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Über dieses Buch

Der Band skizziert und diskutiert den digitalen Wandel in der Sozialwirtschaft. Internationale Beiträge aus der Praxis und Wissenschaft Sozialer Arbeit sowie dem Gesundheits- und Pflegebereich beschreiben, wie digitale Technologien den Alltag von Beschäftigten und deren Klient*innen prägen (werden). Enorme Chancen und gleichzeitig erhebliche Risiken dieses Wandels werden dabei debattiert, etwa mit Blick auf die Arbeitswelten, Professionen, soziale Teilhabe und daraus abzuleitende ethische Implikationen.

Den Leser*innen bieten sich Praxiseinblicke, wissenschaftliche Analysen, Handlungsempfehlungen und Reflexionspotentiale, um soziale Dienstleistungsarbeit im Heute und Morgen (mit) zu gestalten.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Den digitalen Wandel in der Sozialwirtschaft gestalten

Beschäftigte der Sozialen Arbeit, Gesundheit und Pflege stehen vor Chancen und gleichzeitig Risiken des digitalen Wandels. Technologien in diesen personenbezogenen sozialen Dienstleistungen bringen spezielle Spannungsfelder mit sich, wie etwa soziale Teilhabe und auch Spaltung. Um die Chancen für die Sozialwirtschaft fruchtbar zu machen, sollten daher Beschäftigte wie Adressat*innen systematisch in die Technik-Entwicklungen einbezogen werden, um sowohl Professionskriterien als auch ethischen Implikationen den nötigen Stellenwert zu geben. Diesen Ideen widmet sich der Beitrag und führt inhaltlich in den vorliegenden Band ein.

Carolin Freier

Arbeitswelt sozialer Dienstleistungen im Wandel

Frontmatter

Gestaltung von Interaktionsarbeit und professionellem Handeln bei personenbezogener Dienstleistungsarbeit zwischen (digitalisierter) Formalisierung und Selbstorganisation

Soziale Dienstleistungen sind personenbezogen, d. h. Arbeit an und mit Menschen – Interaktionsarbeit. Für gute Arbeit und zum Umgang mit Offenheit und Unplanbarkeit in Dienstleistungsprozessen bedarf es Spielräumen zur Selbstbestimmung und Selbstorganisation, die durch moderne Formalisierungsprozesse (Ökonomisierung, Digitalisierung) gefährdet werden. Zur Bewältigung dieser Problematik werden Gestaltungsempfehlungen präsentiert, die sich u. a. an von Selbstorganisation gekennzeichneten modernen Arbeits- und Organisationsmethoden, den agilen Methoden, orientieren.

Marc Jungtäubl

Akzeptanz und Nutzung digitaler Technologien in der Sozialen Arbeit

Basierend auf einer deutschlandweiten quantitativen Befragung wird im Beitrag der Stand und die Akzeptanz der Digitalisierung in der Sozialen Arbeit dargestellt. Es zeigt sich, dass der Einsatz digitaler Technologien verbreiteter ist als häufig angenommen wird. Er wird von Beschäftigten überwiegend als positiv eingeschätzt. Insbesondere für die Koordination und Organisation von Arbeit sowie als Unterstützung bei anfallenden Dokumentationsaufgaben werden digitale Technologien als arbeitserleichternd wahrgenommen. Digitale Technologien könnten dazu beitragen, von den Beschäftigten wahrgenommene Veränderungen der Arbeit im Sozialsektor abzufedern.

