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2022 | Buch

Ökonomik und Wirtschaft

Eine Geschichte des ökonomischen Denkens

verfasst von: Prof. Dr. Volker Caspari

Verlag: Springer Berlin Heidelberg

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Über dieses Buch

Von der ältesten Produktions- und Wirtschaftsweise, der des Jagens und Sammelns, bis zum gegenwärtigen Industrie- und Finanzkapitalismus ging es den Menschen darum, durch Aktivitäten an Güter und Dienstleistungen zu gelangen, die „zum Leben“ benötigt werden. Die Menschen kreieren Techniken zur Produktion und Normen zur Verteilung der Güter, aber auch Organisationsformen und Institutionen, in deren Rahmen diese Produktions- und Verteilungsprozesse stattfinden. Diese realen Entwicklungen sind Gegenstand der Wirtschaftsgeschichte. Aber das Reflektieren dieser Regeln, Prozesse, Institutionen und Organisationsformen – nennen wir es das ökonomische Denken – ist die andere Seite der Medaille. Aus dem Denken über ökonomische Sachverhalte und Vorgänge entstand sukzessive die Ökonomik, die im deutschsprachigen Raum noch immer Volkswirtschaftslehre genannt wird, obwohl das „Volk“ explizit kein Thema dieser Disziplin ist.

