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05.04.2017 | Fachkräftemangel | Im Fokus | Onlineartikel

Bundeswehr rüstet zum Cyber-Krieg

Autor:
Sven Eisenkrämer

Die deutschen Streitkräfte haben ein neues Kommando für den Cyber-Krieg. Die Bundeswehr kämpft damit aber nicht nur gegen digitale Bedrohungen aus aller Welt, sondern auch innerdeutsch in der Schlacht um Fachkräfte.

284.000 Angriffe gegen Computer und Systeme der Bundeswehr hat es allein in den ersten neun Wochen des Jahres 2017 gegeben, sagt das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg). Die deutschen Streitkräfte sind also längst Ziel von Hackern mit unterschiedlichen Motiven geworden. Weil die Digitalisierung auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft deutliche Auswirkungen hat, rüstet das Verteidigungsministerium mittlerweile auch öffentlichkeitswirksam in diesem Bereich auf. Noch bis zum vergangenen Jahr hielt man sich bei der Bundeswehr eher zurück. Das Kommando Strategische Aufklärung, das laut Springer-Autor Götz Neuneck auch über eine Einheit für Computer-Netzwerk-Operationen (CNO) verfügt, hatte bis vor Kurzem noch gerade einmal 60 Soldaten-Dienstposten zugeteilt ("Krieg im Internet? Cyberwar in ethischer Reflexion" im "Handbuch Friedensethik"). 

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Krieg im Internet? Cyberwar in ethischer Reflexion

Weltweit besteht Sorge, dass das Internet den Status eines stabilen, offenen und friedlichen globalen Kommunikationsnetzes verliert und auch zu einer neuen Domäne der Kriegsführung wird. Cybertools wie Stuxnet zeigen, dass Staaten an offensiven …


In Bonn ist nun das neue "Kommando Cyber- und Informationsraum" (KdoCIR) der Bundeswehr in Dienst gestellt worden. 13.500 Dienstposten wird der neue Organisationsbereich einmal umfassen. Im Jahr 2021 soll die IT-Armee vollständig einsatzbereit sein. Und dafür sucht der Staat seit einigen Monaten händeringend IT-Spezialisten, die in Uniform schlüpfen und in den virtuellen Krieg ziehen wollen.

Werbeslogans auf Plakatwänden

"Projekt Digitale Kräfte" heißt die Kampagne der Militärs, mit der man die Streitkräfte als IT-Arbeitgeber attraktiver machen will. "Wir verteidigen die Freiheit. Auch im Netz." – "Wann darf man Hacker hacken?" – "Wie zieht man gegen Trojaner ins Feld?" – "Cyberabwehr sucht Cyber-Abwehrkräfte!" – Diese Werbeslogans der Bundeswehr tauchen mittlerweile deutschlandweit auf Plakatwänden, Litfaßsäulen, LED-Tafeln und natürlich im Internet auf.

Nach Angaben des BMVg hat die Bundeswehr im Jahr 2016 deutlich mehr IT-Fachkräfte eingestellt als noch 2015 – um 25 Prozent ist die Zahl der Einstellungen gestiegen. Auch die Zahl der eingegangenen Bewerbungen von ITlern bei der Armee hat um rund 20 Prozent im Vergleich zum Jahr davor zugelegt. Für 2017 sucht die Bundeswehr zusätzlich 1.000 IT-Soldaten und 800 zivile und militärische IT-Administratoren. Ursula von der Leyens Untergebene kämpfen also mitten in Zeiten des Fachkräftemangels verstärkt im Arbeitsmarkt um Spezialisten.

Deutschland ist nicht auf Risiken vorbereitet

Das Image der starren Struktur, die in der ständig sich im Umbruch befindlichen digitalen Welt eigentlich keinen Raum für die auch im Cyberkrieg benötigten agilen Entwicklungen lässt, ist bei diesem Kampf ein Problem. Brigadegeneral a.D. Friedrich Wilhelm Kriesel und Diplom-Informatiker David Kriesel beschrieben in einem Fachbeitrag zum Cyberwar im Springer-Fachmagazin "Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik", dass Deutschland "auf die Risiken virtueller Angriffe nur sehr unvollkommen vorbereitet" sei.  

Cyberwar ist mit herkömmlichen Denkmustern nicht zu führen – auch nicht in der Defensive." 
Friedrich Wilhelm Kriesel und David Kriesel im Fachbeitrag "Cyberwar" im Springer-Magazin "Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik" (2/2011, Seite 212).

Bundeswehr vernetzt sich mit deutscher Start-up-Szene

Das Verteidigungsministerium versucht deswegen nun auch einen neuen Weg einzuschlagen. So will man in einem Pilotprojekt Start-ups aus der Wirtschaft im neu gegründeten "Cyber Innovation Hub" mit ins Boot holen und Kontakt zur agilen Szene knüpfen. "Wir wollen versuchen, in das Ökosystem reinzukommen", sagte Staatssekretätin Katrin Suder, die im Verteidigungsministerium das Projekt koordiniert und es auf einem Medientag in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin vorstellte. Rund 25 Millionen Euro will der Bund für das "Cyber Innovation Hub" in den kommenden drei Jahren aufwenden. Ziel ist demnach vor allem, zivile Erfindungen wie Software mit Künstlicher Intelligenz oder auch die Blockchain für das Militär nutzbar zu machen. Und natürlich das Image aufzupolieren.

Bundeswehr zur Cyber-Abwehr


Wie Suder kommentierte, sei die Personalfrage beim Thema Cyber-Abwehr "eine Herausforderung für die gesamte Bundesregierung". Die Bundeswehr werde an den Einstellungskriterien schrauben. IT-Soldaten müssten schließlich nicht so fit sein, wie Pioniere, die im Feld Brücken bauen. Und beispielsweise sollen Studienabbrecher aus dem IT-Sektor auch ohne Bachelor-Abschluss Zugang zu höheren Laufbahnen im Militär bekommen können.

"Wir werden über Geld reden müssen"

"Und wir werden auch über Geld reden müssen", sagte Suder. Dabei liegen die mittleren IT-Gehälter in der freien Wirtschaft nicht einmal so deutlich über dem Sold im Staatsdienst. Laut dem Internetportal gehalt.de ist zum Beispiel der Mittelwert der Gehälter in der IT-Sicherheit bei etwas über 68.000 Euro Bruttojahresverdienst festgemacht. Ein 35-jähriger, zweifacher Familienvater würde in der Steuerklasse III damit rund 3.700 Euro Netto im Monat verdienen. Ein 35-Jähriger Offizier (Hauptmann) beim Bund bekäme laut Besoldungsbeispiel der Bundeswehr nahezu gleich viel. Die Spitzenpositionen in der Wirtschaft sind allerdings deutlich höher dotiert.

Beim Militär muss zudem jeder Soldat – egal ob im Panzer oder am PC – auch damit rechnen, in den Krieg ziehen und Menschen töten zu müssen. Per realem Schuss aus einer Kanone oder in Zukunft auch virtuell mit einem Mausklick. Diesen Aspekt bringt die Kampagne "Projekt Digitale Kräfte" so nicht aufs Papier. Genau so wenig, dass die Bundeswehr als Armee den Cyber-Krieg nicht nur defensiv, sondern (bei entsprechendem Bundestagsmandat) auch offensiv führen können wird. 

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