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10.01.2022 | Reporting | Gastbeitrag | Onlineartikel

Die nicht-finanzielle Berichterstattung wird digital

Autor:
Dr. Markus Kreher
3 Min. Lesedauer

Die Anforderungen an die nicht-finanzielle Berichterstattung aufgrund zahlreicher neuer Vorschriften steigt. So verpflichtet die EU-Taxonomie-Verordnung Unternehmen künftig, den Anteil an Umsatz, Investitionen und Betriebsausgaben offenzulegen, der auf nachhaltiges Wirtschaften entfällt.

Im Rahmen des European Green Deals sollen künftig mehr Investitionen in nachhaltige Projekte und Aktivitäten gelenkt werden. Die Leitplanken dafür gibt EU-Taxonomie. Doch die kurzfristige Einführung mit zum Teil noch undefinierten aber komplexen Umsetzungskriterien sowie das hohe Ambitionslevel der Kriterien stellt Unternehmen vor diverse Herausforderungen. Wie komplex das EU-Taxonomie-Assessment für die Unternehmen ist, hängt von ihrer Größe beziehungsweise dem Umfang ihres Produktportfolios ab. Je diversifizierter das Portfolio ist, desto umfangreicher und vielschichtiger sind die Implikationen der EU-Taxonomie.

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01.04.2020 | Unternehmenssteuerung | Ausgabe 3/2020

Nachhaltigkeit systematisch steuern

Es besteht ein zunehmendes Stakeholder-Interesse an einem kompakten Reporting nichtfinanzieller Aspekte. Für Unternehmen folgt daraus die Notwendigkeit der Steuerung entsprechender Kennzahlen. Wie sich ein System nichtfinanzieller Kennzahlen aufbauen und einsetzen lässt, zeigt eine Studie am Beispiel großer Sparkassen.

Digitalisierung und Automatisierung werden unumgänglich

Die Verordnung führt erstmals zu einer Verknüpfung finanzieller Informationen mit nicht-finanziellen Kriterien. Insofern kann die EU-Taxonomie als Game Changer verstanden werden. In diesem Kontext rückt der Grad der Automatisierung sowie Digitalisierung in der nicht-finanziellen Berichterstattung für viele Unternehmen in den Fokus. Laut einer KPMG-Studie nutzen aktuell noch zwei Drittel der Unternehmen manuelle Prozesse. Angesichts der Komplexität, der Vielschichtigkeit und der zunehmenden Relevanz der nicht-finanziellen Berichterstattung sind weitere Investitionen in die Digitalisierung jedoch unumgänglich. 

Im ersten Schritt sollten Unternehmen die erforderliche Datenarchitektur und nötigen Datenflüsse definieren. Gerade mit Blick auf nicht-finanzielle Daten ist es häufig notwendig, weitere Systeme zu betrachten und gegebenenfalls anzubinden. Hierbei ist insbesondere die spätere Prüfbarkeit der zugrundeliegenden Systeme zu berücksichtigen. Im zweiten Schritt sollten Unternehmen entscheiden, wie sie die Automatisierung in der nicht-finanziellen Berichterstattung steigern können. 

Laut der KPMG-Studie "Digitalisierung im Rechnungswesen 2021" nutzen sie derzeit vor allem zwei Möglichkeiten:

  1. Die Integration der nicht-finanziellen Berichterstattung in die bestehenden Prozesse des Finanzbereichs: Diese Lösung erlaubt die Nutzung vorhandener Kompetenzen wie der Aufbau und Betrieb eines umfangreichen konzernweiten Reporting-Prozesses, organisatorischer Strukturen wie der Kommunikationskanäle und IT-Infrastruktur. In Bezug auf bestehende IT-Infrastruktur ist es wichtig, die neuen Prozesse und Datenflüsse klar zu definieren: Welche Daten werden für die nicht-finanzielle Berichterstattung benötigt und sind diese bereits vorhanden? Wie werden sie gesammelt und verarbeitet? 
  2. Einen neuen digitalisierten Prozess mit passenden Systemlösungen: In diesem Fall liegt die Herausforderung mitunter in der Abgrenzung neuer Prozesse und Systeme zu etablierten Vorgehensweisen, da es zu diesen oftmals viele Schnittmengen gibt. 

Welche Herangehensweise für ein Unternehmen sinnvoller ist, ist von Unternehmensspezifika abhängig und individuell abzuwägen. 

Ausweitung nicht-finanzieller Berichtspflichten

Auch in Zukunft sind kurz- und mittelfristig wesentliche Erweiterungen in der nicht-finanziellen Berichterstattung zu erwarten. So wurde vor kurzem der Draft zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) veröffentlicht, die künftig die Non-Financial Reporting Directive (NFRD) ablösen soll und die nicht-finanzielle Berichtspflicht auf alle großen Unternehmen ausweiten wird. Ersten Schätzungen zufolge wird die Anzahl der betroffenen Unternehmen verdreißigfacht. 

Zudem hat die IFRS Foundation auf internationaler Ebene mit dem International Sustainability Standards Board, kurz ISSB, ein neues Gremium ins Leben gerufen. Der ISSB soll nachhaltigkeitsbezogene, einheitliche Standards schaffen. Ziel ist es, Investoren und anderen Kapitalmarktteilnehmern Zugriff auf qualitativ hochwertige Informationen über nachhaltigkeitsbezogene Risiken und Chancen von Unternehmen zu ermöglichen und so eine fundierte Entscheidungsfindung zu unterstützen, wie die nachstehende Grafik zeigt:

First Mover verschaffen sich entscheidenden Vorteil

Die wachsenden Informationsbedürfnisse von Investoren, Analysten und anderen Stakeholdern der Unternehmen sowie die zunehmenden regulatorischen Anforderungen und die verstärkte Überwachung der nicht-finanziellen Angaben erfordern einen Wandel der nicht-finanziellen Berichterstattung. Maßnahmen zur Digitalisierung spielen hierbei mit Blick auf Qualität und Effizienz eine wesentliche Rolle. Unternehmen, welche diese Herausforderung zuerst erkennen und sich dieser stellen, können sich hinsichtlich ihrer Prozesseffizienz und ihrer Außenwirkung einen Vorteil verschaffen.

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