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03.05.2023 | Beteiligung | Interview | Online-Artikel

"Banken stellen globale Energy-Teams zusammen"

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

5:30 Min. Lesedauer

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Beteiligungen sind für Jungunternehmen wie für innovative Mittelständler ein wichtiges Finanzierungsinstrument. Banken, die die Unternehmen bei diesem Prozess begleiten, brauchen aber eine Menge Know-how. Warum, das erklärt Anna Zer, Corporate-Finance-Expertin bei der SEB, im Interview.

springerprofessional.de: Mit der digitalen Transformation und einer Vielzahl regulativer Veränderungen hat sich das Banken- und Finanzsystem samt seiner Angebots- und Nachfragestrukturen grundlegend verändert. Welche Auswirkungen hatte dieser Wandel auf den Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) bei Banken?

Anna Zer: Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass sich Branchengrenzen vermischen und Unternehmen aus verschiedenen Sektoren miteinander konkurrieren. Diese Entwicklung hat wiederum über die letzten Jahre zu einer Zunahme von M&A-Aktivitäten geführt, da Unternehmen nach strategischen Partnerschaften suchen, um ihre Position in einem sich ständig verändernden Marktumfeld zu stärken. Etablierte Unternehmen versuchen zum Beispiel ihre digitalen Fähigkeiten zu erweitern, indem sie in Technologieunternehmen und Start-ups frühzeitig investieren. Zurzeit stehen das Internet der Dinge (IoT), Künstliche Intelligenz (KI), Robotik und die Analyse von Big Data auf der M&A-Liste fast jedes großen Unternehmens.

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Beteiligungsfinanzierung

Zur Beteiligungsfinanzierung zählen alle Formen der Bereitstellung von Eigenkapital durch bisherige und neue Anteilseigner. Synonyme Begriffe für Anteilseigner sind Anteilsinhaber, Eigenkapitalgeber sowie Eigentümer, Inhaber und Gesellschafter des Unternehmens. Die Beteiligungsfinanzierung ist sowohl Eigen- als auch Außenfinanzierung. Die zufließenden Mittel dienen primär der Unternehmensgründung und der Finanzierung zusätzlicher Investitionen.

Bitte erläutern Sie uns die Prozesse und Strukturen, mit denen Sie in Ihrem Haus die Kunden auf diesem Weg begleiten? Können Sie uns das an einem konkreten Beispiel skizzieren?

Schweden ist bekannt für seine hohe Technologiekompetenz und Fähigkeit, Start-ups hervorzubringen, die sich schnell auf dem globalen Markt etablieren. Spotify und Klarna sind zwei bekannte schwedische Unternehmen, die im Bereich Digitalisierung und E-Commerce sehr erfolgreich geworden sind. SEB Corporate Finance hat ein Growth Team aufgebaut, das sich mit der Thematik Industrie 4.0 auseinandersetzt und Start-ups mit etablierten Unternehmen in Skandinavien und Deutschland in Verbindung bringt. 

Die Wirtschaft befindet sich im ökologischen Wandel. Wer Kunden und Investoren von sich begeistern will, braucht eine klare ESG-Ausrichtung (Environment, Social, Governance). Wie verändert das den M&A-Markt?

Unternehmen verfolgen zunehmend M&A-Strategien, die auf die Erreichung ihrer ESG-Ziele abzielen. Dies kann die Übernahme von Unternehmen umfassen, die unter anderem in den Bereichen erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft oder Circle Economy, nachhaltige Landwirtschaft oder soziale Innovation tätig sind. Solche M&A-Aktivitäten können das ESG-Profil des erwerbenden Unternehmens verbessern und seine Reputation bei Investoren und Kunden stärken. Aber auch die Banken achten zunehmend darauf. Es kann dazu führen, dass Unternehmen, die in ESG-Risiken verwickelt sind, Schwierigkeiten haben können, eine Finanzierung für ihre M&A-Aktivitäten zu erhalten. 

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist die Vereinbarung zur Gründung eines Joint Ventures zwischen Volkswagen und dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt im Jahr 2019. Volkswagen hat damals 900 Millionen Euro in Northvolt investiert, um die Entwicklung von Batterietechnologie zu unterstützen und das Know-how im Bereich der Elektromobilität zu stärken. Das Joint Venture soll dazu beitragen, eine nachhaltige Lieferkette für Batterien aufzubauen und die ESG-Ziele von Volkswagen zu erreichen. 

Warum nehmen bei den Transaktionen vor allem erneuerbare Energien einen so hohen Stellenwert ein?

Die wachsende Sorge um den Klimawandel und die Notwendigkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, haben dazu geführt, dass Regierungen und Unternehmen weltweit auf erneuerbare Energien setzen. M&A-Transaktionen in diesem Sektor ermöglichen es Unternehmen, ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen und zur Energiewende beizutragen. Viele Regierungen fördern erneuerbare Energien durch Subventionen, Steuervergünstigungen und andere Anreize, um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen. 

