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04.06.2019 | Personalentwicklung | Kommentar | Onlineartikel

"Wer glaubt, noch Zeit zu haben, irrt"

Autor:
Amra Ljaic

Der Brexit naht und mit ihm ein Fachkräfteproblem bei den Banken. Personalexpertin Amra Ljaic erklärt in ihrem Kommentar, warum sich die Geldhäuser in Deutschland besser eilen sollten.

Auch wenn sich die Gespräche über einen Brexit-Kompromiss dahinschleppen und kaum noch jemand an ein zügiges Ergebnis glaubt, sollte diese zögerliche Haltung sich nicht auf andere bedeutende Bereiche übertragen. Erst recht nicht, wenn die Wettbewerbs-, oder gar Zukunftsfähigkeit auf dem Spiel steht.

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2019 | OriginalPaper | Buchkapitel

Einführung – die Entsendungsentscheidung

In internationalisierten Wirtschaftsbeziehungen stellt die Entsendung von Mitarbeitern ins Ausland für die meisten Großunternehmen, aber auch KMU, ein Standardinstrumentarium in der Personalarbeit dar. Die Brexit-Entscheidung schafft jedoch Unsicherheiten im deutsch-britischen Wirtschaftsverhältnis und damit gleichfalls für den Entsendungsprozess und die Expats.


Damit spreche ich konkret die Personalentscheider aller international tätigen Banken an.  Denn ob harter Brexit oder nicht, der Austritt Großbritanniens aus der EU-Zone wird gravierende Folgen für die künftige Personalplanung und -entwicklung haben. Trotz einer Veränderung der transnationalen Beschäftigung wird der Brexit für die Personalpraxis das Buhlen um gute Fach- und Führungskräfte um ein Vielfaches härter machen. Dafür sollten die Personaler sich bereits jetzt rüsten.

Institute ringen um Brexit-Banker

Nach Kenntnis des Verbandes für Auslandsbanken hat das Ringen um die besten Brexit-Banker schon begonnen. Denn die Institute, die ihr Geschäft aus London abziehen, bereiten sich bereits darauf vor, weitere operative Einheiten wie zum Beispiel IT-Fachbereiche an attraktiven Standorten wie Frankfurt vorzuhalten. Dem Verband zufolge sollen knapp 20 Banken, vorwiegend amerikanische und japanische Häuser sich schon entschieden haben, ihr Geschäft aufgrund des Brexits am Finanzplatz Frankfurt auf- oder auszubauen. Die Branche geht schon jetzt davon aus, dass die Verlagerung der Geschäfte nach Deutschland mit einer Personalaufstockung von bis zu 5.000 Stellen für die nächsten zwei bis drei Jahre einhergehen wird. Werden dann noch die deutschen Häuser hinzuaddiert, die ihre Geschäftsbereiche zurück verlagern, wird sich diese Zahl vermutlich nochmals potenzieren.

Vor dem Hintergrund dieser Bewegungen sollten die Personaler nicht mehr länger tatenlos zusehen, wie sich für sie die Personalsituation am deutschen Markt immer weiter zuspitzt, sondern beherzt handeln. Zumal der zusätzliche Wettbewerb an deutschen Standorten definitiv die Gehälter für die Finanz-Spezialisten in die Höhe treiben dürfte.

Geht man einmal davon aus, dass die Positionen auch lokal besetzt werden, gilt es insbesondere für die Engpass-Profile wie etwa IT- und Digitalexperten eine fundierte, vorwärts gerichtete Bedarfsanalyse zu machen und zusätzliche Potenziale zu identifizieren. Dazu gehört auch eine realistische Kostenplanung und die beratende Funktion von Personaldienstleistern, um beispielsweise ein schnelleres Onboarding von Fachkräften zu ermöglichen. Bei deren Auswahl sollten Branchen-Expertise sowie globale Präsenz zu den maßgeblichen Kriterien gehören. 

Banken suchen IT-Spezialisten

Vor diesem Hintergrund sollten sich die Personal- oder Fachbereichsentscheider ausländischer Banken jetzt darum kümmern, wie ihre Personal-Strategie in punkto Rekrutierung von IT-Experten aussehen wird. Denn diese werden vor dem Hintergrund der Entwicklung neuer digitaler Geschäftsmodelle künftig zu den Stützpfeilern des Bankengeschäfts gehören, und brauchen Aufmerksamkeit. 

Erschwerend kommt ein Faktor hinzu, der die Neugewinnung extrem schwierig machen könnte: Zum einen verfügen Finanzinstitute aus dem angloamerikanischen Raum über sehr fortschrittliche Technologien. Was bedeuten würde, dass sie bei der Stellensuche im deutschen Markt genau die Experten favorisieren, die hochqualifiziert sind. Hierzu gehören Daten-Analysten oder auch Software-Entwickler und Ingenieure - eine ohnehin schon rare Spezies für die Bankenbranche  Damit befeuern sie zusätzlich die ohnehin bereits völlig überstrapazierte Nachfrage für solche Fachkräfte.

Einstellungsgespräche laufen bereits

Wer jetzt glaubt, dass er noch Zeit habe, der irrt gewaltig. Denn die Einstellungsgespräche haben längst begonnen. Viele vom Brexit betroffene Banken stellen bereits Mitarbeiter ein, allerdings schwerpunktmäßig in den noch etwas entspannteren Bereichen Risikomanagement, Compliance, interne Revision oder Treasury. Ein anderes Bild zeigt sich bei den IT- und Digitalexperten. Hier brauchen die Banken das Ohr möglichst nach am Marktgeschehen, um bei wichtigen Themen wie Digitalisierung, Automatisierung oder auch mobile Services personell schnell aktiv werden zu können.

Das zeigt, die Wertschöpfungsketten der Auslandsbanken sind längst durcheinandergewirbelt. Es gibt keine valide Grundlage mehr, Personalentscheidungen künstlich in die Länge zu ziehen, denn die Talente werden jetzt verteilt.    

 

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Quelle:
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