Anna-Lena Schönauer, Katrin Schneiders, Fabian Hoose

Divergierende Perspektiven: Disziplinäre Deutungsmuster in der digitalen Gestaltung für Handlungsfelder der Sozialen Arbeit

Im wissenschaftlichen Diskurs erscheinen partizipative Entwicklungsprojekte, die die im Feld Sozialer Arbeit bestehenden Bedarfe unter Einbeziehung aller Akteure berücksichtigen, als Norm. Unter dem Radar der Wissenschaft wird jedoch die Repräsentanz von Nutzungsbedarfen zwischen pädagogischen Fachkräften und IT in Digitalisierungsprojekten von Fall zu Fall ausgehandelt. Dabei entstehende Divergenzen im Blick darauf, was ein nutzerorientiertes Tool definiert, stellt dieser Beitrag am Fall eines Digitalisierungsprojekts im Übergangssystem vor. Gründe hierfür rekonstruiert er mit Blick auf die bereits in der Ausbildung von Sozialarbeiter*innen und IT-Entwickler*innen divergierende Perspektive auf Digitalisierung.

Annemarie Matthies

Vermessene Expert*innen. Nebenwirkungen staatlicher Steuerung im Bildungs- und Sozialbereich

Verwaltungen steuern auch im Sozial- und Bildungsbereich immer häufiger durch Kennzahlen. Da diese die Realität nur unterkomplex abbilden und sich meist an messbaren, sprich finanziellen Aspekten orientieren, kann es zu nicht-intendierten Effekten in der Leistungserbringung kommen. Anhand zweier exemplarischer Falldarstellungen zeigt das Forscherteam auf, dass pädagogische Werthaltungen durch ökonomische Überlegungen verdrängt werden.

Kathrin Jehle, Marc E. Zimmermann, Karin Büchel, Barbara Bonhage

Soziale Arbeit

Frontmatter

Digitalisierung im Studium der Sozialen Arbeit: Bildung in der digitalen Transformation

Angesichts der durch die Corona-Pandemie vorangetriebenen Digitalisierung des Studiums der Sozialen Arbeit wird im vorliegenden Beitrag nach den Herausforderungen für den Bildungsauftrag der Hochschulen für angewandte Wissenschaften gefragt. Hierbei werden drei Rahmenbedingungen näher beschrieben: 1) Die digitale Transformation der Gesellschaft hat für die Adressat*innen der Sozialen Arbeit mitunter gravierende Folgen. 2) Das Substituierbarkeitspotenzial der Profession Sozialen Arbeit durch digitale Technologie ist vergleichsweise gering. 3) Auf die Digitalisierung bezogene Kompetenzen sind bei Studierenden generell eher gering ausgeprägt. Diese Befunde bedingen mehrere grundlegende Perspektivenwechsel, die auf die Notwendigkeit einer mehrperspektivischen und intensivierten Bildung in der digitalen Transformation im Hochschulkontext verweisen.

Martin Nugel

Wie ist Soziale Arbeit als Ermöglichungsprofession zu verstehen und wie wird insbesondere Psychosoziale Beratung durch virtuelle Lehre vermittelbar?

Mithilfe empirischer Forschung und wissensbasierter Erfahrungen als Studiendekan eines virtuellen Fernstudienganges im Bereich „Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit“ M.A. an einer staatlich anerkannten privaten Hochschule werden Chancen wie Herausforderungen für die virtuelle Lehre und das Studium Sozialer Arbeit skizziert und fünf Merkmale virtueller Lehrveranstaltungen zusammengetragen, deren Beachtung dazu beitragen, die gesteckten Ausbildungsziele zu erreichen und die Qualität der Lehre mit Blick auf die berufliche Praxis sozialer Dienstleistungsarbeit weiterzuentwickeln.

Jan V. Wirth

Onlineberatung – Herausforderung an fachliche Kompetenzen und Organisationsstrukturen

Im Zuge der digitalen Transformation verändert sich kommunikatives soziales Handeln. Mediatisierte Alltagswelten erfordern von den Akteur*innen Sozialer Arbeit neue Zugänge zur Lebenswelt der Adressat*innen. Am Beispiel der Onlineberatung werden notwendige und reflexive Kompetenzen sowie organisationale Bedingungen beschrieben, die für eine internetbasierte Beratung respektive Soziale Arbeit erforderlich sind. Eine lebensweltorientierte soziale Onlineberatung kann neben einer größeren Flexibilität für Beratungsfachkräfte insbesondere für Ratsuchende zu einer zeitnahen und individualisierten Hilfeleistung führen, die ihre Autonomie stärkt – vorausgesetzt die Möglichkeiten der Onlineberatung werden fachlich kompetent und organisatorisch netzwerkorientiert genutzt.

