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14.09.2021 | Aktienfonds | Nachricht | Onlineartikel

Aktive Fonds schneiden nicht automatisch besser ab

Autor:
Michael Fuchs
3 Min. Lesedauer

Die Entscheidung zwischen klassischen, aktiv gemanagten Fonds und passiven börsengehandelten Fonds (ETFs) gleicht bisweilen einer Glaubensfrage. Doch Glauben ist an den Finanzmärkten selten ein guter Ratgeber. 

Eine aktuelle Untersuchung zeichnet ein differenziertes Bild: 2021 ist bislang ein gutes Aktienjahr. Der MSCI World, der über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern weltweit abbildet, ist seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent gestiegen. In einem solchen Umfeld sollte es Fondsmanagern eigentlich leicht fallen, satte Gewinne einzufahren. Durch Übergewichtung der stärksten Aktien haben sie beste Chancen, passive Fonds, die einen Index lediglich abbilden, abzuhängen. Doch dem ist nicht so, wie eine Studie der Ratingagentur Scope zeigt. 

Aktive Fonds schneiden nicht immer besser ab

Tatsächlich haben die aktiven Fonds im ersten Halbjahr 2021 nur in zwei von fünf Vergleichsgruppen besser abgeschnitten – und das auch nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle. So hatten in der Region Asien-Pazifik ohne Japan 53,4 Prozent der aktiven Anlageverwalter die Nase vorn, in Nordamerika 50,4 Prozent.

Eindeutig fällt dagegen das untere Ende der Tabelle aus. Die weltweit anlegenden aktiven Fonds schafften es gerade einmal in 28,2 Prozent der Fälle, die passiven Kollegen zu schlagen. Noch schlechter sieht es am deutschen Markt aus, wo lediglich 27,3 Prozent den Vergleichsindex übertrafen.

Schneller Wechsel zwischen den Investmentstilen

Beim genaueren Hinsehen ergibt sich ein komplexes Bild. Scope-Analyst Florian Koch weist zu Recht auf den schnellen Wechsel zwischen den Investmentstilen Wachstum und Substanz im Beobachtungszeitraum hin. Das habe es den Fondsmanagern nicht leicht gemacht, "den Markt zu greifen und den Vergleichsindex zu übertreffen". In Deutschland habe sich auch die starke Positionierung aktiver Fonds in mittelgroßen und kleinen Werten negativ niedergeschlagen. 

"Da sich deutsche Nebenwerte seit Jahresbeginn teilweise deutlich schlechter entwickelt haben als ihre großen Pendants aus dem DAX, hat sich die Positionierung für viele aktive Fonds bisher nicht ausgezahlt", schließt Koch. Für Anleger bleibt der Trost, dass sich die Übergewichtung kleinerer Werte in den Vorjahren um so mehr gelohnt hat und viele Fonds noch auf einem dickem Polster an Gewinnen sitzen.

Chinas Aktienmärkte enttäuschen

Dass die starre Ausrichtung passiver Konstrukte auch ihre Schattenseiten hat, zeigt die Region Asien-Pazifik. Koch verweist auf die hohe Gewichtung von China in dem entsprechenden Index. Die enttäuschende Entwickung der Aktienmärkte im Reich der Mitte erwies sich somit als Hemmschuh. Findige Fondsmanger, die China untergewichteten, hatten daher leichtes Spiel, den Index hinter sich zu lassen.

Dieser Zusammenhang gilt natürlich auch umgekehrt. So dürfte die Stärke der passiven Fonds, die weltweit anlegen, auch an der hohen Gewichtung des US-Marktes im MSCI World Index liegen. Ob sich die hoch bewerteten US-Aktien aber weiterhin so gut entwickeln werden, bleibt abzuwarten - zumal die amerikanische Notenbank langsam, aber sicher den Fuß vom Gas nehmen will, womit der kräftige geldpolitische Rückenwind bald nachlassen dürfte.

Ein klare Aussage, ob passives Investieren aktiver Geldanlage überlegen ist, lässt sich aus der Studie nicht ableiten. Dafür ist schon der Beobachtungszeitraum zu kurz. Analyst Koch stellt mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre zwar fest, dass die Anzahl aktiver Fonds mit überdurchschnittlicher Entwicklung weiter zurückgeht.

Aktiv und passiv charakterisiert auch den Anleger

Andererseits schaffen es die Champions in den jeweiligen Vergleichsgruppen, ihre passiven Kollegen deutlich hinter sich zu lassen. Die Kategorien aktiv und passiv gelten damit nicht nur für die Fonds, sondern auch für die Anleger. Wer Zeit und Lust für die Geldanlage hat, kann sich eingehend der Auswahl der besten aktiven Fonds widmen, wer möglichst wenig mit dem Thema Investieren zu tun haben will, ist mit passiven Konstrukten gut bedient.
 

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