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10.12.2021 | Finanzbranche | Im Fokus | Online-Artikel

Vertrieb, ESG und Digitalisierung trieben Banken 2021

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4:30 Min. Lesedauer
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In den vergangenen Monaten haben neue Vertriebstrends, die Nachhaltigkeit und der digitale Wandel Veränderungen in der Finanzbranche vorangetrieben. Ansätze, die es bereits vor der Pandemie gab, haben eine neue Dynamik entwickelt. 

Nach fast 22 Monaten Corona-Krise haben die deutschen Banken und Sparkassen viele altgediente Strategien über Bord geworfen, an neuen, digitalen Vertriebswegen, Produkten und Services gefeilt sowie ESG-Aspekte (Environment, Social, Governance) in ihre Geschäfts- und Risikomodelle einbezogen. Doch an manchen Stellen hakt es mit der Umsetzung. Dabei standen viele Aufgaben bereits vor Ausbruch der Pandemie aufgrund des steigenden Kostendrucks auf der Agenda der Institute. 

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Das durch die Digitalisierung veränderte Kundenverhalten und die Nutzung von Onlinekanälen sowie der damit zusammenhängende Filialabbau gehen in allen Geldhäusern hierzulande voran. Doch an den Geschäftsmodellen und Kostenstrukturen ändert sich überraschend wenig.

Neue Wege der Bankberatung

"Damit unsere Banken auch mittelfristig stabil und rentabel bleiben, werden auch künftig Geschäftsentscheidungen wie die Schließung von Filialen und Fusionen nötig sein", erklärte Bundesbankvorstand Joachim Wuermeling anlässlich der Vorstellung der "Bankstellenstatistik 2020" Ende Juni. Insgesamt sank die Zahl der Zweigstellen um 9,6 Prozent von 26.667 Ende 2019 auf 24.100 zum Ultimo 2020. Als wichtigste Treiber identifizierte die Bundesbank zum einen die Corona-Pandemie als auch umfassende Umstrukturierungen im Großbankenbereich.

Mit welcher Ausrichtung die Präsenz vor Ort künftig punkten muss, um dauerhaft zu bestehen, fasst Barbara Bocks im Bankmagazin zusammen: 

Bankniederlassungen sollten wie ein Marktplatz funktionieren, auf dem Berater ihre Kunden auch über Angebote informieren können, die von Mitbewerbern kommen. Denn das Alleinstellungsmerkmal der Finanzbranche ist nicht das Produkt oder die Dienstleistung, sondern die persönliche Beratung und das Vertrauen in den Berater", schreibt die Autorin im Artikel "Komplexe Beratung findet immer noch persönlich statt" (Ausgabe 11 | 2020). 

Banken brauchen stärkere ESG-Ausrichtung

Neben der vertrieblichen Neuorientierung gehörte 2021 auch die verstärkte Ausrichtung auf ESG-Faktoren zu den zentralen Themen der Geldhäuser. "Grundsätzlich ist Nachhaltigkeit für Banken nicht neu. Sie hat sich inzwischen von der nach innen gerichteten Corporate Sustainability und einer oftmals im Marketing beziehungsweise der Konzernentwicklung angesiedelten Stabstelle zu einem bankweiten Thema entwickelt - inklusive dem nach außen gerichteten Kredit- und Anlageportfolio", erläuterte Friederike Stradtmann, Nachhaltigkeitsexpertin beim Beratungshaus Accenture, im November gegenüber Springer Professional. 

Im gleichen Monat kritisierte allerdings die Europäische Zentralbank in einem Report, dass die von ihr beaufsichtigten Institute die Vorgaben ihres Leitfadens für klimabezogene Risiken noch nicht in ausreichendem Maß umsetzen. Die Branche habe zwar "erste Schritte" zur Steuerung von Klima- und Umweltrisiken unternommen. Dennoch gebe es bei der Risikobeurteilung aller Banken erhebliche Mängel, hieß es zur Begründung. 