Richard Reindl, Emily Engelhardt

Schwer auffindbare Beratungsangebote in der psychosozialen Onlineberatung

Onlineberatung kann für Ratsuchende in schwierigen Lebenssituationen eine große Entlastung und Unterstützung darstellen. Das Matching jedoch zwischen qualitativ hochwertigen Onlineberatungs-Angeboten und Menschen, die im Internet nach Hilfe suchen, ist verbesserungswürdig. Neben der Beleuchtung von Angebot und Nachfrage, liegt der Schwerpunkt des Artikels auf der Auffindbarkeit dieser Beratungsmöglichkeiten. Aus der detaillierten Sicht auf drei exemplarische wissenschaftliche Untersuchungen werden mögliche Werbestrategien für eine deutlichere Sichtbarkeit entwickelt.

Sigrid Zauter, Robert Lehmann

Digitale Transaktionen in der sozialen Dienstleistungsarbeit – Potential und Herausforderungen der Blockchain-Technologie für das Sozialwesen

Der Beitrag stützt sich auf eine interdisziplinäre Forschungsarbeit der Hochschule Luzern. Mithilfe einer Fallstudie wurden sowohl die technische Umsetzung als auch der mögliche Nutzen der Blockchain-Technologie untersucht. Die Resultate dieser Fallstudie dienten als Anhaltspunkt für weitergehende Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen für den Sozialbereich.

Marc E. Zimmermann, Tim Weingärtner

Wie kann die Digitalisierung die Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit voranbringen?

Neben der Herausforderung der Digitalisierung wird in den letzten Jahren innerhalb der Sozialen Arbeit vermehrt auch die Frage nach der Wirksamkeit der Angebote und Maßnahmen gestellt. Im Rahmen des Beitrages sollen beide Zukunftsthemen verbunden werden und in Denkanstößen dargestellt werden, wie die Digitalisierung die Wirkungsorientierung in der Sozialen Arbeit voranbringen kann.

Sebastian Ottmann

Die Computerunterstützte Analyse Sozialwissenschaftlicher Texte – Ergebnisse des Forschungsprojekts „Casotex“

Ein Datensatz aus mehreren deutschsprachigen Onlineberatungsforen wurde mit verschiedenen maschinellen Lernverfahren untersucht. Dabei können unüberwachte Lernverfahren nur in Bezug auf die linguistische Gestaltung der Beiträge relevante Ergebnisse zeigen. Überwachte maschinelle Lernverfahren zeigen ein sehr großes Potenzial zur Klassifikation von Textstellen analog zur qualitativen Inhaltsanalyse. Damit eignen sich maschinelle Lernverfahren prinzipiell für die qualitative Analyse großer Textmengen, wie sie z. B. in der Onlineberatung vorliegen.

Robert Lehmann, Jens Albrecht, Sigrid Zauter

(Sozial-)Pädagogische Methoden und digitale Medien

Frontmatter

„Schreib’ ich da eigentlich wirklich mit jemandem…?“

Chancen und Grenzen von Online-Trainings mit Jugendlichen

Anhand eines von Drudel 11 e. V. entwickelten digitalen Trainings zum Abbau von Gewalt und Hass beleuchtet der Beitrag grundlegende Gestaltungsprinzipien wie Interaktivität, Multimedialität und Gamification. Insbesondere geht es dabei um die Frage, welche Rolle dem Beziehungsaspekt bei der pädagogischen Arbeit im digitalen Raum zukommt. Neben konzeptionellen Überlegungen auf der Basis von zentralen Forschungsergebnissen zu Online-Interventionen bündelt der Beitrag Praxiserfahrungen aus einer fünfjährigen Entwicklungs- und Erprobungsphase.

