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27.02.2018 | Wirtschaftsinformatik | Im Fokus | Onlineartikel

Krypto-Währung IOTA lässt Maschinen miteinander handeln

Autoren: Tobias Weidemann, Sven Eisenkrämer

Wenn es um digitale Währungen geht, steht der Bitcoin aktuell im Fokus. Dabei ist aus Sicht der digitalen Transformation und unter dem Geschichtspunkt Industrie 4.0 eine andere Krypto-Währung deutlich interessanter: IOTA.

Im Schatten des Bitcoin nimmt gerade eine andere Krypto-Währung ihren Weg. IOTA entwickelt zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für Bitcoin und Ethereum. Zum Bitcoin-Rekord im Dezember hatte auch IOTA ihren Anteilswert innerhalb weniger Tage verdreifacht. Unter anderem, weil das Unternehmen Bosch eine massive Investition in IOTA bekanntgegeben hat.

Zwar ist auch IOTA mittlerweile eingebrochen, genau wie der Bitcoin-Kurs. Doch dadurch wird sie nicht weniger interessant für spezielle Einsatzbereiche: Hinter IOTA steckt nämlich die besondere Idee, ein Zahlungsmittel für Internet-of-Things-Anwendungen bereitzustellen. Diese Währung agiert in einer Art Maschinen-Wirtschaft, in welcher sich die unterschiedlichen technischen Geräte gegenseitig bezahlen können. Das ermöglicht vollautomatisierte Geschäftsmodelle zwischen Business-Anwendungen und Maschinen – in Echtzeit und gebührenfrei zwischen den Handelspartnern selbst.

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Die Entwickler, die in Berlin ansässige IOTA-Foundation, gehen davon aus, dass in Zukunft die M2M-Kommunikation so weit geht, dass sich Maschinen gegenseitig für Dienstleistungen entlohnen, beispielsweise eine Produktionsanlage von einem IT-System aktuelle Wirtschafts- oder Wetterdaten einkaufen kann und so den Ausstoß auf der Basis von wirtschaftlich vernünftigen Rahmenbedingungen selbst regulieren kann. Kaufen und verkaufen lassen sich dabei sowohl Sensordaten (etwa von Wetterstationen) als auch deren Auswertung. Eine Maschine könnte so beispielsweise auf bestimmte Wetterdaten zugreifen, diese auswerten und die Ergebnisse an einen weiteren Abnehmer weiter verkaufen.

"Tangle" als Alternative zur Blockchain 

Anders als bei Bitcoin gibt es hier kein klassisches Mining und nicht nur einen Strang in der Block-Kette. Zum Einsatz kommt statt der Blockchain eine Alternative namens Tangle, ein mathematisches Konzept, das auf azyklische Graphen setzt. Die Folge daraus: Im Gegensatz zur Blockchain, die nur begrenzt Transaktionen verarbeiten kann, erfolgt die Validierung von Transaktionen hierbei parallelisiert, so dass bei zunehmender Nutzerzahl die Response-Zeiten kürzer werden anstatt zuzunehmen. Um eine neue Transaktion ausführen zu können, muss eine Maschine zwei vorangegangene Transaktionen verifizieren. Bis eine ausreichende Menge an Nutzern für ein entsprechend belastbares Netz sorgt, läuft IOTA noch mit einem Koordinator, der das Netzwerk vor verschiedenen Attacken schützt und bei der Validierung der Transaktionen hilft.

Kein Wettbewerb zwischen Nutzern, keine Gebühren

Im Gegensatz zur Blockchain findet auch kein Wettbewerb zwischen den Anwendern um den nächsten Block statt. Bei Bitcoin und anderen Blockchain-Währungen ist in der Realität die Schnelligkeit der Transaktion mittlerweile von Gebühren abhängig: Wer bereit ist, mehr Gebühren zu zahlen, dessen Transaktion wird schneller berechnet. Miner, also die Berechner, und die Nutzer sind entkoppelte Teile der Blockchain-Währung. In IOTA muss der Nutzer selbst bei einer eigenen Transaktion die POWs von seinem Endgerät berechnen lassen. Daher kommt IOTA ohne Gebühren für Transaktionen aus.

Der Tangle ist nach Angaben der Gründer im Übrigen trinär programmiert, was eine Abweichung vom Binärcode darstellt. Trinär sei effizienter als binär und ermögliche einige Verbesserungen hinsichtlich der Funktionalität. Der Tangle funktioniert dennoch sowohl auf binären als auch auf trinären Systemen. 

Festgelegte Anzahl von Währungseinheiten

Die Anzahl an Einheiten der IOTA-Währung ist begrenzt. Es wird niemals mehr oder weniger als  2,779 Peta Iota (2,779 Billiarden IOTA, exakt sind es 2.779.530.283.277.761 IOTA) geben. Diese festgelegte Anzahl ist für trinäre Prozessoren optimiert.

IOTA konnte aber immerhin schon 2015 in einem speziellen Vorverkauf Währungseinheiten im Wert von 500.000 US-Dollar an Unternehmen verkaufen. Der Ende 2017 steigende Kurs wurde vor allem durch die Aussicht auf den Praxiseinsatz getrieben. Denn die IOTA-Stiftung hat Ende November den Aufbau eines IOTA-Handelsplatzes für Sensordaten bekannt gegeben. Auch wenn es sich dabei immer noch um einen Pilotbetrieb handelt, ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem maschinenbasierten Handeln.

Big Data als das neue Öl

Dass Daten über einen Wert verfügen, darüber sind sich wohl alle Experten einig. Und angesichts der Tatsache, dass in den nächsten zehn Jahren rund 75 Milliarden verbundene Daten verarbeitende Devices erwartet werden, ist es nur vernünftig, diesen Datenschatz auch mit einer Währung zu bepreisen. Dass hieran nicht nur die Macher von IOTA glauben, sondern auch die Wirtschaft, zeigt das Engagement verschiedener Unternehmen: Zu den Unterstützern von IOTA zählen unter anderem Microsoft, Bosch und die Telekom.

Vikram Dhillon, David Metcalf und Max Hooper führen in ihrem Beitrag "Technological Revolutions and Financial Capital" aus dem Apress-Buch "Blockchain Enabled Applications" (2017) aus, welche Potenziale die Krypto-Währungen für einen tiefgreifenden Wandel in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts bieten können. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Finanzwelt durch die Erfindung von Blockchain und hiermit verwandter Technologien deutlich unabhängiger von Banken und Regierungen sein wird. "Innovatoren, Träumer, Einzelpersonen und Gruppen", die auf dem Markt seien, sähen die Zukunft einer besseren Finanzwelt für alle, schreiben die Autoren. "Das unglaubliche Engagement von Inkubatoren, Beschleunigern, Universitäten und Investmentfirmen, die auf Effizienz und Innovation in der Blockchain hinarbeiten, wird die Art und Weise verändern, wie die Welt das Finanzkapital sieht."

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