ESG wird auf Managementebene vorangetrieben

Wie sich die Branche in Deutschland fit in Sachen Nachhaltigkeit macht, erläutert Stefan Terliesner im Bankmagazin-Beitrag "Institute bekommen Stress mit dem Klima" (Ausgabe 7-8 | 2021): 

Wie wichtig das Thema für Banken, Sparkassen und genossenschaftliche Institute ist, zeigt, dass einige die Nachhaltigkeit aus der Kommunikations- und Marketing-Abteilung herausgenommen und auf der obersten Managementebene angesiedelt haben. Die Etablierung eines Chief Substainability Officers in Banken ist ein klarer Trend", zitiert der Autor Hans-Jürgen Walter, Partner bei Deloitte.

Als positives Beispiel für ein nachhaltiges Geschäftsmodell führen Julian Mertens, Laura Mervelskemper und Theresa Pleye die GLS Bank an. Diese sei, gemessen an der Bilanzsumme, die Ende 2020 gut acht Milliarden Euro betrug, "die größte sozial-ökologische Bank". Zusammen mit dem Frankfurter Unternehmen Right, das Klimametriken für den Kapitalmarkt entwickelt, und dem Wuppertal Institut hat die Bank ein Modell vorgelegt, mit dem sich die Wirkung von Kapitalströmen messen lässt. "Dann können gezielt nachhaltige Strategien für Finanzierung, Investments und Anlagen getroffen werden", erläutern die Springer-Autoren im Buch "CSR in Hessen" auf Seite 327.

Digitaler Wandel und Automatisierung bleiben zentrale Themen

Einen ähnlich hohen Stellenwert wie Nachhaltigkeitsstrategien hat die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung in der Bankenbranche. "Im Finanzdienstleistungssektor sind die Verfügbarkeit der Blockchaintechnologie, die Entwicklung des Online-Handels und das Streben des Handels nach einer zunehmenden bargeldlosen Abwicklung von Transaktionen wesentliche Triebfedern", formuliert es Heinz Benölken im Buchkapitel "Digitalisierung: Weg zum Next-Generation-Banking" (Seite 31).

Wie wichtig die zügige Implementierung entsprechender Tools in die Prozesse der Institute ist, zeigte der Appian Automation Maturity Index, für den im Sommer 2021 insgesamt 500 Bank- und Vermögensverwaltungsexperten zur Automatisierung in ihrer Organisation befragt wurden. Die Studie ermittelte, dass nur 20 Prozent der Banken zu den Leadern in diesem Bereich zählen. 

Diese Vorreiter nutzen bereits innovative oder hochentwickelte Automatisierungstechnologien und haben fast immer auch eine entsprechende Strategie. Sie vernetzen Menschen, Künstliche Intelligenz (KI), Robotic Process Automation (RPA), Workflows, Datenbanken sowie Systeme und Prozesse besonders effektiv miteinander. Von dieser Orchestrierung sollen Kunden wie Mitarbeiter profitieren, geben die befragten Geldhäuser an.

KI-Technologie ist für Bankenbranche zukunftsweisend

"Die aktuellen Einsatzschwerpunkte der KI in Banken liegen in den kundenorientierten Frontoffce-Anwendungen, den prozessorientierten Backoffice-Systemen und den regulatorisch notwendigen Prozessen", beschreiben Lars Friedrich, Andreas Hiese, Robin Dreßler und Franziska Wolfenstetter die Situation der Branche im Buchkapitel "Künstliche Intelligenz in Banken" (Seite 54).

KI-Anwendungen bieten heute das Potenzial für richtungsweisende Verbesserungen des Kundenerlebnisses. Beispiele sind individualisierte Produktempfehlungen und -lösungen sowie eine ständige Erreichbarkeit über Chat- und Talkbots. Zudem kann der Einsatz der KI-Technologien wie die maschinelle Text- und Bildverarbeitung zur Erhöhung des Automatisierungsgrades und somit zu signifkanten Effizienzgewinnen in Backoffice-Prozessen führen. Mit Blick auf die herausfordernde Situation der deutschen Bankenwirtschaft gilt KI somit zu Recht als eine (mit-)entscheidende Zukunftstechnologie für das Gelingen der digitalen Transformation der Banken", fassen die Springer-Autoren auf Seite 61 zusammen.


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