kulturwissenschaften Karriere machte, geriet er aus Sicht von Physik und Metaphysik immer weiter unter Druck. Der Artikel zeichnet diese Diskussionslinie nach, indem er die gegen den relationalen Raumbegriff vorgebrachten Argumente sowie die Bemühung, ihn gegen diese abzusichern, rekonstruiert und sie in kritischer Absicht gegen das Topologische Manifest in Stellung bringt. Dazu diskutiere ich zunächst die Bedeutung physikalisch orientierter Raumzugriffe für den Raumbegriff des Manifests, bevor ich die wesentlichen Veränderungen, die der relationale Raumbegriff durchgemacht hat, für das Manifest anschlussfähig mache. Dies erlaubt schließlich eine kritische Bewertung des Manifests, um dessen Leistungen, aber auch Begrenzungen herauszustellen.
Kai Denker

Manifesto

Hände und Köpfe des Kommunistischen Manifestes
Im wörtlichen Sinne macht ein Manifest irgendetwas spürbar. Es verleiht etwas, das bislang latent oder unsichtbar war, oder nur als Vision existierte, Realität. Ein kurzer Überblick der Kulturgeschichte zeigt Ansätze, solche (revolutionären) Visionen zu realisieren, auf; er führt daher in die Geschichte der Manifeste und des Prototyps eines Manifests, das der Welt im Jahr 1848 gegeben wurde: das kommunistische Manifest. Die unter dieser Verschiebung im kommunistischen Denken liegenden zeitgenössischen Infrastrukturen und Netzwerke werden hier als eine sozio-ästhetische Veränderung beschrieben. Revolutionäre Aktivität impliziert neue Orte und Techniken des kommunistischen Ausdrucks und den Verzicht auf traditionelles Handwerk. „Manifesto“, eine künstlerische Installation Julian Rosenfeldts, reflektiert die Techniken der Vision, die als proletarisches Mittel etabliert wurde, und stellt Orte und Szenen bereit, um die heutigen Möglichkeiten, Manifeste zu verändern, in Frage zu stellen.
Gregor Kanitz
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