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14.01.2015 | Wertpapiergeschäft | Im Fokus | Onlineartikel

Immobilieninvestoren gehen ins Risiko

Autor:
Christian Kemper
2:30 Min. Lesedauer

Auf der Suche nach Rendite investieren institutionelle Anleger aus Deutschland verstärkt in Auslandsimmobilien. Dafür entdecken ausländische Investoren deutsches Betongold.

Der deutsche Immobilienmarkt sorgt international für Aufsehen. Während im vergangenen Jahr viele heimische Banken die gute Marktsituation nutzten, um sich von Objekten zu trennen, interessieren sich nun immer mehr Investoren aus den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens für Liegenschaften in der Bundesrepublik. Begehrt bei ausländischen Käufern sind nicht nur Wohn- und Geschäftshäuser in den Toplagen Berlins, Hamburgs und München, sondern auch Nischen wie der Gesundheits- und Logistikbereich. So lautet ein zentrales Ergebnis einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY), die rund 130 in Deutschland tätige Investoren jährlich nach ihrer Markteinschätzung fragt. „Der weltweite Immobilienmarkt vernetzt sich zunehmend, die Investoren stellen sich immer internationaler auf“, erläutert Hartmut Fründt, Managing Partner bei EY Real Estate, die aktuelle Entwicklung.

Wohnimmobilien sind gefragte Spekulationsobjekte

Das Volumen der Immobilientransaktionen in Deutschland legte im Jahr 2014 um rund 19 Prozent auf 52,7 Milliarden Euro zu. Grund für das Wachstum war eine unerwartet hohe Aktivität am Wohnungsmarkt, wie die Analyse zeigt. Deutschland wird im weltweiten Vergleich als sehr attraktives Investitionsziel angesehen, was insbesondere an der Wertstabilität der Objekte und der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in den vergangenen zwölf Monaten liegt. 2015 sollen somit neue Eintritte internationaler Investoren und der Ausbau bestehender Engagements bevorstehen. Das könnte die Kaufpreise für Wohnraum in erstklassigen Lagen weiter in die Höhe treiben. Wie gewerbliche Immobilienkäufer einen möglichen Standort analysieren, erklärt der Springer-Autor Thomas Glatte im Kapitel "Projektkonzeption" seines Buchs "Entwicklung betrieblicher Immobilien“.

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Eine Immobilienblase in Deutschland sehen die EY-Experten jedoch noch nicht. Allerdings sollte sich der Nachfrageüberhang 2015 weiter verstärken, weil den interessierten Investoren nicht genügend Anlagemöglichkeiten zur Verfügung stehen. „Die Finanzierungssituation ist heute deutlich besser als vor zehn Jahren – hervorgerufen auch durch die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“, beruhigt Fründt. Dem zunehmenden Interesse an Immobilieninvestments stehe genügend Kapital zur Verfügung. „Es besteht kein Engpass mehr, die Banken machen sich als Kreditgeber wieder mehr Konkurrenz“, sagt Fründt. Auch der Banken-Stresstest habe zu keiner Verminderung der Finanzierungsaktivität geführt. Ergänzend zum klassischen Bankkredit sollen 2015 alternative Geldgeber wie Versicherer und Pensionskassen Marktanteile gewinnen. Erstmals seit Jahren werden außerdem Verbriefungen wieder als ernstzunehmende Alternative zur Refinanzierung von Immobilienkrediten gesehen.

Investoren riskieren wieder mehr

Trotz der stabilen Marktlage hierzulande sucht die Mehrheit der deutschen Investoren nach Anlagealternativen im Ausland. 71 Prozent der von EY Befragten rechnen damit, 2015 höhere Renditen außerhalb der Bundesrepublik erzielen zu können, speziell in den USA und in Asien. Entsprechend sollte sich die Risikoneigung entwickeln: 90 Prozent der Anleger gehen davon aus, dass der Anteil risikoreicherer Immobilieninvestments in den Portfolios steigen wird.  

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