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13.03.2017 | Energie + Umwelt | Interview | Onlineartikel

"Auf den Einsatz von Dieseltriebzügen komplett verzichten"

Autor:
Günter Knackfuß
Interviewt wurde:
Johanna Schönberg B. A.

erklärt die Hintergründe zur Entwicklung eines batteriebetriebenen Elektrotriebzugs.

Bombardier entwickelt einen Talent-Elektrotriebzug, der mit der Primove Lithium-Ionen-Batterie ausgerüstet wird. Über diese Alternative zum Dieselantrieb sprachen wir mit Johanna Schönberg.

Springer Professional: Gegenwärtig nimmt der Talentzug 3 in ihren Entwicklungslabors Gestalt an. Warum setzen sie auf eine Batterie-Variante anstatt auf Netzstrom?

Johanna Schönberg: Für den Fahrgastbetrieb auf nicht- oder teilelektrifizierten Bahnstrecken entwickelt Bombardier einen Talent-Elektrotriebzug, der erstmals mit dem bewährten firmeneigenen Lithium-Ionen-Batteriesystem kompatibel ist. Damit kann der Betrieb auf nicht-elektrifizierten Streckenabschnitten umsteige- und emissionsfrei durchgeführt werden. Ca. 50 Prozent des deutschen Streckennetzes sind nicht elektrifiziert. Davon sind etwa 90 Prozent kürzer als 70 Kilometer und 50 Prozent davon sind kürzer als 40 Kilometer. Die Kapazität der Primove Batterie ist ausreichend, um Reichweiten von bis zu 100 Kilometern zu erlangen. Damit kann zukünftig auf laute und abgasreiche Diesel-Zusatzmotoren sowie auf den Einsatz von Dieseltriebzügen komplett verzichtet werden.

Mit der Primove-Batterie sind sie bereits am Markt. Was spricht für dieses System?

Die modularen und skalierbaren Primove Batteriesysteme wurden speziell im Hinblick auf die Anforderungen öffentlicher Verkehrsmittel entwickelt. Dank der neuesten Entwicklungen im Bereich Nickel-Mangan-Kobalt Lithium-Ionen bieten sie maximale Leistungsfähigkeit bei geringer Größe. Optimierte Betriebsparameter in Verbindung mit einer fortschrittlichen Flüssigkühlung sorgen für eine Batterielebensdauer von bis zu 10 Jahren. Zudem wurde das System unter Berücksichtigung der höchsten Automobil- und Schienenverkehrs-Sicherheitsstandards entwickelt und getestet.

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Welche Erfahrungen brachte der Passagierbetrieb von E-Bussen und Straßenbahnen?

Induktiv geladene Busse mit der Primove-Technologie sind derzeit in den deutschen Städten Berlin, Braunschweig und Mannheim sowie im belgischen Brügge in Betrieb. Seit der erste E-Bus im März 2014 in Braunschweig den Fahrgastbetrieb aufgenommen hat, haben die drahtlos geladenen Fahrzeuge insgesamt bereits mehr als 470.000 km zurückgelegt. Dabei werden sie von Passagieren und Fahrern gleichermaßen gut angenommen. Des Weiteren sind in der florierenden chinesischen Metropole Nanjing seit über zwei Jahren Straßenbahnen in Betrieb, die mit den leichten und langlebigen Batterien ausgestattet sind. 

Wie wurde dafür die Ladeinfrastruktur gestaltet?

Die Straßenbahnen in Nanjing fahren zu 90 Prozent oberleitungsfrei. Die Batterien werden während des normalen Betriebs über den Stromabnehmer aufgeladen, statisch an Haltestellen und dynamisch während der Beschleunigung.
Für die E-Busse befinden sich die Ladestationen strategisch günstig im Busdepot, an den Endhaltestellen sowie auf der Strecke an ausgewählten Bushaltestellen. Das Nachladen erfolgt während der regulären Haltezeiten, in denen Fahrgäste ein- und aussteigen oder während der Wendezeiten. Der drahtlose Ladevorgang ist nahtlos in den laufenden Betrieb integriert, so dass ein unterbrechungsfreier Busverkehr, optimale Verfügbarkeit der Flotte und größtmögliche Effizienz gewährleistet sind.

Welchen Zeitrahmen sehen sie für die Auswechselung der umweltschädlichen Dieselzüge durch batteriebetriebene Bahnen?

Bombardier plant, bereits 2017 Komponenten und in 2018 einen Prototyp zu testen. Nach 12 Monaten Testbetrieb und Zulassungsverfahren ist der Einsatz im regulären Betrieb für 2019 geplant. Wie schnell und in welchem Zeitrahmen Betreiber von Dieselfahrzeugen den Austausch ihrer Flotte umsetzen, hängt u. a. von deren Investitionsplanungen ab.

Am Bombardier-Standort Hennigsdorf geht es auch um Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. Welche Resultate konnten dort erreicht werden?

In Partnerschaft mit den Stadtwerken Hennigsdorf hat Bombardier Transportation in den vergangenen Jahren umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um den Energieverbrauch des Standorts zu reduzieren. So ist es gelungen, seit 2014 den Wärmeenergieverbrauch um rund 40 Prozent zu senken. Der Elektroenergieverbrauch konnte um fast 20 Prozent und der CO​​​​​​​2-Ausstoß um gut 50 Prozent verringert werden. Damit einher geht eine Energiekostenreduzierung von mehr als 16 Prozent. Darüber hinaus hat Bombardier den Energieverbrauch in den Produktionshallen optimiert – zum Beispiel durch den konsequenten Ausbau elektronischer Steuerungen und dem Einbau von Deckenventilatoren, die der Wärmeschichtung am Hallendach entgegenwirken. 

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