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09.03.2022 | Halbleiter | Gastbeitrag | Online-Artikel

Ausblick auf den Halbleitermarkt 2022

verfasst von: Dr. Christophe Bianchi

3 Min. Lesedauer
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Die Halbleiterkrise ist allgegenwärtig und verschärft sich durch die Kriegshandlungen in der Ukraine abermals. Mit diesen Entwicklungen ist für 2022 auf dem Halbleitermarkt zu rechnen. 

Sowohl die klassischen Industriebranchen Maschinenbau und Automobil als auch Bereiche wie Cloud und Telekommunikation sind im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung zunehmend auf Halbleiter angewiesen. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen und wird auch in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey soll die Halbleiterbranche bis 2030 jährlich um 6 bis 8 % wachsen. Das liegt in erster Linie an Megatrends wie dem verstärkten Einsatz von künstlicher Intelligenz sowie Entwicklungen im Bereich New Work und auch der steigenden Nachfrage nach Elektroautos

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Halbleiter

In der Elektrotechnik unterscheidet man zwischen aktiven und passiven elektronischen Bauelementen. Unter passiven Bauelementen versteht man elektrische Widerstände, Kondensatoren (bzw. Kapazitäten) und Spulen (bzw. Induktivitäten). Ihre elektrischen Eigenschaften sind zeitlich konstant und können bestenfalls durch das Verschieben mechanischer Elemente (z. B. regelbare Widerstände (= Potenziometer) und regelbare Kondensatoren) angepasst werden.

Sorgenkind Automobilindustrie

Laut der oben zitierten Studie wächst der Bedarf an Chips in der Automobilindustrie am stärksten. Hier ist jährlich mit einem Anstieg von 13 bis 15 % zu rechen. Mit ihrer komplexen Lieferkette und den Just-in-Time-Fertigungsverfahren reagiert die Automobilindustrie besonders empfindlich auf Lieferengpässe. Zudem sind global in diesem Sektor 10 Millionen Menschen beschäftigt, weshalb den Bemühungen um die Entspannung der Halbleiterkrise in der Automobilindustrie in den kommenden Jahren besonders hohe Priorität eingeräumt werden muss. 

Nach der Corona-Pandemie ist der Ukraine-Krieg der nächste große Schlag für die Automobilindustrie. Aufgrund von fehlenden Bauteilen stehen bestimme Bereiche der Produktionsstätten vielerorts still. Um künftige Lieferengpässe zu antizipieren und sich darauf vorzubereiten, benötigen die Halbleiterindustrie und ihre Automobilkunden eine direktere Verbindung, um Angebot und Nachfrage genauer und vorhersehbarer aufeinander abzustimmen. Die Automobilhersteller sind sich dieser kritischen Abhängigkeit in der Lieferkette bewusst und gehen bereits zu einem vertikal integrierten Modell über, das auch die Chip-Produktion einschließt, und übernehmen die direkte Verantwortung für mehrjährige Verträge mit hohen Stückzahlen, um sicherzustellen, dass es in Zukunft keine Kapazitätsengpässe gibt.

Wird mit dem "EU Chips Act" jetzt doch alles gut? 

Die Halbleiterkrise hat ein so großes Ausmaß angenommen, dass die EU-Kommission eingeschritten ist. Eine Gesetzesinitiative soll Versorgungsengpässen bei Chips vorbeugen und das Halbleiter-Ökosystem insgesamt auf eine krisensicherere Grundlage stellen. Bis 2030 soll der europäische Markanteil von bisher rund 10 auf 20 % gesteigert werden. Da der Markt insgesamt stark wachsen wird, erfordert dieses ambitionierte Vorhaben eine Vervielfachung der Produktionskapazitäten in Europa. Ob diese hochgesteckten Ziele erreicht werden können, wird nicht zuletzt von der Fähigkeit der Halbleiterhersteller abhängen, die Rendite und den Einsatz der Ressourcen zu optimieren und eine schnelle Markteinführung zu gewährleisten.

Grundsätzlich wird es beim Bau neuer Fabriken oder der Weiterentwicklung bestehender darauf ankommen, technische Innovationen und die Beherrschung der gesamten Wertschöpfungskette, von der Herstellung bis zur Endnutzung der Komponenten in wachstumsstarken Sektoren, zu kombinieren. Ein effektives Management der Fertigungskette für elektronische Bauteile hängt heute von der Fähigkeit ab, die basalen Faktoren, die sich auf das Produktions- und Leistungsniveau auswirken können, vorherzusehen und zu analysieren. Diese Faktoren – Konnektivität, mechanische und thermische Belastung etc.–, sind äußerst dynamisch, weshalb neue Techniken für die Optimierung der Produktionsabläufe unerlässlich sind. Die technische Simulation bietet die Chance, Komponenten in einer virtuellen Umgebung in Tausenden von Szenarien zu testen. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass die Chips nach ihrer Inbetriebnahme den Anforderungen an Zuverlässigkeit, Leistung und Langlebigkeit in ihrem jeweiligen Anwendungsbereich gerecht werden.

Der Halbleitermarkt entwickelt sich in rasantem Tempo weiter und ist dabei direkt in globale Zusammenhänge eingebettet, die teilweise kaum vorhersehbar sind. Dennoch ist klar, dass der Bedarf an Halbleitern in den 2020er-Jahren weiter wachsen wird und sich sowohl Regierungen als auch Unternehmen jetzt besser aufstellen müssen, um von der Transformation zu profitieren, indem sie sie proaktiv mitgestalten.

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