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17.11.2016 | Industrie 4.0 | Im Fokus | Onlineartikel

Digitale Revolution bringt deutsche Wirtschaft in Gefahr

Autor:
Sven Eisenkrämer

Rasante Entwicklung contra German Angst: Experten diskutieren dieser Tage die Digitalisierung der Wirtschaft. Einige sehen den Standort Deutschland in Gefahr, andere sind sich sicher: "Wir schaffen das!"

Beim nationalen IT-Gipfel 2016 in Saarbrücken steht diese Woche das Motto "Lernen und Handeln in der digitalen Welt" im Vordergrund. Unter anderem Kanzlerin Merkel, Wirtschaftsminister Gabriel oder Google-CEO Sundar Pichai sprechen über die Digitalisierung. Bei einer Quasi-Vorveranstaltung des IT-Gipfels diese Woche in Frankfurt, der F.A.Z.-Konferenz "Disruption 2016 – Die digitale Transformation der Wirtschaft", trafen sich an zwei Tagen ebenfalls erfolgreiche Startup-Gründer mit alteingesessenen Konzern-Chefs, Politikern und Multiplikatoren, jedoch in einem deutlich überschaubareren Rahmen als in Saarbrücken.

Dass Digitalisierung deutlich weiter geht als der geprägte Begriff Industrie 4.0, nämlich auch Handwerk 4.0, Dienstleistung 4.0 und so weiter bedeutet, sagte auch EU-Kommissar Günter Oettinger bei seiner Eröffnungsrede in Frankfurt. Dem schlossen sich die Experten im Laufe der beiden Tage an und diskutierten spannende Punkte, von der möglichen Auswirkung der Trump-Wahl auf das Silicon Valley und den weiteren digitalen Fortschritt in der Welt bis zum Konflikt zwischen den neuen deutschen Tugenden im German Engineering, der vielzitierten German Angst (also den Sicherheitsbedenken) und der oft unfassbar schnellen Entwicklung der Wirtschaft im Zeitalter der digitalen Transformation, beziehungsweise der digitalen Revolution, wie beispielsweise SAP-CDO Jonathan Becher sie nannte.

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Deutschland hängt hinterher, meinen viele. Die USA mit dem Geist des Silicon Valley habe Deutschland längst abgehängt. Springer-Autor August-Wilhelm Scheer, seit Jahrzehnten ein beachteter Vorreiter in der zukunftsorientierten Ausrichtung von Unternehmen und unter anderem früherer Bitkom-Präsident, sieht die aktuelle Situation in Deutschland "kritisch, so wo wir in dieser aktuellen Digitalisierungswelle sind", sagte er in Frankfurt. Man könne viel Positives sehen, "aber wenn man sagt, wir müssen auch die Kompetenz haben in dem IT-Umfeld, um auch die Anwender schneller zusammenzubringen, dann sehe ich da doch ein paar Probleme." Auch weil man nicht wisse, was mit Trump nun an Protektionismus käme, sei man "gut beraten, hier eine eigene IT-Industrie aufzubauen. Das geht nicht mal eben in Deutschland, sondern wir müssen europäische Lösungen finden." Ein klarer Aufruf zur Industriepolitik. "Wie wollen wir uns denn sonst wehren?" Aber Scheer sieht beispielsweise in seinem Buch Was treibt die Digitalisierung im Kapitel  Die digitale Transformation der Industrie - wie Deutschland profitiert auch Stärken und Chancen des Standortes Deutschland.   

Oettinger fordert: 500 Milliarden Euro investieren 

Und da greift auch EU-Kommissar Oettinger an. Er fordert den Ausbau der Glasfaser-Technologie, Breitband-Internet mit Geschwindigkeiten von 500.000 kBit/s oder mehr, 5G-Funknetze und massive Investition in High Performance Computing – alles europaweit. Oettinger: "Wir müssen 500 Milliarden Euro in den nächsten Jahren in die digitale Infrastruktur investieren."

Ob ein nationaler IT-Gipfel und die langen Entscheidungsphasen der Politik beim Mithalten in der schnelllebigen weltweiten Entwicklung wirklich helfen können, sei dahingestellt. Was die Unternehmer und IT-Entscheider fordern: Allen Reden der Politiker müssen auch Taten folgen, wenn der Wirtschaftsstandort Deutschland auf lange Sicht erfolgreich bleiben soll.

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