Daniel Speer, Andreas Prokop

Online-Beratung Jugendlicher in Japan

Im Jahr 2016 bot das Zentrum für Geschlechtergleichstellung der Stadt Sapporo erstmals Chat-Beratung an. Der Beitrag analysiert die Bedeutung dieses Projektes vor dem Hintergrund der bisherigen Entwicklung der Online-Beratung in Japan und des Alltags Jugendlicher aus beratungsmethodischer und genderspezifischer Perspektive. Er schließt mit einer kurzen Skizze hervorstechender Ähnlichkeiten und Unterschiede im Vergleich zur deutschen Online-Beratung.

K.-Ulrike Nennstiel

Spielerisch Motivation verstärken – Gamification in Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit

Gamification meint den Einsatz von analogen oder digitalen Spiel-Design-Elementen in spielfremden Umgebungen. Ziel des Prinzips ist es, den Spieltrieb der Nutzer*innen zu aktivieren, um sie für bestimmte Aktivitäten oder Verhaltensweisen zu motivieren. Es existieren keine One-Size-Fits-All-Lösungen für alle Nutzer*innengruppen, Kontexte und motivationalen Probleme. Gamification in der Sozialen Arbeit muss deshalb ein funktionierendes Arrangement zueinander passender Spiel-Design-Elemente bieten und gleichzeitig die personellen sowie kontextuellen Faktoren in den unterschiedlichen Handlungsfeldern berücksichtigen.

Benjamin Löhner

Politische Sozialisation online: Wie gehen Jugendliche mit rechtsextremen Social-Media-Inhalten um?

Digitalisierung bietet nicht nur die Chance, soziale Dienstleistungen durch Zuhilfenahme von Technik weiterzuentwickeln, sondern birgt Risiken, mit denen die Soziale Arbeit konfrontiert ist. Die qualitative Interviewstudie beleuchtet den Umgang Jugendlicher mit rechtsextremen Social-Media-Inhalten. Angesichts der Allgegenwärtigkeit sozialer Medien sind diese Erkenntnisse nicht nur für die politische Bildung von Bedeutung. Vielmehr können Fachkräfte in der gesamten Jugendarbeit aufgrund entsprechender Inhalte mit der Herausforderung konfrontiert sein, ihrer ethischen Verantwortung gerecht zu werden.

André Dörfer

Retweeten genügt? Queer_Feministische Interventionen Sozialer Arbeit auf Twitter

Zunehmende Digitalisierung schafft neue Möglichkeiten für die Entwicklung queer_feministischer Interventionen Sozialer Arbeit, die sich als zielgerichtetes, begründetes und theoriegeleitetes Eingreifen in die Vergeschlechtlichungs- und Sexualisierungsprozesse darstellen. Die in diesen Einrichtungen tätigen Sozialarbeitenden nehmen sich der digitalen Welt an, in dem sie z. B. Social-Media wie Facebook, Instagram oder Twitter als Kommunikationsplattformen nutzen. Im Beitrag wird auf Twitterbeiträge und -aktivitäten exemplarisch ausgewählter sozialer Organisationen eingegangen. Die Twitteraktivitäten lassen sich als digitale Interventionen der Makrosozialarbeit verstehen, da die Interventionen über den Einzelfall hinausgehen, eine (Twitter)öffentlichkeit erreichen und sich in die Diskurse einmischen. Im Rahmen des Beitrags werden die Spannungsfelder –Makrosozialarbeit 2.0, queer_feministische sozialarbeiterische Interventionen, Twitter als Wirkungsbereich Sozialer Arbeit diskutiert, die die weitere methodologische Vorgehensweise in der empirischen Studie „Gendersensible Interventionen von Sozialarbeitenden im Netz“ strukturieren.

