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08.03.2018 | Bankenaufsicht | Interview | Onlineartikel

"Systemrelevanz ist ein Befund und kein Schuldspruch"

Autoren:
Stefanie Hüthig, Christian Kemper
Interviewt wurde:
Felix Hufeld

ist seit März 2015 Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsausicht (Bafin).

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, spricht im Interview mit Bankmagazin über Stressszenarien in deutschen Geldhäusern, die Small Banking Box und steigende Bürokratie im Bankgeschäft.

Bankmagazin: Herr Hufeld, Deutschlands Kreditinstitute müssen 2018 wieder am europaweiten Stresstest teilnehmen. In den Anfängen dieser Tests konnten Institute noch durchfallen, mittlerweile ist das nicht mehr möglich. Was hat es mit der neuen Methodik auf sich?

Felix Hufeld: Es wäre eine Überraschung, wenn der kommende EBA-Stresstest fundamental neue Ergebnisse liefern würde als die, die wir 2017 bei der nationalen Niedrigzinsumfrage ermittelt haben. Die Stressszenarien sind so gewählt worden, dass sie schwerwiegende Belastungen verkörpern. Klar ist, dass sich das nachhaltige Niedrigzinsumfeld darin widerspiegeln wird. Und je länger dieses Umfeld andauert, wird auch das Zinsänderungsrisiko steigen. Was das für ein einzelnes Institut bedeutet, ist im Vorfeld schwer zu sagen. Bei der Festlegung der europaweiten Stressszenarien gibt es jedenfalls delikate Abwägungen, weil sie unterschiedliche Wirkungen in den Ländern erzeugen können. Dabei ist das Level Playing Field im Auge zu behalten.

Empfehlung der Redaktion

01.01.2018 | Bankmagazin-Gespräch | Ausgabe 2-3/2018

„Systemrelevanz ist ein Befund und kein Schuldspruch“

Felix Hufeld, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, über Stressszenarien in deutschen Geldhäusern, die Small Banking Box und steigende Bürokratie im Bankgeschäft.

Die 1.500 kleinen und mittelgroßen Institute hierzulande, die unter der Aufsicht Ihrer Behörde stehen, leiden besonders unter der verschärften Regulierung. Die Small Banking Box soll ihnen Erleichterung verschaffen. Was dürfen die kleineren Häuser von der Aufsicht in Deutschland und in Europa erwarten?

In der Bundesrepublik gilt die Auffassung, dass der Proportionalität, wie sie in der europäischen Regulierung gemeinhin genannt wird, mehr Geltung verschafft werden sollte. Wir glauben, dass bestimmte Meldepflichten kleine Institute über Gebühr belasten, ohne dass dies unter Risikoaspekten unbedingt erforderlich ist. Einer kleinen Sparkasse, Genossenschaftsbank oder auch privaten Bank, in der noch nicht mal Boni gezahlt werden, sollten nicht die gesamten Ausfüll-, Template- und Papiervorschriften der Institutsvergütungsverordnung auferlegt werden. Keinen Handlungsbedarf sehe ich bei der Eigenkapitalausstattung und den Liquiditätsvorgaben. Sie sind inhärent proportional konstruiert und lösen bei kleineren Instituten mit geringerem Risikoprofil niedrigere Eigenkapitalvorschriften aus. Wir wollen keine Abstriche an der verbesserten Kapitalausstattung hinsichtlich Quantität und Qualität machen. Das ist weder Gegenstand eines Proportionalitätsgedankens noch allgemeiner Proportionalitätsüberlegungen. Die Diskussion im europäischen Kontext hat begonnen, und sie wird wegen der durchaus unterschiedlichen Sichtweisen auch lebendig bleiben.

Ist Systemrelevanz zwingend etwas Schlechtes? Es lässt sich ja auch argumentieren, dass Geschäfte von Banken besser ausfallen, je weiter die Kundenbeziehungen reichen.

Systemrelevanz ist ein Befund und kein Schuldspruch. Und dieser Befund zieht aufsichtliche Konsequenzen nach sich. Wir Aufseher und Regulierer wollen durchaus Anreize schaffen, das Maß an Systemrelevanz zu minimieren. Große, global tätige Institute, die wir auch aus deutscher oder europäischer Perspektive brauchen, werden aber in der Regel — aus der Natur der Sache heraus — ein gewisses Maß an Systemrelevanz haben.

Das komplette Interview mit Felix Hufeld lesen Sie in der Bankmagazin-Ausgabe 2-3 | 2018.

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