Skip to main content
main-content

16.10.2020 | Wirtschaftsrecht | Im Fokus | Onlineartikel

Fehlverhalten kostet Banken Milliarden Euro

Autor:
Angelika Breinich-Schilly
4:30 Min. Lesedauer

Ein aktueller Bericht hat ermittelt, dass den weltweit größten Banken durch Fehlverhalten in ihren Organisationen zwischen 2008 und 2018 ein Schaden von knapp 415 Milliarden Euro entstanden ist. Die Kosten entstanden vor allem infolge von Geldstrafen oder Vergleichen.

Das Centre for Banking Research (CBR) an der Business School der City University of London untersucht mit dem "CBR Conduct Costs Project" die Ursachen, das Ausmaß und die Kosten, die Fehlverhalten in den 20 weltweit führenden Banken verursacht. Das von der Euro-Mediterranean Economists Association (EMEA) mitfinanzierte Projekt soll die Transparenz der Finanzaktivitäten fördern und die Höhe der Verhaltenskosten sowie des Verhaltensrisikos als Analyseinstrument für Banken und ihre Stakeholder bewerten. Zudem bietet es Einblicke in die Kultur, das Verhalten, die Kompetenz und die regulatorischen Risiken von Banken.

Empfehlung der Redaktion

2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wirtschaftskriminalität

Was versteht man unter Wirtschaftskriminalität und welche Deliktstrukturen verbergen sich dahinter? Diesen Fragen wird nachfolgend nachgegangen und ihre Tatstrukturen anhand von kurzen Beispielen erläutert.

Auswertung von Bankdaten der Jahre 2008 bis 2018

Hierfür wurden Daten, die zwischen Januar 2008 und Dezember 2018 bei den untersuchten 20 Großbanken erhoben wurden, im Hinblick auf die Gesamtkosten von Fehlverhalten wie Fehlverkäufe, Geldwäsche und Marktmissbrauch für das jeweilige Institut, geografische Regionen und die gesamte Branche untersucht. Zentrales Ergebnis der Analyse: Bei den Geldhäusern ist in diesem Zeitraum ein Kostenberg von umgerechnet fast 415 Milliarden Euro (377 Milliarden GBP) entstanden. 

Dieser sowohl Geldstrafen, Urteile und Vergleiche gegen die Banken als auch Gewinnausschüttungen, Kosten für den Rückkauf von Wertpapieren zum Nennwert bis hin zu privaten Handlungen, die sich auf Fehlverhalten beziehen. Dabei handelte es sich vor allem um Verstöße gegen die Integrität des Unternehmens, also ein Verhalten, das das Vertrauen in die Bank untergräbt, oder um Versäumnisse im Unternehmensverhalten selbst. 

Im regionalen Vergleich tragen die US-Banken mit insgesamt rund 223 Milliarden Euro (202,5 Milliarden GBP) rund 55 Prozent dieser Kosten und liegen damit an der Spitze. Britische Banken mussten mit umgerechnet 95 Milliarden Euro (86,09 Milliarden GBP) deutlich weniger tief in die Tasche greifen. Doch sie liegen mit ihrem Anteil immerhin noch doppelt so hoch wie ihre Pendants auf dem europäischen Festland, bei denen Kosten in Höhe von rund 45,5 Milliarden Euro (41,31 Milliarden GBP) entstanden sind. Die Schweizer Banken trifft es mit gut 44,2 Milliarden Euro (40,19 Milliarden GBP) am wenigsten stark. 

Digitale Technik trifft auf kriminelle Energie

"Einzelne Personen können mit geringem Aufwand enorme Geldmengen hebeln und umsetzen, was immer wieder zu großen Betrugsfällen geführt hat, welche die betroffenen Banken in eine erhebliche Schieflage gebracht haben", fassen es die Springer-Autoren Arne Manzeschke und Alexander Brink im Buchkapitel "Ethik der Digitalisierung in der Finanzbranche am Beispiel der Finanzdienstleistungen" zusammen (Seite 1408). Darüber hinaus habe die Finanzkrise in besonderer Weise gezeigt, dass die finanzielle leicht in eine wirtschaftliche und von dort in eine staatliche Krise umschlagen kann. 

Gleichwohl zeigt sich am Finanzsektor ein Grundproblem von Digitalisierung und Vernetzung: Die Vulnerabilität der Systeme steigt mit ihrem Vernetzungsgrad und der Geschwindigkeit ihrer Performanz. Für Menschen sind die algorithmisch verfügten Anweisungen für Kaufen und Verkaufen, die von Hochgeschwindigkeitsrechnern exekutiert werden, schon längst nicht mehr nachvollziehbar", so Manzeschke und Alexander Brink . 

Kriminelle Aktivitäten trieben Barings Bank in den Ruin

Wie das Zusammenspiel von Technik und vorsätzlichem Handeln zur Katastrophe führt, zeigt Sabrina Kiszka im Buch "Die Steuerung operationeller Risiken in Kreditinstituten" am Beispiel der Barings Bank. "Er stellt einen der bedeutendsten Fälle in der Bankgeschichte dar", schreibt die Springer-Autorin auf Seite 18. 

Die kriminellen Aktivitäten eines einzigen Mitarbeiters zwangen die Barings Bank 1995 zur Geschäftsaufgabe. Nick Leeson war Händler in Singapur, wo er Arbitragemöglichkeiten zwischen Kursen des Aktienindex Nikkei 225 an den Börsen von Singapur und Osaka ausnutzen sollte. Stattdessen verwendete er die Derivate zu unautorisierten Spekulationen. Durch extrem riskante Geschäfte versuchte er den Gewinn der Bank zu steigern, um dadurch sein Renommee und sein gewinnabhängiges Gehalt zu erhöhen. Daraus entstanden der Bank hohe Gewinne, die nicht das Resultat von risikoarmen Arbitragegeschäften hätten sein können, jedoch erschienen die Abrechnungen und Papiere stets stimmig", beschreibt Kiszka den Sachverhalt.

So habe Leeson fiktive Kunden erstellt, in deren Auftrag er vermeintlich die Spekulationen durchführte. "Möglich wurde dies durch eine fehlende Trennung der Verantwortungsbereiche, die zur Folge hatte, dass Leeson seine eigenen Abrechnungen anfertigen konnte. Lediglich die Gewinne wurden gemeldet, während die Verluste der unautorisierten Geschäfte verschleiert wurden", so die Springer-Autorin. 

Banken haben ethischen Vorbildcharakter

"Banken stehen an der Spitze der globalen Wirtschaft und Gesellschaft, daher ist es wichtig, dass sie sich positiv in ethischer und rechtlicher Hinsicht engagieren", betont Barbara Casu, Direktorin des Zentrums für Bankenforschung und Professorin für Finanzen an der Business School. Das Projekt versuche, historische Daten zu nutzen, "um Unzulänglichkeiten in der Branche aufzudecken". Es biete einen Rahmen für bewährte Verfahren im gesamten Bankensektor. Künftig wollen die Forscher verstärkt auf die europäischen Banken schauen, so Casu. 

Die Forscher gehen mittelfristig von einer Periode politischer und wirtschaftlicher Instabilität aus, die die Banken wieder ins Rampenlicht rücke, wie bereits zur Finanzkrise 2008. Es sei von entscheidender Bedeutung, dass der Sektor in Zeiten der Unsicherheit ein gewisses Maß an Compliance und das Vertrauen der Stakeholder aufrechterhält, heißt es weiter.

Weiterführende Themen

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

Das könnte Sie auch interessieren

Premium Partner

    Bildnachweise