In diesem Buch wird der Versuch unternommen, die wichtigsten Entwicklungslinien des ökonomischen Denkens von seinen schriftlich verfügbaren Anfängen bis zur Ökonomik des 20. Jahrhunderts nachzuzeichnen und die wirtschaftshistorischen Rahmenbedingung dieser Entwicklung darzustellen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Einleitung
Zusammenfassung
Die Volkswirtschaftslehre gehört zweifelsohne zu den Sozialwissenschaften. Ihr Erkenntnisgegenstand ist der Bereich des menschlichen Handelns, in dem es um die materielle Reproduktion, d. h. um das „Überleben“ im weitesten Sinne geht. Von der ältesten Produktions- und Wirtschaftsweise, der des Jagens und Sammelns, bis zum gegenwärtigen Finanz- und Industriekapitalismus ging es den Menschen darum, durch ‚Aktivitäten‘ an Güter und Dienstleistungen zu gelangen, die „zum Leben“ benötigt wurden bzw. werden.
Volker Caspari
Kapitel 2. Antike griechische Wirtschaft und Anfänge ökonomischen Denkens
Zusammenfassung
Die geographischen Bedingungen Griechenlands, insbesondere die Gebirge, „trieb die Griechen auf das Meer“. Max Weber verwendete den Begriff der „Küstenkultur“, eine auf die Stadt (Polis) ausgerichtete Produktions- und Lebensform. Es gab zu wenig Siedlungsland für die jungen Menschen. Auszuwandern war besser, als sich ständig gegenseitig zu überfallen.
Volker Caspari
Kapitel 3. Die Wirtschaft im Mittelalter
Zusammenfassung
Die ökonomische und soziale Entwicklung im Mittelalter (ca. 600–1500 n. Chr.) verlief nördlich der Alpen anders als südlich der Alpen. Die sogenannte agrarische Revolution des Mittelalters fand schwergewichtig nördlich der Alpen statt und bestimmte ganz wesentlich die Entwicklung der nordalpinen Stadt und die Verschiebung des europäischen Schwerpunkts von Süden nach Norden.
Volker Caspari
Kapitel 4. Spiegelungen der Wirtschaft im Denken der Scholastik
Zusammenfassung
Fragt man sich, ob und wie sich diese Vielfalt in Wirtschaft und Gesellschaft im Schrifttum, d. h. in der theoretischen Reflexion wiederfindet, muss man sich zunächst verdeutlichen, dass fast ausschließlich Ordensleute und Vertreter der katholischen Kirche über die entsprechende Ausbildung, Bildung und Zeit verfügten, um sich mit solchen reflexiven Fragen zu beschäftigen. Auch Universitäten wie Bologna oder Paris waren ja fest in der Hand des Klerus. Die Deutung, Interpretation und Erklärung der ‚Welt‘ war fest eingebettet in die Theologie, d. h. die christliche Theologie. Das Studium der alten Texte, der griechischen und lateinischen Sprache und die Interpretation und Erklärung der Welt im Lichte dieser Texte war Aufgabe der „Scholaren“, ihre Wissenschaft nannte und nennt man die Scholastik.
Volker Caspari
Kapitel 5. Das Zeitalter des Merkantilismus
Zusammenfassung
Mit der Entfaltung des „Tausches zwischen Stadt und Land“ und der Entwicklung des Handels zwischen den Handelszentren (z. B. Hanse, Süddt. Städteverbund) gewann im späten Mittelalter die Geldwirtschaft an Bedeutung. Die Höfe der adeligen Herrscher mussten irgendwie an die Handelswaren kommen, insbesondere an jene, die man am eigenen Hofe nicht produzierte oder produzieren konnte.
Volker Caspari
Kapitel 6. Die Physiokratie
Zusammenfassung
Frankreich musste im 18. Jhdt. eine schwere, anhaltende Wirtschaftskrise bewältigen. Nach einem ganzen Jahrhundert planvoller, merkantilistischer Wirtschaftsförderung, von Heinrich IV. (1553–1610) und seinem Wirtschaftsminister Sully bis zu Colbert (1619–1683), hatten die zahlreichen Kriege (vor allem mit England) und die mit Dekadenz verbundene Gleichgültigkeit der Monarchen gegenüber der Wirtschaft des Landes das Gewerbe, die Landwirtschaft und die Staatsfinanzen völlig zerrüttet. Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen bestanden in einer Erhöhung der Steuern und Abgaben bei gleichzeitiger Plafondierung des Getreidepreises, um Hungersnöte und Aufstände zu vermeiden. Die Konsequenz war, dass der Getreideanbau reduziert wurde und eine Landflucht einsetzte, weil man mit Landwirtschaft seinen Lebensunterhalt nicht mehr sichern konnte. In der Mitte des 18. Jhdt. waren ca. 25 % der vormals genutzten Fläche verödet, die Staatsfinanzen waren zerrütteter und die Wirtschaftslage katastrophaler als vor den wirtschaftspolitischen Maßnahmen.
Volker Caspari
Kapitel 7. Das Zeitalter der klassischen politischen Ökonomie
Zusammenfassung
Im Jahr 1723 wurde J. S. Bach Thomaskantor in Leipzig, Voltaire veröffentliche das Epos „La Henriade“ und der große englische Baumeister Christopher Wren starb. Keiner konnte im Voraus wissen, dass der in diesem Jahr im schottischen Städtchen Kirkcaldy geborene Junge mit dem Namen Adam Smith einmal der „Adam der Nationalökonomie“ werden sollte. Als Smith ein Jahr alt wurde, erblickte im damals preußischen Königsberg ein anderer intellektueller Gigant das Licht der Welt: Immanuel Kant. Als Smith 1790 starb, hatte er drei englische Könige erlebt (George I. († 1727), George II. († 1760) und George III. (bis 1820); alle House of Hanover).
Volker Caspari
Kapitel 8. Der Marginalismus und die Nutzentheorie
Zusammenfassung
Mit den Arbeiten von Carl Menger, William Stanley Jevons und Leon Walras kam es in methodischer und in theoretischer Hinsicht zu einem vollständigen Paradigmenwechsel in der ökonomischen Theorie. Methodisch gewann der Marginalismus an Bedeutung und theoretisch fand ein Wechsel des Erklärungsprinzips im Bereich der Wert- und Verteilungstheorie statt. Wie oft in der wissenschaftlichen Entwicklung gab es auch zu diesem Paradigmenwechsel Autoren, bei denen sich dieser Wechsel angedeutet hatte, deren Ideen aber gewissermaßen „zu früh“ waren und noch keine Resonanz fanden. Hierzu zählt mit Sicherheit die Arbeit Hermann Heinrich Gossens, dessen Werk Die Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs, und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln nach seiner Veröffentlichung 1854 unbeachtet blieb und quasi als verschollen galt. Jevons wurde 1878 durch einen Kollegen, der Gossens Buch „zufällig in die Finger bekam“, darauf aufmerksam gemacht. Durch Jevons wurde Gossens Buch „wiederentdeckt“.
