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18.07.2022 | Zahlungsverkehr | Im Fokus | Online-Artikel

Innovative Verfahren machen Banken zu Payment-Leadern

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

5 Min. Lesedauer
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Der Trend zum bargeldlosen Zahlungsverkehr ist ungebrochen, auch wenn er sich in stark digitalisierten Märkten verlangsamt hat. Setzen Banken auf  technologische Innovationen und neue Zahlungsverfahren, bleibt das Payment-Geschäft für sie eine wichtige Ertragsquelle, zeigt eine aktuelle Studie.

Europäische Banken werden ihre Erträge im Payment-Bereich von rund 69 Milliarden Euro im Jahr 2020 über 86 Milliarden Euro zur Mitte dieser Dekade und schließlich auf 126 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigern. Davon geht eine im Juli veröffentliche Studie aus, für die das Beratungshaus Zeb im Auftrag der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) die acht zentralen Märkte in Europa untersucht hat. Im Fokus standen aktuelle Trends im Zahlungsverkehr von Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Schweden und Polen. In die Analyse flossen Daten zu analogen wie digitalen Zahlungstransaktionen ein. 

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Das Kartengeschäft – Grundlage innovativer Geschäftsmodelle

Die digitale Transformation, der damit einhergehende technologische Fortschritt und die Digitalisierung betrieblicher Ökosysteme von Unternehmen steht für den Strukturwandel der gesamten Industrie und lässt den Zahlungsverkehr, insbesondere das Kartengeschäft, nicht unberührt. Neue Technologien, die sich in rasantem Tempo entwickeln, beispielsweise Mobile- und E-Payments, wirken sich auf die gesamte Wertschöpfungskette der Unternehmen aus und fördern innovative Geschäftsmodelle.

Insgesamt stellten die Studienautoren einen weiteren Rückgang des Bargeldanteils in den genannten Ländern fest. Digitale Payments legten hingegen sowohl im Hinblick auf ihr Volumen als auch im Wert zu. Sie wachsen weiterhin oberhalb des nominellen Bruttoinlandprodukts in der EU. Von diesem Trend sollten in den kommenden Jahren auch die Kreditinstitute in den acht Kernmärkten profitieren. 

Banken büßen trotz Wachstum Marktanteile ein

Dennoch erwarten die Experten, dass die Banken in einem komplex berechneten Szenario trotz eines absoluten Wachstums bis zum Jahr 2030 Marktanteile abgeben. Sie gehen davon aus, dass andere Marktteilnehmer und Innovatoren ihre Anteile am Payment-Markt kontinuierlich ausbauen. Den Schätzungen der Studienautoren zufolge wird der Anteil der Banken an digitalen Zahlungstransaktionen in den acht untersuchten Staaten von 88 Prozent (2020) auf voraussichtlich 86 Prozent im Jahr 2025 und 84 Prozent im Jahr 2030 sinken.

"Digitale Payments sind in der EU gerade wegen Corona auf Wachstumskurs und stellen eine wichtige Ertragsquelle im Markt dar. Die Innovationen am Point-of-Interaction (POI) sind darüber hinaus ein wesentliches Instrument zur Kundenbindung, insbesondere für Online-Zahlungen", erläutert Petia Niederländer, Director Payments, Risk Monitoring & Financial Literacy bei der OeNB. 

Dabei ist sich die Expertin sicher, dass die bisherigen Leader unter den Banken auch in Zukunft die Hauptrolle spielen. "Dennoch dürfte ihr absoluter Marktanteil unseren Berechnungen nach sinken." Andere Zahlungsdienstleister können mit kundenfreundlichen Ideen punkten und so rasch wachsen. 

Verbraucher achten auf Kosten, Service und Schnelligkeit

Beispiele für diese Entwicklung im Auslandszahlungsverkehr mit Blick auf Unternehmen nennt Joachim Dorschel in seinem Bankmagazin-Beitrag (Ausgabe 4 | 2022). Dort schreibt der Rechtsanwalt und Managing Partner bei der DPS Gruppe: 

Mittlerweile versuchen alternative Anbieter verstärkt, sich auf dem B2B-Markt der Cross-Border-Zahlungen zu behaupten. Sie versprechen niedrigere Transaktionskosten, eine schnelle Abwicklung und einen besseren Kundenservice. Ripple als einer der prominentesten Vertreter der disruptiven Konzepte setzt dabei auf die Distributed-Ledger-Technologie und mit XRP auf eine eigene Kryptowährung. Ripple verbindet laut eigenen Angaben mittlerweile einige Hundert globale Finanzdienstleister, darunter die Bank of America und Santander. Auch Payment Provider, die eher mit C2C-oder Peer-to-peer-Zahlungen in Verbindung gebracht werden, bieten mittlerweile Lösungen für Unternehmen an. Als Alternativen zu den bestehenden Korrespondenten-Netzwerken haben sich etwa Western Union Business Solutions sowie der Online-Anbieter Wise positioniert."