Anna Kasten

Gesundheit und Pflege

Frontmatter

Trialog im Netz – Aufbau einer bundesweiten Online-Beratungsplattform: Chancen für Vernetzung und Verbreitung rund um das Thema Genesungsbegleitung

Trialog im Netz ist eine Online-Beratungsplattform rund um das Thema Genesungsbegleitung. Die Idee zur Plattform entstand im Kontext der bundesweit verbreiteten Ausbildung von Psychiatrieerfahrenen zu EX-IN Genesungsbegleitenden. Mit Fördermitteln des BMBF entstand ein Internetauftritt mit vielen wissenswerten Fakten und Erfahrungsberichten. Darüber hinaus gibt es ein Austauschforum, eine Mailberatung sowie eine Stellenbörse.

Christel Baatz-Kolbe, Sigrid Zauter

Implementierung eines sensorbasierten Sicherheitssystems im häuslichen Umfeld – Barrieren, Chancen und Risiken

Für einen möglichst selbstbestimmten und sicheren Verbleib im eigenen Wohnumfeld erfahren sensorbasierte Sicherheitssysteme aus dem Bereich Ambient Assisted Living (AAL) zunehmend Akzeptanz bei den unterschiedlichen Nutzer*innengruppen. Beim Einsatz in begleiteten Wohnformen ergeben sich u. a. für das Fachpersonal Fragen zur Integration in (sozial-)pflegerische Handlungsabläufe sowie Reflexionsbedarfe für und mit primären Nutzer*innen (Bewohner*innen) hinsichtlich ethischer Abwägungen zwischen Sicherheit, Privatheit und Kontrolle.

Barbara Weber-Fiori, Johannes Steinle, Lilli Bauer, Maik H.-J. Winter

(Innovatives) Digitales berührungsloses (Bedside-)Monitoring in der stationären Pflegeversorgung – empirische Ergebnisse zunächst aus pflegewissenschaftlicher Perspektive am Beispiel des GUARDIAN-Projektes

Im Kontext des BMBF-geförderten Projektes GUARDIAN wird ein digitales berührungsloses, radargestütztes Monitoring-System entwickelt. Ziel ist es, dass sowohl prozessuale Informationsflüsse stärker an den Bedarfen im pflegerischen Tun orientiert werden können als auch die Mensch-Technik-Interaktionen in intra- und interprofessioneller Weise zu befördern. Vor diesem Hintergrund wurde im Sinne eines soziotechnischen Systems zunächst aus pflegewissenschaftlicher Sicht die erwartete Einschätzung der Systemwirkungen im Lichte des Kompetenzmodells von Benner qualitativ befragt.

Christian Heidl, Julia Maria Hofmann, Regina Prenzel, Christine Fiedler, Jürgen Zerth

Digitale Technik in der Pflege als Generallösung? Neue Perspektiven auf altersgerechte Assistenzsysteme

Aufgrund fehlender Informationen zu tatsächlich eingesetzten digitalen Assistenztechniken in der ambulanten und stationären Pflege sind die Auswirkungen auf die Pflegepraxis und Pflegepersonal dieser Systeme weitestgehend unerschlossen. Das Projekt DAAS-KIN (Diffusion altersgerechter Assistenz systeme – Kennzahlenerhebung und Identifikation von Nutzungshemmnissen) untersucht mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes (Fragebogen, Experteninterviews, Wertbaumanalyse) Verbreitung, Reaktion und Auswirkung digitaler Assistenzsysteme sowie potenzielle Nutzungs- und Diffusionshemmnisse.

Ulrike Scorna, Deborah Frommeld, Sonja Haug, Karsten Weber

Technik, Pflege und prozessorientierte Organisationsentwicklung: Nachhaltige Implementierung durch gezielte Bildungsmaßnahmen

Im BMBF-geförderten Projekt Pflegepraxiszentrum (PPZ) Nürnberg (FK: 16SV7898) werden in fünf Pflegesettings der Einsatz moderner Technologien in die pflegerische Versorgung erprobt und Implementierungsbedingungen untersucht.Als erstes Ergebnis einer Vignettenstudie zeigt sich, dass personale Widerstände zur Implementierung technischer Innovationen stark unter dem Aspekt des eigenen Einflusses auf den technischen Prozess bewertet werden. Dieses Ergebnis wird hinsichtlich der pädagogischen Konsequenzen nach der Strukturmatrix zur Organisationsanalyse und -entwicklung nach (Kühl,.Projekte führen. Eine kurze organisationstheoretisch informierte Handreichung, Springer VS, Wiesbaden, 2016) diskutiert.

