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14.03.2017 | Wirtschaftspolitik | Im Fokus | Onlineartikel

Teure Scheidung Brexit

Autor:
Andrea Amerland

Der Brexit wird eine teure Scheidung. Was Ökonomen längst befürchteten, belegt jetzt eine Studie: Die deutsche Konjunktur wird leiden. Denn fast jeden zehnten Euro verdienen deutsche Konzerne im Vereinigten Königreich. Fünf Branchen sind besonders betroffen.

Die Briten werden schon sehen, was sie vom Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) haben. Dieser beinahe hämische Satz hat vielerorts die Brexitentscheidung begleitet. Dabei schwang die vage, wenn nicht illusorische Hoffnung mit, dass Great Britain der Abschied härter treffen würde als die in der EU verbleibenden Staaten. Doch weit gefehlt. 

Laut der Deloitte-Analyse "Die Vernetzung deutscher Sektoren mit dem Vereinigten Königreich" (PDF), drohen insbesondere deutschen Unternehmen bei einem harten Brexit hohe Einbußen. Denn 28 der DAX-30-Unternehmen haben mindestens eine Tochtergesellschaft in Großbritannien, die fast zwei Drittel sämtlicher britischer Umsätze deutscher Firmen auf sich vereinen. Für Deutschland ist das Vereinigte Königreich der drittwichtigste Exportmarkt.

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Diese Branchen sind besonders vom Brexit betroffen

Vor allem die Automobilindustrie, die Verkehrs- und Logistik-Branche, das Finanz- und Versicherungswesen sowie der Handel und der Energiesektor erwirtschaften in Großbritannien hohe Umsätze oder verfügen dort über eine große Anzahl von Mitarbeitern. Das haben die Deloitte-Berater für 160 Unternehmen auf Basis der Unternehmensdatenbank Factiva ermittelt. 

BrancheUmsatz deutscher Unternehmen in UK in Milliarden Euro Mitarbeiterzahl deutscher Unternehmen in UK in Tausend
Automotive

40,1

35,6

Energie

24,3

25,2

Verkehr und Logistik

20,6

95,7

Finanzen und Versicherungen

20,0

59,1

Handel

18,7

44,6

Information und Kommunikation 

3,3

23,0

Elektroindustrie

3,1

18,7

Kunststoff und Baumaterialien

2,1

10,9

Baugewerbe

1,3

9,5

Pharmaindustrie

3,2

4,7

Maschinenbau

2,2

5,2

Chemische Industrie

2,6

3,1

Quelle: Deloitte-Analyse "Die Vernetzung deutscher Sektoren mit dem Vereinigten Königreich" (2017)

Da jedes zweite in Großbritannien verkaufte Auto ein deutsches Modell ist, trifft ein harter Brexit die deutschen Autobauer wohl besonders hart, ist sich Thomas Schiller, Partner und Leiter Automotive bei Deloitte, sicher. Denn mit einem Umsatz in Höhe von rund 40 Milliarden Euro erzielt die deutsche Automobilbranche mehr als ein Viertel der deutschen Gesamtumsätze in England. Doch die Margen würden nach dem Ausscheiden der Briten aus der EU durch eine höhere Besteuerung und durch Zölle zwangsläufig sinken.

EU-Austritt der Briten trifft Deutschland besonders hart

Für Deutschland steht mit Blick auf britische Importe einiges auf dem Spiel, nämlich vor allem in der Automobilindustrie, beim Pharmasektor und im Maschinenbau. Pro Prozent Einkommensrückgang im Vereinigten Königreich wird das Realeinkommen in der Eurozone um etwa 1/5 Prozentpunkt fallen – der Wert bei Deutschland könnte noch etwas höher sein", erläutert Springer-Autor Paul J.J. Welfens in dem Beitrag "Deutschland: Börsenfusion verändert, mehr Einfluss, Reform", Seite 145.

Deutsche Unternehmen müssen sich also dringend mit den möglichen Auswirkungen des Brexits auf ihre Geschäftsmodelle beschäftigen, um Risiken zu erkennen und diese gezielt managen zu können. Denn Risikomanagement ist die "wesentliche Voraussetzung für die Existenzsicherung und zur Erreichung unternehmerischer Zielsetzungen", schreibt Stefan Otremba über "Interne Revision, Risikomanagement & Compliance", Seite 105. Demnach habe sich folgendes Vier-Phasen-Modell in Forschung und Praxis für den Risikomanagementprozess etabliert (Seite 116 ff.):

  1. Risikoidentifikation
  2. Analyse und Bewertung der zuvor identifizierten Risiken
  3. Definition geeigneter Maßnahmen zur Risikosteuerung sowie die fortlaufende Überwachung der Umsetzung
  4. Dokumentation und Berichterstattung des Risikomanagementprozesses.

Fazit: Ob Steuern, Finanzen oder Subventionen, ob Freihandel, Kartellrecht oder Digitalisierung – die Schnittstellen zwischen Deutschland und Großbritannien sind so groß, das deutsche Unternehmen ganz genau hinsehen müssen, was der EU-Austritt für sie bedeutet. Insbesondere die DAX-30-Unternehmen mit Tochtergesellschaften in England sind gefordert, sich durch Szenarioanalysen und ein gezieltes Risikomanagement auf die negativen Brexit-Auswirkungen vorzubereiten. 

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