Doch Banken sind in dieser Lage nicht chancenlos, meint Zahlungsverkehrsexpertin Niederländer: "Finanzinstitute, die das erkannt haben, forcieren technologische Innovationen und setzten auf neue Zahlungsverfahren wie Instant Payments. Wir sind überzeugt, sie haben das Potenzial ein wichtiger Wachstumsfaktor zu werden."

Einstige Wachstumsraten werden nicht mehr erreicht

Nach Jahren starken Wachstums digitaler Zahlungsströme habe die Pandemie das Zahlungsaufkommen in den analysierten Ländern aber insgesamt verlangsamt. Die Zahl der digitalen Transaktionen ist der Erhebung zufolge im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent gestiegen. Frühere Wachstumsraten betrugen hingegen rund zehn Prozent jährlich. Dennoch erscheine auch dieser geringe Anstieg bemerkenswert verglichen mit dem Bruttoinlandprodukt (BIP) im Euroraum. Das schrumpfte allein im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Covid-Krise, um 6,5 Prozent. 

In dieser Phase haben vor allem bargeldintensive Länder von der Digitalisierung der Zahlungstransaktionen profitieren können, erläutert Zeb-Studienautorin Nikola Jelicic. "Konsumenten haben mehr als zuvor online und am Point-of-Sale (POS) mit der Karte bezahlt." Das gilt unter anderem für Deutschland mit einem Plus von 13 Prozent und Österreich mit acht Prozent. Länder mit einem traditionell höheren Anteil an digitalen Transaktionen, wie zum Beispiel Schweden (minus vier Prozent) oder die Niederlande (minus drei Prozent), verzeichneten im ersten Jahr der Pandemie einen Rückgang dieser Transaktionen. Von den bargeldfokussierten Ländern ermittelte die Studie nur bei Italien für das Jahr 2020 eine Stagnation der Transaktionszahlen.

"Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2025 die bargeldstarken Länder das Wachstum digitaler Payments in der EU vorantreiben werden. Polen und Spanien werden diesen Trend voraussichtlich anführen, wobei die Zahl der digitalen Transaktionen in beiden Ländern um etwa zwölf Prozent pro Jahr wachsen dürfte", so Jelicic. Allerdings können externen Indikatoren wie etwa eine neue Covid-Welle, eine Rezession durch weiter gestörte Lieferketten oder der Entwicklung des Ukraine-Kriegs die Studienprognosen positiv wie negativ erheblich beeinflussen.

Bei Sicherheit und Resilienz punkten Hausbanken

Die Erhebung geht davon aus, dass Schnelligkeit, Integration und Sicherheit die bestimmenden Funktionen für Zahlungen bleiben werden. "Da Echtzeitzahlungen bald Mainstream sein werden und Standard-APIs die Initiierung von Kontozahlungen nochmals vereinfachen, werden reine Zahlungsanbieter Schwierigkeiten haben, den Verbrauchern einen Mehrwert für ein schnelles und nahtloses Kundenerlebnis zu bieten", heißt es zur Begründung. Zugleich spielten aber auch Themen wie Sicherheit und Resilienz bei Verbrauchern eine steigende Rolle. Hiervon profitierten die Hauptkontoinhaber, also in der Regel die Hausbanken. 

Auch bei der Regulierung werde es im Hinblick auf die Schaffung eines einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsmarktes Weiterentwicklungen geben. Dieser erhöhe die weltweite Reichweite europäischer Zahlungstools und Zahlungsdienstleister. Dabei sollten die Regulatoren zum einen eine steigende Kostenlast auf Seite der Payment-Anbieter vermeiden, als auch Raum für die Selbstregulierung der Industrie schaffen, fordern die Studienautoren. Nur so seien Innovationen und Investitionen möglich, um das System schnell und unkompliziert an die tatsächlichen Bedürfnisse der Payments-Nutzer anzupassen.

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