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10.12.2021 | Umwelt | Im Fokus | Onlineartikel

Wetterextreme lösen Schockwellen auf Lieferketten aus

Autor:
Christoph Berger
4 Min. Lesedauer

Schon singulär auftretende Wetterextreme können erhebliche Auswirkungen auf globale Lieferketten haben. Treten sie parallel zueinander auf oder überschneiden sich deren wirtschaftlichen Auswirkungen, kommt es zu wirtschaftlichen Verlusten – weltweit.

Die Lieferketten in der globalisierten Welt müssen zahlreiche Herausforderungen erfüllen: "Lieferketten müssen präzise sein, schnelle Lieferungen "just in time" fordern die Kunden, rollende Lager sollen Kosten sparen, automatisierte intelligente Lagerhaltung muss Effizienz gewährleisten", heißt es dazu unter anderem im Kapitel "Supply Chain Security – Lieferkettensicherheit" des Springer-Fachbuchs "Professionelles Sicherheitsmanagement für Unternehmen". Doch sie sind aufgrund ihrer weltweiten Vernetzung auch vielen unterschiedlichen Risiken ausgesetzt.

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Naturgefahren

Naturgefahren treten schon seit Anbeginn unserer Zeit auf und verwirklichen sich auf vielseitige Art und Weise. Trotz weitentwickelter Technologien, wie Frühwarnsysteme oder besondere Bauweisen, stellen Naturgefahren nach wie vor eine große Gefahr dar und können zur Bedrohung für Menschen, Umwelt, Sach- und Vermögenswerte führen. 

Beispielsweise wird das Risikothema Nachhaltigkeit beziehungsweise Corporate Social Responsibility (CSR) mit der Fokussierung auf Lieferketten ausführlich im Kapitel "Risikoidentifikation und -bewertung in globalen Lieferketten" des Springer-essentials "Lieferkettengesetz" besprochen. Die Folgen und Auswirkungen des Klimawandels, des Brexit und des Protektionismus sowie der Corona-Pandemie werden im Kapitel "Supply-Chain-Disruptionen in der VUCA-Welt" des Springer-Fachbuchs "Resiliente Lieferketten in der VUCA-Welt" erklärt.

Gravierende Auswirkungen und Ausfallrisiko

Dabei werden im Bereich des Klimawandels unter anderem die Auswirkungen auf alle wesentlichen Transportmodi, dazu zählen zum Beispiel Streckenausfälle, Überschwemmungen, Wind- und Meeresturbulenzen, als besonders gravierend beziehungsweise weitreichend genannt. Ebenso wird ein erhöhtes Ausfallrisiko von Produktionsanlagen bei der Ansiedelung in zum Beispiel Überschwemmungsgebieten als ein Risiko für die Produktion genannt.

Im Kapitel "Naturgefahren" des Springer-Fachbuchs "Betriebliches Risikomanagement und Industrieversicherung" wird erörtert, dass sich extreme Wetterereignisse in dicht besiedelten und stetig wachsenden Ballungszentren im Vergleich zur Situation der letzten Jahrzehnte signifikant erhöht haben. So hätten sich 2017 zum Beispiel insgesamt etwas mehr als 700 Naturgefahren als Schadenereignis für die Industrie ausgebildet. Anhand von konkreten Beispielen zählen die Autoren die sich daraus für Unternehmen ergebenden Folgen auf – auch, welche Schutzmaßnahmen daraufhin getroffen wurden.

Die ökonomische Wellenresonanz

Treten derartige Wetterextreme zudem noch ungefähr zur gleichen Zeit auf, können sie Schockwellen entlang der Lieferketten verursachen. Die einzelnen Wellen können sich dann überlagern und einander verstärken. Dies haben Wissenschaftler im Rahmen der Studie "Ripple resonance amplifies economic welfare loss from weather extremes" herausgefunden. "Das, was wir ökonomische Wellenresonanz nennen, könnte in Zukunft entscheidend bei der Bewertung der wirtschaftlichen Klimafolgen sein", sagt Kilian Kuhla vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Leitautor der Studie. Die Auswirkungen von Wetterextremen in der globalisierten Wirtschaft würden zu Verlusten in Regionen, in denen es dann Knappheiten in der Versorgung gibt, führen, gleichzeitig zu Gewinnen in anderen Weltgegenden, die dann eine erhöhte Nachfrage und damit höhere Preise verzeichnen würden.

"Aber wenn sich verschiedene Wetterextreme überlagern, sind die wirtschaftlichen Verluste in der gesamten vernetzten Weltwirtschaft im Durchschnitt um 20 Prozent höher als die Verluste durch die einzelnen Ereignisse zusammen", so Kuhla weiter. Das hätten Simulationen von Flussüberschwemmungen, Hitzewellen und tropischen Wirbelstürmen gezeigt. Modelliert wurden die Reaktionen der vernetzten Weltwirtschaft, 1,8 Millionen wirtschaftliche Beziehungen zwischen mehr als 7.000 regionalen Wirtschaftssektoren berechnet. So fanden die Forscher heraus, dass sich derartige Schocks nicht nur addieren, sondern sogar gegenseitig verstärken können.

Die Studienergebnisse zeigen zwar auch, dass nicht alle Länder vom Wellenresonanz-Effekt betroffen sind, jedoch die die meisten wirtschaftlich relevanten. Insbesondere China weise aufgrund seiner herausragenden Stellung in der Weltwirtschaft einen überdurchschnittlichen Effekt von mehr als 27 Prozent zusätzlicher Verluste auf, sollten sich Extremereignisse überschneiden und nicht unabhängig voneinander eintreten.

Auch eine Folge von Wetterextremen verstärkt die Auswirkungen

Das Bild einer Flutwelle zeichnet Anders Levermann, Abteilungsleiter am Potsdam-Institut und Wissenschaftler an der Columbia University in New York, der das Autorenteam leitete: "Wenn zwei separate Ereignisse Schockwellen durch die Weltwirtschaft schicken, türmen diese sich wie eine Flutwelle auf." Eine Verknappung des Angebots erhöhe die Nachfrage, das treibe die Preise in die Höhe. Die Unternehmen müssten dann mehr für die Produkte bezahlen, in den meisten Fällen werde das an die Verbraucher weitergegeben. Da Wetterextreme abrupt auftreten, gebe es zumindest kurzfristig keine reibungslose Anpassung von Kapazitäten und Preisen, erklärt Levermann weiter. Wenn dann noch andere Lieferanten ausfallen würden, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen eines anderen Wetterextremereignisses anderswo zu spüren seien, werden die sich überlagernden Preisschocks verstärkt.

Genau diese Erkenntnis sei das neue an der Studie: Bisher habe man vor allem die lokalen Schäden oder allenfalls die wirtschaftlichen Auswirkungen einer einzelnen Katastrophe betrachtet. Nun sei aber festgestellt worden, dass eine zweite Katastrophe, die sich etwa zur gleichen Zeit ereigne, auch wenn sie in einem anderen Winkel der Welt stattfinde, zu insgesamt höheren weltweiten wirtschaftlichen Verlusten führen könne. Dies gelte auch dann, wenn die Katastrophen nicht gleichzeitig, sondern aufeinander folgen, dann, wenn sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen Katastrophen überschneiden.

Um Risiken zu minimieren, ist ein existierendes Krisenmanagement für Unternehmen sinnvoll. Im Kapitel "Resilienz im Einkauf durch Krisenmanagement" des Springer-Fachbuchs "Resilienz im Einkauf" wird ausführlich erläutert, auf was es dabei ankommt. 

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