Wo sehen Sie hierbei besonders gute Chancen?

Wasserstoff gilt als eine vielversprechende Energiequelle, die in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen könnte, insbesondere im Zusammenhang mit der Energiewende und Dekarbonisierung. Wasserstoff hat das Potenzial, fossile Brennstoffe in industriellen Prozessen zu ersetzen, die derzeit einen erheblichen Anteil der globalen CO2-Emissionen ausmachen. Und M&A-Aktivitäten können dazu beitragen, die Finanzierung von Wasserstoffprojekten zu erleichtern. Durch den Zusammenschluss von Unternehmen mit unterschiedlichen Finanzierungsquellen und Investoren können Wasserstoffprojekte die notwendigen Mittel erhalten, um erfolgreich zu sein. Ein gutes Beispiel dafür ist die Beteiligung von Schaeffler an H2 Green Steel, ein schwedisches Unternehmen, welches grünen Wasserstoff zur Stahlherstellung nutzt. Diese Beteiligung soll dazu beitragen, das Ziel von Schaeffler, bis 2030 klimaneutral zu werden, zu unterstützen. 

Welche Firmen und Branchen stehen dabei besonders im Fokus? Wie stellen sich Banken auf deren Bedürfnisse strategisch ein?

Die Automobilindustrie und Stahlindustrie zum Beispiel haben in den letzten Jahren einen besonderen Fokus darauf. Dies liegt daran, dass die Reduzierung von CO2-Emissionen und die Umstellung auf erneuerbare Energien für diese Branchen von entscheidender Bedeutung sind, um die Klimaziele zu erreichen. Die Stahlindustrie ist eine energieintensive Branche, die große Mengen an CO2-Emissionen verursacht. Die Verwendung von erneuerbaren Energien, wie Wind- und Solarenergie in der Produktion von Stahl, zum Beispiel durch die Verwendung von grünem Wasserstoff, kann dazu beitragen, diese Emissionen zu reduzieren. Banken und M&A-Berater entwickeln umfassende Kenntnisse über die erneuerbaren Energien, stellen globale Energy-Teams zusammen und stellen Mitarbeitende ein, die aus dieser Industrie kommen, um die spezifischen Bedürfnisse der beteiligten Unternehmen zu verstehen und fundierte Empfehlungen abgeben zu können. Durch kontinuierlichen Austausch innerhalb unseres Energy-Teams für die Nordics und DACH-Regionen sowie durch intensive Marktbeobachtung sind wir in der Lage sicherzustellen, dass unsere Kunden stets umfassend informiert sind.  

Derzeit herrscht im Bankenmarkt eine große Unruhe aufgrund der aktuellen Entwicklungen in den USA und negativer Schlagzeilen rund um die Credit Suisse in der Schweiz. Führt das auch zu Unsicherheiten im M&A-Sektor? Falls ja, wie können hiesige Banken gegensteuern?

Marktunsicherheiten, insbesondere im Finanzsektor, können erhebliche Auswirkungen auf M&A-Transaktionen haben und sie in einigen Fällen sogar zum Stillstand bringen. Potenzielle wirtschaftliche Abschwünge, geopolitische Risiken oder regulatorische Änderungen können den Unternehmen Sorgen bereiten, da ihr Vorhaben, die angestrebten Synergien und Wachstumschancen aus der M&A-Transaktion zu realisieren, beeinträchtigt werden könnte. Hinzu kommt, dass besonders in Zeiten von Unsicherheit die Banken zu zögern beginnen, Kredite zu vergeben oder Finanzierungsbedingungen anbieten, die für Unternehmen weniger attraktiv sind. Insgesamt sind das Vertrauen und die Stabilität von Banken für das reibungslose Funktionieren des M&A-Marktes von entscheidender Bedeutung. 

Funktionieren Beteiligungen trotz Unsicherheit?

Ein Rückblick auf die Bankenkrise in den Jahren 2007 bis 2009 zeigt, dass es trotz der wirtschaftlichen Turbulenzen erfolgreiche Akquisitionen gab. IBM zum Beispiel erwarb im November 2007 Cognos, einen kanadischen Anbieter von Business-Intelligence, für rund fünf Milliarden US-Dollar. Der Schweizer Pharmakonzern Roche erwarb im März 2009 die verbleibenden Anteile an dem US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen Genentech. Die Transaktion hatte damals einen Gesamtwert von rund 45,8 Milliarden US-Dollar. Aktuell sind die Banken besser aufgestellt als im Jahr 2007 und selbst wenn einige Banken Liquiditätsengpässe aufweisen, bedeutet es nicht zwangsläufig, dass der gesamte Bankensektor in Schwierigkeiten ist. 

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