Thomas Prescher, Sebastian Müller, Peter Jaensch, Michael Schneider, Jürgen Zerth

Soziale Teilhabe und Autonomie

Frontmatter

Datafizierung, Daten(quellen) und die (Re)produktion digitaler Ungleichheiten in Schule und Schulsozialarbeit

Der Beitrag weist auf die Zusammenhänge zwischen der (Re)Produktion digitaler Ungleichheiten und zunehmender Datafizierung im Kontext Schule sowie Schulsozialarbeit hin. Dabei werden pädagogische sowie technische Herausforderungen aufgezeigt. Die fortschreitenden Prozesse der Digitalisierung, die Tempoverschärfung durch die Covid-19-Pandemie sowie Learning Analytics als Beispiel für aufkommende Daten(quellen) werden rahmend herangezogen.

Adrian Roeske

Homeless in Cyberspace? Über die digitale Ungleichheit wohnungsloser Menschen

Für den deutschsprachigen Raum ist bisher unbeantwortet, inwiefern wohnungs- und obdachlose Menschen Zugang zu digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien erhalten und wie ihnen diese nutzen. Anders als der Diskurs um die digitale Spaltung nahelegt, zeigt sich in der Verfügbarkeit sowie im Nutzungsverhalten zwischen Menschen mit und ohne Wohnung keine digitale Kluft: wohnungslose Menschen besitzen häufig ein Smartphone und nutzen es in ihrem Alltag. Dennoch ist die tatsächliche, kontinuierliche Verfügbarkeit digitaler Technologien sozial ungleich verteilt (1). Dabei können digitale Technologien die Teilhabe von Menschen ohne eigene Wohnung verbessern (2).

Benedikt Rösch, Frieda Heinzelmann, Frank Sowa

Herzenssache.net – digitale Teilhabe als Chance zum Aufbau analoger sozialer Beziehungen

Bei der Kontakt- und Partnersuche stoßen Menschen mit Behinderung immer wieder auf Barrieren, insbesondere im Bereich der Mobilität. So sehen sie sich häufig gezwungen, sich bei der Partnersuche in ihrem direkten Wohn-/ und Arbeitsumfeld innerhalb einer sozialen Institution zu orientieren. Herzenssache.net eröffnet neue Zugänge, denn durch digitale Teilhabe erlangen Menschen mit Behinderung weitere Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. Herzenssache.net ist sich dieser Verantwortung bewusst und leistet hierzu einen zeitgemäßen Beitrag.

Christel Baatz-Kolbe, Stephanie Stoll, Sarah Bauer

Teilhabechancen von Akademikerinnen und Akademikern mit Schwerbehinderung im Forschungsbetrieb. Empirische Befunde und betriebliche Erfahrungen

Die Chancen von Akademiker*innen mit Behinderung, erfolgreich als Wissenschaftler*innen in deutschen Forschungsbetrieben Fuß zu fassen, sind trotz bestehender bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Leistungsangebote nach wie vor deutlich niedriger als von Personen, die keine Behinderung haben. Neuere Projekte zeigen nun, dass sich die Teilhabeaussichten von Menschen mit Behinderung im Forschungsbetrieb durch digitale Formen der Unterstützung und betrieblichen Arbeitsorganisation verbessern lassen.

