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25.01.2018 | Energie | Im Fokus | Onlineartikel

Dämm-Möglichkeiten bei doppelwandigen Ziegelmauern

Autor:
Frank Urbansky
3 Min. Lesedauer

​​​​​​​Bestimmte Mauerwerke dämmen von Natur aus gut. Dazu gehören auch doppelwandige Ziegelmauern. Dennoch kann eine zusätzliche Einblasdämmung das energetische Verhalten noch verbessern.

Doppelwandige, oder im Fachjargon zweischalige, Mauerwerke aus Ziegeln wurden insbesondere in der Gründerzeit gern gebaut, sind aber auch in den Jahrzehnten danach nicht unüblich. "Die Konstruktionsweise zweischaliger Außenwände, bestehend aus dem tragenden Mauerwerk, einer Luftschicht und dem Sichtmauerwerk, ist vor allem in Norddeutschland verbreitet. Die energetische Sanierung dieser Konstruktion kann mit einer nachträglichen Kerndämmung bzw. Hohlraumdämmung durch das Einblasverfahren erfolgen. Hierbei bleibt die alte Fassade unangetastet", beschreibt Springer Vieweg-Autor Hardy Dinse auf Seite 373 seines Buchkapitels Sanierung von Fassaden die Möglichkeiten einer Verbesserung der Dämmeigenschaften.

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2017 | OriginalPaper | Buchkapitel

Sanierung von Fassaden

Ausgehend von der geschichtlichen Entwicklung der Errichtung und Gestaltung von Wohnstätten werden im Kapitel "Sanierung von Fassaden" traditionelle und aktuelle Bauweisen und Instandsetzungsvarianten für das "Gesicht des Hauses" betrachtet.


Diese sind ohnehin schon sehr gut. Deswegen herrscht unter Experten keineswegs Einigkeit, ob bei dieser Art von Wänden überhaupt eine Dämmung angebracht ist. Denn bei einer unsachgemäßen Dämmung können große Schäden entstehen.

Kerndämmung geeignet

Das schon erwähnte Einblasverfahren, auch Kerndämmung genannt, kann letztlich dazu führen, dass innerhalb des Mauerwerkes keine Luft mehr zirkuliert. Diese kann dann das dort entstehende Kondenswasser nicht mehr abtransportieren. Das entsteht zwangsläufig zwischen der kalten Außenschale und der wärmeren Innenschale. Feuchtigkeitsschäden bis hin zu Schimmelbildung sind dann vorprogrammiert.

Generell gibt es drei mögliche Varianten, mit dem zweischaligen Mauerwerk umzugehen. Das erste verzichtet auf die Kerndämmung. Dies ist angebracht, wenn das Mauerwerk mindestens 38 Zentimeter umfasst. Dann reichen die natürlichen Dämmeigenschaften des Ziegels aus, um für ausreichende Wärmedämmung zu sorgen. Zwar wären auch hier mit einer Dämmung noch bessere Werte zu erzielen, aber diese wären marginal und kaum wirtschaftlich darzustellen. Das lässt sich viel besser mit effizienter Heiztechnik ausgleichen.

Die zweite Variante geht davon aus, dass nur ein Teil der meist gut zehn Zentimeter umfassenden Luftschicht gedämmt wird. Meist geschieht das mit Hilfe einer vier Zentimeter starken Dämmschicht auf der Außenseite der inneren Schale. So kann die Luft weiter zirkulieren. Allerdings ist dieses Verfahren bei einem alten Bestandsbau so gut wie nicht anzuwenden, da das Mauerwerk dafür komplett freigelegt werden müsste.

Luftschicht komplett verfüllt

Bei der dritten Variante handelt es sich um die schon erwähnte Kerndämmung. Diese ist deutlich besser für Bestandsbauten eignet, die Luftschicht wird vollständig verfüllt. Dazu werden etwa fünf Kernbohrungen je Geschoss und Wandfläche gebohrt und eingeblasen. Geeignet dafür sind Dämmmaterialien wie Polystyrol, Steinwolle und Perlite. Sie müssen einen geringen Durchmesser in der Körnung aufweisen, damit sie sich gut im Bauwerk verteilen. Zudem sind diese Dämmstoffe wasserabweisend. Dadurch wird das Wasser, das sich durch Kondensbildung aus Richtung Außenmauer ansammelt, von der Innenmauer abgehalten.

Eine vierte Variante gibt es noch für Neubauten. Hier wird die Kerndämmung bereits mittels Wärmedämmverbundsystem vorgefertigt, das den Luftraum zwischen Außen- und Innenschale vollständig oder teilweise ausfüllt.

Doch egal, welche Variante – Dämmung ist gerade bei dünnerem Mauerwerk immer effizient. "Die Herstellungsenergie von Dämmung ist um ein Vielfaches geringer als deren Einsparungen in einem üblichen Zyklus von 30 Jahren und mehr. Dämmung benötigt sehr wenig Rohmaterial, denn sie besteht gerade wegen ihrer Dämmwirkung im Wesentlichen aus Luft", beschreibt das Springer Vieweg-Autor Stefan Oehler auf Seite 157 seines Buchkapitels Praxisbeispiel einer ganzheitlichen Sanierung.

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