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20.03.2018 | Fahrerassistenz | Im Fokus | Onlineartikel

Immer mehr Assistenz für den Fahrer

Autor:
Christiane Köllner
5 Min. Lesedauer

Fahrerassistenzsysteme werden für Kunden immer selbstverständlicher. Vor allem Parkassistenz- und Notbremssysteme sind beliebt. Mittlerweile sind auch Stauassistenten als erste teilautomatisierte Funktion im Markt angekommen.

Assistenzsysteme sollen den Fahrer eines Fahrzeugs bei der Fahraufgabe intuitiv unterstützen. "Der Fahrer wird von ermüdenden und immer wiederkehrend monotonen Tätigkeiten entlastet und vor Gefahren geschützt, auf die er nicht schnell genug selbst reagieren kann", erläutert Michael Reichenbach in der Einleitung Assistenzsysteme für mehr Sicherheit zur Titelstrecke der ATZ 4/2017. So erfahre er Beistand bei Routineaufgaben, um das Führen, Ausweichen und Rangieren eines Autos stressfreier und komfortabler zu machen. Dazu erfordere es eine moderne Aktorik auf elektronischer Basis und eine umsichtige Sensorik.

Wer heutzutage in Deutschland oder Europa einen Neuwagen kauft, legt immer mehr Wert auf elektronische Helfer an Bord des Fahrzeugs. Neben Elektromobilität, Big Data und dem Kampf um Patente gehören laut einer Oliver-Wyman-Analyse auch Fahrerassistenzsysteme zu den vier Schlüsseltrends der Zukunft in der Automobilindustrie. "Der Trend ist eindeutig: Fahrerassistenzsysteme werden bald so selbstverständlich zur Ausstattung von Autos gehören wie Radio und ESP", betont auch Bosch-Geschäftsführer Dr. Dirk Hoheisel. Der Zulieferer hat auf Basis der Neuzulassungsstatistik von 2016 die Verbreitung von Fahrerassistenzsystemen analysiert. 

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Von Fahrerinformation über Fahrerassistenz zum autonomen Fahren

Fahrer benötigen zur sicheren Steuerung ihres Fahrzeugs im Straßenverkehr eine Reihe von Anzeigen. Viele Funktionen zur Fahrerassistenz benötigen Eingaben des Fahrers. Wie auch in den vergangenen Jahren die Funktionsvielfalt gewachsen ist, sind auch Anzeigeund Bedienelemente gestiegen. Im vorangegangen Kapitel wurde bereits die Begrenztheit der menschlichen Leistungsfähigkeit bei der gleichzeitigen Aufnahme und Interpretation von Informationen dargelegt.

Notbremssysteme etablieren sich auf dem Neuwagenmarkt

Demnach werden insbesondere Park- und Spurassistenzsysteme sowie Notbremssysteme immer beliebter. So sind 62 Prozent der 2016 in Deutschland neu zugelassenen Pkw mit einem Parkassistenzsystem ausgestattet – angefangen bei Parkpiepsern bis hin zu automatischen Parkassistenten. Vorbote künftiger Entwicklungen ist zum Beispiel das Automated Valet Parking im Parkhaus des Mercedes-Benz-Museums in Stuttgart. Es ist die erste infrastrukturgestützte Lösung für einen automatisierten Vorfahr- und Einpark-Service im realen Mischbetrieb. Künftig wird das Parken ein ganz wesentlicher Punkt des autonomen Fahrens werden, wie Udo Wehner, Bereichsleiter Integrale Fahrzeugfunktionen bei IAV, im Interview prognostiziert.

Rang zwei der Beliebtheitsskala belegen automatische Notbremssysteme, die den Fahrer warnen oder ein Auto zur Not bis zum Stillstand abbremsen. Mehr als jeder dritte Neuwagen 2016 (38 Prozent) kann auf diese Weise dem Fahrer helfen, Unfälle zu vermeiden. Bei über einem Viertel dieser Fahrzeuge ist das Notbremssystem sogar serienmäßig an Bord. Doch trotz der Ausrüstung von Fahrzeugen mit modernen Notbremsfunktionen kann es immer noch zu schwerwiegenden Auffahrunfällen kommen. Springer-Autor Sven Knecht will das ändern. Er zeigt die Möglichkeiten zur Erhöhung der Verzögerungsfähigkeit durch die Integration eines Notbremssystems in ein Kraftfahrzeug auf. Eine besonders vorteilhafte Ausführung stelle dabei die Integration pyrotechnischer Gasgeneratoren in ein Fahrzeug dar, die als Rückstoßantrieb betrieben werden und über eine lange Zeitspanne große Kräfte realisieren.

