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30.10.2014 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Die Arbeitnehmersuche ist eine digitale Katastrophe

Unternehmen setzen beim Recruiting noch immer stark auf teure Printanzeigen. Die Digital Natives erreichen sie damit nicht. Firmen verschwenden aber auch so viel Online-Potenzial und Geld. Ein Kommentar.

Ein aktuelle Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat ergeben, dass trotz der größten Erfolgsquote bei der Suche über die Beschäftigten des eigenen Unternehmens, kaum jemand Social Media oder die interne Kommunikation als Werkzeug nutzt. Dabei werden Plattformen wie Xing oder Facebook von vielen Beschäftigten genutzt und sind kostengünstiger Reichweitenkanal zur Multiplikation.

Noch erstaunlicher finde ich allerdings, dass nur knapp jedes zweite Unternehmen seine offenen Stellen über die eigene Website promoted. Günstiger geht es nun wirklich nicht. Und auch die Möglichkeit, direkt auf der Unternehmenswebseite eine Stelle ausführlich und emotional zu beschreiben, ist hier ein entscheidender Vorteil. Denn Arbeitssuchende entscheiden sich mehrheitlich nicht rational, sondern emotional für einen Job. Es ist wie bei einer Kaufentscheidung: Die weichen Faktoren müssen stimmen, ein gutes Bauchgefühl sollte entstehen.

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Diese positive Emotionalisierung dürfte mit einer Zeitungsanzeige weitaus schwerer gelingen. Für emotionale Ansprache brauche ich hier viel Platz (z.B. durch eine gute Bildsprache), der wiederum extrem teuer ist. Zudem bin ich in einer Anzeige sehr unflexibel und im ersten Moment auf das Gedruckte beschränkt. Außerdem brauche ich eine recht hohe Frequenz, die ebenfalls teuer ist. Genau das gleiche gilt übrigens für Stellenanzeigen im Internet, die ebenfalls häufig gebucht werden. Hier ist immerhin die Bandbreite an Präsentationsmöglichkeiten besser. Welche aber selbstverständlich teuer erkauft werden müssen.

Der wahre Grund für den immer noch großen Erfolg bei Print

Bezieht man diese Faktoren in seine Bewertung mit ein, wundert einen der hohe Erfolgsquotient dieses Kanals. Meiner Meinung nach liegen die Gründe dafür auf der Hand. Die anderen Instrumente sind häufig ungenügend erlernt, beziehungsweise verstanden, und werden voreilig bei Erfolglosigkeit fallengelassen. Haben Unternehmen mit Print nun alles richtig gemacht? Nein, weil kaum einer verstanden hat, wie symbiotische Kommunikation funktioniert. Viele Personaler arbeiten nach wie vor nicht mit Marketing oder PR zusammen. Dabei ist eine zielgerichtete Kommunikation nicht nur günstiger, sondern auch effektiver. Immer wieder stolpere ich über Personalverantwortliche, die selbst ihre Azubistellen über die Zeitung inserieren.

Warum eine gute Unternehmenskultur starke Arbeitgebermarken macht

Aber es ist nicht nur Unwissenheit über die Nutzung von effektiven Instrumenten, wie dem Internet. Die Ursache für teure und uneffektive Personalsuche liegt viel tiefer. Sie liegt im Unverständnis der eigenen Unternehmenskultur und einer ihr entsprechenden Unternehmenskommunikation, kurz im mangelnden "Employer Branding". Deutsche Unternehmen haben nicht nur aufgrund unserer Demographie wachsende Probleme, die richtigen Leute für sich zu begeistern. Sie stellen sich auch amateurhaft an.

Die Frage, ob der Fachkräftemangel in Deutschland ein Mythos ist, drängt sich auf. Denn solange Unternehmen überwiegend auf alte Werkzeuge wie die Zeitung setzen und damit beispielsweise internetaffine Auszubildende suchen, muss man sich nicht wundern, wenn so viele Stellen unbesetzt bleiben. Und schon gar nicht, wenn man vergisst, die eigene Unternehmenskultur aufzupolieren und zu kommunizieren. Sämtliche Unternehmen müssen begreifen, dass Arbeitnehmersuche Marketingarbeit geworden ist und man alle Möglichkeiten zur authentischen, emotionalen Präsentation nutzen sollte.

Zur Person
Oliver Marquardt ist Geschäftsführender Gesellschafter des Strategischen Kommunikationsbüros Marquardt + Compagnie. Der studierte Kommunikationsdesigner ist geschulter Werbetexter. Mit seinem Team erarbeitet er Kommunikationslösungen für den Mittelstand.

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