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24.04.2020 | Investmentbanking | Im Fokus | Onlineartikel

Wann die Erholung einsetzt

Autor:
Christian Kemper
2:30 Min. Lesedauer

An den internationalen Börsen herrscht weiterhin der Ausnahmezustand. Investoren geben das Jahr 2020 bereits verloren. Die ersten Prognosen gehen von einer zähen Rezession nach der Corona-Krise aus. Für die weitere konjunkturelle Entwicklung gibt es vier Szenarien.

 

Die Corona-Pandemie hat die wichtigsten Volkswirtschaften der Welt in eine Rezession gestürzt. In China und in den USA erwarten Analysten drastisch sinkende Bruttoinlandsprodukte (BIPs). Auch für Europa mussten sie die Vorhersagen für das Jahr 2020 nach unten korrigieren. 

Noch dramatischer sieht die konjunkturelle Prognose für Großbritannien aus, warnt Shamik Dhar, Chief Economist der Bank of New York Mellon. Obwohl die Aktienmärkte die Folgen der Corona-Pandemie bislang vergleichsweise gut verkraftet hätten, sei die Volatilität derzeit sehr hoch. Investoren sollten daher ihre Risikolevel überprüfen und gegebenenfalls anpassen, rät Dhar. Dies sei die Zeit für ein aktives Portfoliomanagement, möglichst mithilfe von Absicherungsinstrumenten.

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Studien zu den wirtschaftlichen Auswirkungen von Epidemien rekurrieren zumeist auf die Effekte, die direkt aus einer Reduzierung des Arbeitsangebots durch höheren Krankenstand und durch krankheitsbedingte Todesfälle resultieren. Für die Konjunktur sind aber indirekte Wirkungen, die von Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie oder Verhaltensänderungen der Konsumenten ausgehen, bislang von größerer Bedeutung.

Alles hängt von den Infektionsraten ab

Derzeit agieren die Börsianer unter hohen Unsicherheiten, denn die wirtschaftlichen Aussichten sind mit der dringend nötigen Eindämmung des Corona-Virus verknüpft. Nach dramatisch hohen Fallzahlen in Nordamerika ist laut Tilmann Galler, Kapitalmarktexperte von J. P. Morgan Asset Management, in den kommenden Wochen im Süden des Kontinents mit steigenden Ansteckungsraten zu rechnen. Zeitgleich rolle in Asien, abgesehen von China, eine zweite Welle an. Erst wenn die Infektionsdynamik abnehme und ein Kippen der Kurve erkennbar sei, könnten sich die Volkswirtschaften wieder erholen. So sei in Europa trotz hoher absoluter Fallzahlen bereits eine abnehmende Dynamik erkennbar. 

Erste Erfolge zeichnen sich vorsichtig ab, beobachtet auch Stefan Keitel, Vorsitzender der Geschäftsführung und Chefanlagestratege von Deka Investment. "Die Anzahl der Neuinfizierten geht in fast allen Ländern zurück, darunter in den am stärksten betroffenen Ländern Italien und Spanien", schreibt er in seinem jüngsten Investment Brief. Ein solcher Hochpunkt sei zeitnah auch in den USA zu erwarten. "Die Regierungen und Zentralbanken tun ihr Möglichstes, um die Belastungen abzumildern und für eine konjunkturelle Erholung in der zweiten Jahreshälfte zu sorgen", betont Keitel. Er gehe fest davon aus, dass der wirtschaftliche Einbruch nur von kurzer Dauer sein werde. 

Rezession könnte länger dauern als gedacht

Doch der Verlauf der bevorstehenden Rezession und eine möglicherweise wieder anziehende Konjunktur ist bislang nur unter großer Unsicherheit vorhersagbar. Dazu stehen den Analysten vier Szenarien zur Verfügung:

  1. Die V-Kurve steht für eine zügige Erholung und gilt als unwahrscheinlich.
  2. Die U-Kurve zeichnet einen mittelfristige Anstieg nach und gilt als eher wahrscheinlich.
  3. Die L-Kurve vollzieht eine anhaltende Seitwärtsbewegung und gilt als wahrscheinlich.
  4. Die W-Kurve folgt einem erneuten Absturz mit schneller Erholung und gilt als eher wahrscheinlich.

Welcher dieser Verläufe eintreten wird, hängt von der Dauer des Shutdowns sowie den eingesetzten wirtschaftspolitischen Instrumenten ab, resümiert Henning Vöpel, Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI). "Das steile V lässt sich angesichts der derzeitigen Diskussion nahezu ausschließen", prognostiziert er im Wirtschaftsdienst 4/2020. "Ein ausgeprägtes U ist für den Fall zu erwarten, dass der Shutdown recht bald gelockert und die Wirtschaft stückweise wieder hochgefahren werden kann."

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