Volker Caspari
Kapitel 9. Alfred Marshall und die Neoklassik
Zusammenfassung
Alfred Marshall wurde am 26. Juli 1842 in Bermondsey, Grafschaft Surrey, am südöstlichen Ende Londons, inmitten des Zentrums der Londoner Lederindustrie im Haus seiner Eltern geboren. Er ist das zweite von insgesamt fünf Kindern der Eheleute William und Rebecca Marshall.
Volker Caspari
Kapitel 10. Die Kapitaltheorie
Zusammenfassung
Wenn man sich erneut fragt, warum die klassische politische Ökonomie im 19. Jahrhundert an Bedeutung verlor und die Neoklassik sie als neues Paradigma ablöste, darf man die Verteilungsfragen, die im Zuge der industriellen Revolution debattiert wurden, nicht ignorieren. Vor allem durch die Marxsche Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsweise trat die Frage in den Vordergrund, was eigentlich Kapital ist und wieso man durch Kapitalbesitz und Kapitalakkumulation wohlhabend, ja sprichwörtlich reich und sehr vermögend werden konnte. Bislang waren ja vor allem die Landbesitzer durch große Vermögen aufgefallen, nun gab es zunehmend reiche Unternehmer und Händler.
Volker Caspari
Kapitel 11. Die Historische Nationalökonomie
Zusammenfassung
Die Historische Schule der Nationalökonomie, die wir in die ältere und die jüngere Historische Schule teilen, gehört zum Historismus, einer tief in der europäischen Geistesgeschichte verwurzelten Tradition, die fachübergreifenden Charakter hatte. Während z. B. bei Nietzsche der Historismus als Inbegriff des Überholten interpretiert wurde, feierten Troeltsch oder der Historiker Meinecke den Historismus als eine große Errungenschaft des abendländischen Denkens. Mit Poppers Streitschrift „das Elend des Historizismus“, die eigentlich gegen den Marxismus gerichtet war, hat der Begriff wieder eine eher negative Tönung erhalten.
Volker Caspari
Kapitel 12. Entwicklungen in der Volkswirtschaftslehre nach dem Ersten Weltkrieg
Zusammenfassung
Nach dem Ersten Weltkrieg (EWK) lassen sich in der ökonomischen Wissenschaft vier Entwicklungen identifizieren. Makroökonomische Probleme wie Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Konjunkturbewegungen gewinnen an Bedeutung und die theoretische Auseinandersetzung damit führt zu einer Ausdifferenzierung und einem neuen Fachgebiet, dem der Makroökonomie. Die Entwicklung dieses Fachs ist untrennbar mit dem Namen von John Maynard Keynes verbunden.
Volker Caspari
Kapitel 13. Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg
Zusammenfassung
Der Zweite Weltkrieg hatte nicht nur für die davon direkt betroffenen europäischen Staaten, sondern auch für die USA langfristige wirtschaftliche Folgen. Die USA waren als Siegermacht mitverantwortlich für den Wiederaufbau und die politisch-ökonomische Neuordnung Deutschlands und Europas. Sie hatten zwar keine Zerstörungen im eigenen Territorium erlitten, aber natürlich hatten auch sie, wie alle europäischen Kriegsteilnehmer, viele Menschen aus einer Generation im besten Lebens- und Arbeitsalter verloren. In Europa lagen zusätzlich zu dem Verlust von Teilen der Bevölkerung viele wirtschaftlich wichtige Regionen in Schutt und Asche. Dieser Wiederaufbau ging unterschiedlich schnell vonstatten, was auch durch die Teilung Europas in zwei verschiedene politökonomische Systeme mitverursacht wurde. Die Länder Osteuropas gerieten unter den Einfluss der Siegermacht Sowjetunion und dort etablierten sich planwirtschaftliche Systeme, die politisch das Modell der „Diktatur des Proletariats“ verfolgten. Hier wurden die Parlamente von den jeweiligen kommunistischen Parteien dominiert, auch wenn es formal noch andere Parteien gegeben hat. Man nannte sich Volksdemokratie. Ein etwas anderes Modell verfolgte man in Jugoslawien, hier gab es neben „volkseigenen“, also staatlichen Unternehmen auch Unternehmen, die sich im Eigentum der eigenen Belegschaft befanden. In den mittel- und westeuropäischen Ländern herrschten marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnungen vor und politisch dominierten die Mehrparteiendemokratien sowie die Rechtsstaatlichkeit, d. h. die Unterordnung des Staats unter das Recht. Letzteres fehlte natürlich in den sogenannten Volksdemokratien, denn dort war die Gewaltenteilung weitgehend aufgehoben. Aber auch in Westeuropa gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch Diktaturen. So herrschte in Spanien von 1936 bis 1975 das Regime des General Franco, das sowohl planwirtschaftliche als auch faschistische Elemente aufwies. Ganz ähnlich in Portugal, das ab 1933 ständestaatlich strukturiert wurde und politisch von der einzig zugelassenen Partei União Nacional und dem Diktator Salazar regiert wurde. 1974 beendete die Nelkenrevolution diese faschistische Epoche. Auch in Griechenland herrschte von 1967 bis 1974 eine Militärdiktatur.
Volker Caspari
Kapitel 14. Alte und Neue Institutionenökonomik
Zusammenfassung
Der Institutionalismus geht als Richtung innerhalb der Volkswirtschaftslehre auf amerikanische Ökonomen des beginnenden 20. Jahrhunderts zurück. Zu nennen sind vor allem Thorstein Veblen (1857–1929), John R. Commons (1862–1945) aus der ersten Generation sowie Wesley Mitchell (1874–1948), J. R. Galbraith (1908–2006) und Anthony Downs aus den zwei nächsten Generationen. Der amerikanische Institutionalismus wurde vor allem von der Historischen Schule, hier vor allem von Schmoller, beeinflusst, erhielt aber auch direkten Nachschub durch deutschsprachige Emigranten, die teilweise noch vollständig im Geiste der Historischen Schule im Deutschen Reich akademisch sozialisiert wurden.
Volker Caspari
Backmatter
Metadaten
Titel
Ökonomik und Wirtschaft
verfasst von
Prof. Dr. Volker Caspari
Copyright-Jahr
2022
Verlag
Springer Berlin Heidelberg
Electronic ISBN
978-3-662-65497-2
Print ISBN
978-3-662-65496-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-662-65497-2

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