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11.05.2016 | Unternehmensgründung | Im Fokus | Onlineartikel

German Angst bremst Gründer aus

Autor:
Michaela Paefgen-Laß
3:30 Min. Lesedauer

Innovative Start-ups sind hip und die europäische Gründerszene fühlt sich in Berlin mittlerweile so wohl wie in  London. Außerhalb der Hauptstadt erlahmt die Innovationsfreude allerdings. Deutsche gründen lieber nicht.

"Denn sowohl der bestehende Wohlstand als auch die hohe Innovationskraft behindern die Umsetzung von neuen Ideen", beklagt die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) in einem Artikel über Start-ups made in Germany. Grund zur Sorge bereitet das wiederholt schlechte Abschneiden von Deutschland im Global Entrepreneurship Monitor (GEM). Das internationale Forschungskonsortium analysiert jährlich die Gründungsprozesse rund um den Globus. Für den in März veröffentlichten Report über die Jahre 2015/16, belegt Deutschland von 62 untersuchten Wirtschaftsnationen in puncto Gründungsmotivation nicht viel mehr als den 54. Platz.

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Einleitung von Prof. Dr. Anabel Ternès – Geschäftsführende Direktorin des International Institute for Sustainability Management (IISM)

Während die Anzahl an Start‐ups weltweit deutlich steigt, ist der erste Eindruck vom Start‐up‐Standort Deutschland kein allzu positiver. Deutschland, entsprechend dem GEM‐Länderbericht 2013 weltweit als Start‐up‐Standort die Nummer 22 (von 26 in

Berlin ist für Gründer "hot"

Dabei zeigt sich Berlin als europäischer Hotspot für innovative Geschäftsideen höchst lebendig und attraktiv. Etwa ein Drittel aller deutschen Unternehmensgründungen finden hier statt. Diese haben im vergangenen Jahr mit 2,1 Milliarden Euro mehr Risikokapital eingesammelt als Gründer in London (1,7 Milliarden Euro), Stockholm und Paris, wie das Handsblatt berichtet. Und trotzdem ist ein deutsches Start-up laut GEM  ein Ereignis mit Seltenheitswert und fallender Tendenz. Denn bezogen auf die Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter, wagen nur 4,7 Prozent die unternehmerische Selbständigkeit. Das sind 0,6 Prozentpunkte weniger als im vergangen Jahr. Und auch ansonsten lässt die Studie tief in den germanischen Pioniergeist blicken:

  • 42,3 Prozent haben Angst vor dem Scheitern
  • 7,2 Prozent haben die Motivation ein Unternehmen zu gründen
  • bei den auf Unternehmertum bezogenen Werten und Normen liegt Deutschland auf Platz 41
  • nur halb so viele Frauen wie Männer machen sich selbstständig (Female/Male Ratio 0,5)
  • bei der Gründerlehre an Schulen liegt Deutschland auf Platz 40
  • bei der Gründerlehre im Anschluss an die Schule auf Platz 49

Gründung ist keine Überlebensstrategie

Dafür, dass im einkommens- und innovationsstarken Deutschland die Neigung zum Unternehmertum so schwach ausgeprägt ist, macht die Bundeszentrale für politische Bildung unter anderem die Überalterung der Gesellschaft verantwortlich. Junge Menschen finden in renommierten Unternehmen ausreichend attraktive Jobangebote. Müssen also gar nicht erst an die Selbstständigkeit denken. Wer den Schritt dennoch in wagt, tut dies wie es bei 78 Prozent der Gründungen in innovationsbasierten Volkswirtschaften der Fall ist, der guten Gelegenheit, nicht  der finanziellen Notwendigkeit wegen. Starterwissen und Coachings zu Chancen und Risiken werden in Schulen und Hochschulen allerdings nur zögerlich vermittelt. Ein weiterer Grund, weshalb der eigene Chefsessel nur dem Mutigen vorbehalten bleibt?

Aber man muss wissen, dass die deutsche Innovationsmentalität eher inkrementelles Wachstum und damit die Verbesserung von bestehenden Produkten, Services, Prozessen und Geschäftsmodellen unterstützt. (Bundeszentrale für politische Bildung)

Die Angst vor dem Scheitern gründet mit

Gründer beleben den Markt, schaffen Arbeitsplätze, beflügeln den Wettbewerb und stärken mit ihren Innovationen die Wirtschaft. Trotzdem: Wer für eine gute Geschäftsidee den sicheren Arbeitsplatz eintauscht muss damit rechnen, dass ihm viel Glück beim Scheitern gewünscht wird. Auf einem Arbeitsmarkt der vielen Chancen, findet die Kultur des Scheiterns keinen guten Nährboden. Scheitern bei Unternehmensgründungen muss als Nebeneffekt aber akzeptiert werden, meinen die Springer-Autoren Claas Triebel und Claudius Schikora. Gründer benötigen also eine hohe Fehlertoleranz. "Fehler erkennen, sie akzeptieren, negative Fehlerfolgen vermeiden und aus dem Fehler so viel lernen, dass man ihn nicht noch einmal begeht: fail again, fail better." (Seite 246).

Risikobereitschaft gehört auch für die Springer-Autoren Oliver und André Pott zu den Grundlagen für erfolgreiches Entrepreneurship. Wer in Deutschland ein Unternehmen gründe gelte gleich als "sehr" risikobereiter Mensch. Gründung und Risiko gehören zusammen, aber: "Für den Unternehmensgründer ist eine zu hohe Risikobereitschaft gefährlich. Optimal ist eine mittlere Ausprägung der Risikobereitschaft" (Seite 30).

Risikopotentiale bei der Unternehmensgründung
finanzielles Risikokann durch Business Angels oder Venture Capitalists gemindert werden
soziales Risikodas soziale Umfeld ist wichtige Stütze und hilft mit Wissen, kostenfrei oder zum Freundschaftspreis
gesundheitliches Risikopotentielle Gründer müssen physischer und psychischer Belastung gewachsen sein, es hilft eine klare Organisation mit festen Zeiten für Familie und Unternehmen


Die Hintergründe zu diesem Inhalt

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Quelle:
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