Größter Zuwachs bei Spurassistenzsystemen

Den größten Zuwachs verzeichnen indes Spurassistenzsysteme. Im Vergleich zum Vorjahr sind sie 2016 in doppelt so vielen Neuwagen an Bord. Interessant auch die Entwicklung des Abstandstempomaten ACC: 2013 gerade in vier Prozent der neuzugelassenen Autos in Deutschland enthalten, steckt die Funktion 2016 bereits in fast jedem fünften Neuwagen (19 Prozent). Udo Wehner geht im Interview "Die Vernetzung ist sehr wichtig für die Assistenzfunktionen" aus der ATZ 4/2017 davon aus, dass es in zwanzig Jahren wahrscheinlich kein separates ACC-System mehr geben wird. Es sollen dann Fahrfunktionen auf einem oder mehreren Zentralrechnern realisiert sein, die das Fahrzeug längs und quer führen. 

Auch in unseren Nachbarländern sind immer mehr Neuwagen mit automatischen Helfern ausgestattet: In Frankreich unterstützen mehr als zwei Drittel der neuen Autos ihre Fahrer beim Parken, in Belgien und den Niederlanden verfügen jeweils 39 Prozent der neuen Pkw über einen Notbremsassistenten – Spitzenwert in Europa. Italien und Russland haben im Vergleich mit den übrigen ausgewerteten Ländern noch Nachholbedarf bei Fahrerassistenzsystemen.

Nicht einzeln, sondern im Verbund

Die technische Entwicklung geht derweil in Richtung des automatisierten Fahrens immer weiter. Die Bosch-Auswertung zeigt, dass mit dem Stauassistenten inzwischen auch die erste teilautomatisierte Funktion im Markt angekommen ist. Im Stau folgt das Auto damit automatisch seinem Vordermann, übernimmt das Anfahren und Beschleunigen ebenso wie das Bremsen und Lenken innerhalb der eigenen Fahrspur. Von den in Deutschland mit ACC ausgestatteten Neuwagen hat fast die Hälfte zugleich die Funktion des Stauassistenten realisiert. Das sind neun Prozent aller neu zugelassenen Pkw.

Wichtig ist heute, dass der Systemaufbau dieser Hilfssysteme modular konzipiert wird, damit vielfältige funktionale Erweiterungen möglich sind. Die Systeme arbeiten heute nicht mehr einzeln, sondern im Verbund. Die Umfeldsensorik dient dazu, wichtige Informationen über die Umgebung eines Fahrzeugs zu sammeln. 

Die Sensorausstattung wird daher üblicherweise alle etablierten Technologien wie Ultraschall, Radar und Kamera umfassen. Neu hinzu kommt die Lidar-Technik", erklärt Valeo im Artikel Automatisiertes Fahren und seine Sensorik im Test aus der ATZ 1/2018.

Dabei stehen die Technologien nicht mehr im Wettbewerb, sondern arbeiten gemeinsam für die Datenfusion und einen redundanten Ansatz, der für das autonome Fahren notwendig sein wird.

Fahrerassistenz-Markt wächst

Fahrerassistenzsysteme unterstützen Autofahrer in unübersichtlichen oder kritischen Verkehrssituationen und sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur unfallfreien und stressfreien Mobilität der Zukunft. So könnten zum Beispiel bis zu 72 Prozent aller Auffahrunfälle mit Personenschaden allein in Deutschland vermieden werden, wenn alle Fahrzeuge ein Notbremssystem an Bord hätten. Die Ausstattungsraten für Fahrerassistenzsysteme steigen stetig an.

Davon profitiert Bosch als Anbieter solcher Systeme auch geschäftlich. "Der Markt wächst derzeit um rund 20 Prozent, Bosch sogar noch stärker", sagt Gerhard Steiger, Vorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Chassis Systems Control. 2019 wird das Unternehmen mit der Fahrerassistenz die Umsatzschwelle von zwei Milliarden Euro übertreffen. Die Milliarden-Marke wurde bereits 2016 erreicht.

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