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11.06.2018 | Verwaltungsmanagement | Nachricht | Onlineartikel

Bund soll Jugendämter finanzieren

Autor:
Alexander Ebert

In Jugendämtern wird nicht immer getan, was für die Familien am besten wäre. Für das pädagogisch Sinnvolle reichen oft weder die Finanzen noch das Fachpersonal, so eine Studie der Universität Koblenz.

Kinder beschützen, Familien unterstützen – das sind die Hauptaufgaben eines Jugendamtes. Doch gerade in armen Kommunen fehlen Fachpersonal, Geld und Zeit. Mehr noch: Die Fallzahlen für die Mitarbeiter in den Ämtern steigen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Zur Situation des ASD im Jugendamt" der Universität Koblenz. Unter Leitung von Kathinka Beckmann, Professorin für klassische und neue Arbeitsfelder der Pädagogik der Frühen Kindheit, füllten 652 Mitarbeiter aus 175 Jugendämtern Deutschlands Fragebögen aus; außerdem wurden zwölf Interviews mit Sozialarbeitern geführt. Die Studie ist Mitte Mai 2018 erschienen.

Zwei Drittel der Arbeitszeit geht für Dokumentation drauf

Die Befragung der Akteure vor Ort förderte erhebliche Defizite zutage. So müssten Mitarbeiter in Jugendämtern häufig zwei Drittel ihrer Arbeitszeit allein damit verbringen, Vorgänge zu dokumentieren. Selbst dazu kämen viele Mitarbeiter erst nach Tagen. Da bleibe kaum Zeit für individuelle Gespräche oder Hausbesuche. Dabei stiegen seit Jahren die Zahl der Verfahren wegen Kindeswohlgefährdungen, so die Untersuchung.

System behindert professionelle pädagogische Arbeit 

Woran krankt die Arbeit in den Jugendämter? Mehr als jeder zweite Befragte nennt die Kassenlage der Städte als eigentliche Ursache. Gerade arme Städte seien gar nicht in der Lage, zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Entscheidungen würde häufig nicht nur nach pädagogischen, sondern auch nach finanziellen Gesichtspunkten gefällt. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die derzeitigen strukturellen Rahmenbedingungen im System der Kinder- und Jugendhilfe eine professionelle sozialpädagogische Arbeit behindern“, so die Universität Koblenz und die Deutsche Kinderhilfe. Kinderschutz dürfe aber durch Spardiktate nicht vernachlässigt werden.

16.000 weitere Mitarbeiter für die Jugendämter notwendig

Der Schutz von Kindern sollte das höchste Gut sein. Das kostet Personal und Geld. Um den Mangel aufzulösen, müssten die 13.400 ASD-Mitarbeiter um weitere 16.000 Fachkräfte ergänzt werden. Ein Vollzeitmitarbeiter dürfe sich maximal um 35 Fälle gleichzeitig kümmern, so die Studie. Für die Finanzierung sollten zukünftig nicht mehr die Kommunen, sondern der Bund zuständig sein, weil Jugendhilfe und Kinderschutz gesellschaftspolitische Aufgaben seien. Mit Geld allein sei es aber nicht getan. Auch brauche Deutschland einen Kinderschutzbeauftragten.


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