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22.02.2016 | Leadership | Im Fokus | Onlineartikel

Das Ende der Master-and-Servant-Kultur

Autor:
Andrea Amerland

Von einem emotional intelligenten Führungsstil können Mitarbeiter in Deutschland nur träumen. Hierzulande bestimmen noch immer Befehl und Gehorsam den Arbeitsalltag. Aber Mitarbeitermotivation funktioniert anders.

Über den richtigen Führungsstil wird in der Management-Literatur viel geschrieben und diskutiert. In der Regel läuft es aber immer wieder auf dasselbe hinaus: Transformationale und situative Führung schneiden zumeist am besten ab, weil sie Vertrauen aufbauen und Mitarbeiter intrinsisch motivieren. Aber Papier ist geduldig. Denn in jedem vierten deutschen Unternehmen regiert noch immer ein autoritärer Führungsstil, so das Ergebnis der Studie "Emotionale Führung am Arbeitsplatz" der Personalberatung Rochus Mummert. Dazu wurden 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland befragt. Der Chef hat also immer recht, die Mitarbeiter sollen einfach nur gehorchen. 

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Ein eher coachender Führungsstil wird immerhin in 23 Prozent der Firmen praktiziert, ist allerdings noch immer nicht die Regel, obwohl ein Umdenken durch die sich verändernden Arbeitsbedingungen dringend notwendig wäre. 

Die Führungsspitze muss einerseits für andere auf neue Weise Orientierung geben, indem sie auf indirekte, aber wirkungsvolle Art die Zustimmung aller Beteiligten sichert. Sie muss andererseits auch für sich auf neue Weise Orientierung finden, indem sie bei schwierigen Entscheidungen (Komplexität, hohe Risiken und ethische Dilemmata) die Musterwahrnehmung der Einzelnen durch offene Gespräche in einem erweiterten Kreis, der eventuell das ganze Unternehmen einbezieht, bündelt", definieren Bernd Sprenger und Till Novotny "Neue Anforderungen an die Unternehmensführung". (Seite 44)

Containmentfunktion der Manager

Die Springer-Autoren betonen, wie wichtig die Containmentfunktion als Führungsaufgabe inzwischen ist. Manager sollten demnach emotional souverän mit Unüberschaubarkeit und Druck umgehen können, um den Stakeholdern im Unternehmen Zuversicht und Orientierung zu vermitteln. Diese Aufgabe habe natürlich mehr mit der Fähigkeit zu tun, mit Menschen umzugehen, als mit jeder Form technischer Skills. "Das heißt für die Führungsspitze: Sie muss [...] mit sich selbst auf neue Weise umgehen, indem sie ihre Zusammenarbeit auf einer Metaebene reflektiert und Sinnhaftigkeit generiert", so Sprenger und Novotny weiter. Daraus leiten die Springer-Autoren sieben Anforderungen an Führung ab, die sie unter folgenden Schlagworten zusammenfassen:

  1. Führung ohne Durchsetzbarkeit: erfordert die Entwicklung von Leadershipqualität
  2. Verantwortung ohne Beherrschbarkeit: erfordert die Fähigkeit, aus einem über das eigene Ressort hinausgehenden Verantwortungsbewusstsein zu agieren
  3. Vertrauen ohne Ähnlichkeit: erfordert die aktive Sicherung des personalen Vertrauens
  4. Scheitern ohne Entmutigung: erfordert das gezielte Eingehen von Risiken
  5. Wertebewusstsein ohne Weltfremdheit: erfordert gemeinsame Gespräche zur Klärung von Werten
  6. Innere Stabilität ohne Erstarrung: erfordert genügend Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung
  7. Zentriertheit ohne Egozentrik: erfordert genügend Rückhalt in einem individuellen Lebens- und einem gemeinsamen Arbeitssinn

Derzeit sei die Spitzengruppe der excellenten Vorbilder noch klein, die Erfüllung der beschriebenen Anforderungen an die Unternehmensführung gehöre aber nicht in das Reich der Utopien. Insofern besteht noch Hoffnung, dass in deutschen Unternehmen der Kasernenton irgendwann einmal Geschichte sein wird.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Thorsten Pelka, zum Zeitpunkt des Interviews EMEA Direktor Consulting
Quelle:
Führungspersönlichkeiten und ihre Erfolgsgeheimnisse

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