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06.08.2020 | Windenergie | Schwerpunkt | Online-Artikel

Windenergie an Land wird abgewürgt

verfasst von: Frank Urbansky

2:30 Min. Lesedauer

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Die Windenergie an Land hat mit zwei großen Problemen zu kämpfen: Die schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung und eine entsprechende Gesetzgebung mit langwierigen Genehmigungsverfahren.

Windkraft an Land muss vor allem in der Umgebung eine sichere Akzeptanz finden. "Windkraftplanungen haben […] einen eher lokalen oder regionalen Charakter, da hier die Kommunen und/oder Landkreise die Planungen für Standorte vornehmen und in diesem Rahmen beteiligen", beschreiben dies die Springer VS-Autoren Jörg Radtke, Weert Canzler, Miranda Schreurs und Stefan Wurster in ihrem Buchkapitel Die Energiewende in Deutschland – zwischen Partizipationschancen und Verflechtungsfalle auf Seite 34.

Empfehlung der Redaktion

2018 | OriginalPaper | Buchkapitel

Die Energiewende in Deutschland – zwischen Partizipationschancen und Verflechtungsfalle

Die Energiewende betrifft zahlreiche politikwissenschaftliche Fragestellungen, wovon in diesem Beitrag einige aufgegriffen werden, welche die Beiträge des Bandes widerspiegeln. Neben einem Überblick über den Verlauf und die aktuellen Dynamiken der Energiewende werden Einstiege in die Themenfelder Governance im Mehrebenensystem speziell in Deutschland und Europa sowie Partizipation dargestellt. 

Doch gerade auf dieser lokalen und regionalen Ebene kämpft die Windkraft mit großen Akzeptanzproblemen. Generell gilt sei 2017 eine Abstandsregelung von 1000 Metern zu mit Wohngebäuden bebauten Flächen. In Bayern wurde dies verschärft, hier ist der Faktor 10 bezogen auf die Höhe der Windräder einzuhalten. Windkraftanlagen mit 3 MW Leistung und gut 200 Meter Rotorblatthöhe müssten also 2.000 Meter vom nächsten Gehöft entfernt sein – ein Todesstoß.

Erneuter Einbruch 2019

Genau diese mangelnde Akzeptanz und die daraus resultierende Gesetzgebung führen zu einem Einbruch des Windanlagenbaus an Land. 2018 betrug er gegenüber dem Vorjahr schon 40 Prozent. 2019  wurden 325 Windkraftanlagen mit 1.100 MW Leistung gebaut - das bedeutete noch mal einen Einbruch um die Hälfte gegenüber dem Vorjahr.

Zudem sind die Windkraftunternehmer frustriert von langwierigen Genehmigungsverfahren. Dauerte die Genehmigungsphase für einen Windpark in den Hochzeiten von 2000 bis 2017 gerade mal ein Jahr, so sind es heute gut drei Jahre. Kaum ein Unternehmen ist in der Lage, für diesen Zeitraum Personal für Planung und Begleitung vorzuhalten. Das äußert sich auch in einer nie dagewesenen Entlassungswelle sowohl bei Windradbauern, deren Zulieferern als auch Projektierern. Allein zwischen 2016 und 2017 gingen der Branche rund 26.000 Arbeitsplätze verloren. Bis Ende 2019 könnten es nach Schätzungen des Branchenverbandes BWE 40.000 sein.

Photovoltaik geht es besser

Auch die Zahlen der Onshore-Windausschreibungen, die das alte EEG-Verfahren ablösten, sind ein eindeutiges Indiz. Für die 2019 Oktober-Auktion wurden für 675 MW lediglich 25 Gebote mit gerade mal 204 MW abgegeben – also nicht mal ein Drittel. Ein ganz anderes Bild zeigt sich bei den Ausschreibungen für Photovoltaik. Hier wurden 153 Gebote mit einem Leistungsumfang von 648 MW abgegeben. Ausgeschrieben waren jedoch nur 150 MW, also nicht mal ein Viertel der Nachfrage.

"Zudem verschob die Absenkung der Einspeisevergütung für Onshore-Windstrom bei gleichzeitiger Einführung eines Förderbonus für Offshore-Windenergieanlagen den Wettbewerb zuungunsten der Nutzung der Windkraft an Land […]. Damit wurden entscheidende Pfeiler einer dezentralen Energiewende geschwächt, zumal die Errichtung von vergleichsweise teuren und technisch nicht ausgereiften Offshore-Windparks als neue Säule des Atomausstiegs eingeführt wurde", beschreibt diesen Mechanismus Springer VS-Autor Manfred Miosga in seinem Buchkapitel Systemtransformation in Zeiten eines zunehmenden Populismus auf Seite 110. 

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