Stefan Zapfel, Bartholomäus Zielinski, Bernhard Schrauth

Soziale Teilhabe im Alter technikgestützt fördern – Einblicke in die nutzer*innenintegrierte Entwicklung einer intuitiven Informations- und Kommunikationsapplikation

Die Zunahme an Informations- und Kommunikationskanälen stellt Menschen im höheren und hohen Alter dauerhaft vor die Herausforderung mit „der Zeit zu gehen“. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt PCEICL entwickelte prototypisch eine Applikation, die die Kommunikation sowie Informationsbeschaffung erleichtern und damit soziale Teilhabemöglichkeiten für ältere und alte Menschen im Quartier erhöhen soll. Der Beitrag gewährt Einblicke in die nutzer*innenintegrierte Entwicklung und diskutiert Chancen und Risiken der konzipierten App.

Johannes Steinle, Barbara Weber-Fiori, Maik H.-J. Winter

Chancen und Grenzen einer digitalen Informationsplattform für Menschen mit Behinderungen

Die Homepage des Eingliederungshilfeverbunds Südpfalz bietet für Menschen mit Behinderungen trägerübergreifende, regionale Informationen. Dadurch entstehen Chancen zur Stärkung der Teilhabe und Selbstbestimmung sowie die Vernetzung von Beratenden und Akteur*innen. Grenzen sind Barrieren und Exklusionsrisiken, die Abwägung zwischen Informationsfülle und Übersichtlichkeit sowie die ggf. notwendige persönliche Unterstützung.Insbesondere sind die Voraussetzungen für digitale Teilhabe zu schaffen. Im Hinblick auf Gegenwart und Zukunft sozialer Dienstleistungsarbeit müssen dabei das Zusammenspiel und die Wechselwirkungen zwischen digitalen und analogen Angeboten und Teilhabechancen im Fokus stehen.

Miriam Spieß

Ethische Implikationen

Frontmatter

Virtuelle Lernumgebungen – ethische und anthropologische Überlegungen zu einem sozio-technischen Arrangement

Ausgehend von der These, dass Technik und Soziales immer in einem wechselseitigen Bedingungsverhältnis stehen, präsentiert der Artikel anhand des Beispiels virtueller Lernumgebungen ethische und anthropologische Reflexionen, die als Orientierungshilfen dienen können, um Urteile bezüglich eines ethisch verantwortbaren Einsatzes von VR zu treffen.

Galia Assadi, Arne Manzeschke

Soziale Arbeit in der Perspektive von trans- und posthumanistischen Diskursen

Der Beitrag versucht die bisher wenig bis nicht berücksichtigen Diskurse des Transhumanismus und Posthumanismus auf Fragen und Problemstellungen der Sozialen Arbeit zu beziehen und thematisiert dies vor dem Hintergrund ethischer, methodischer, institutioneller und gesellschaftlicher Herausforderungen im Rahmen der digitalen Transformation. Zur Disposition steht dabei, ob die herkömmliche humanistische Orientierung der Sozialen Arbeit nicht inzwischen zu kurz greift und einer Erweiterung bzw. Neupositionierung mit kritischem Blick auf die benannten Diskurse des Trans- und Posthumanimus bedarf.

Alexander Brunner

Digitalisierung, Flaschensammeln und das Repräsentationsdefizit in der Sozialen Arbeit

Am Beispiel der digitalen, innovierenden Transformation des Flaschensammelns als Phänomen soll der Beitrag aufzeigen, wie soziale Ungleichheiten ohne Kenntnisnahme der Mehrheitsgesellschaft verstärkt werden. Auf der individuellen Ebene gehen damit das Verschwinden von Menschen und ihren Perspektiven einher, die im öffentlichen Diskurs schon jetzt als mehrfach marginalisiert angesehen werden müssen. Das damit verbundene Repräsentationsdefizit können Betroffene auch aufgrund der immer weiter Geschwindigkeit aufnehmenden sozialen, ökonomischen und politischen Umwälzungen nicht mehr ausgleichen. Im Sinne der habermasschen Diskursethik plädieren wir daher für ein neues, aktiveres Selbstverständnis von Sozialarbeiter*innen. So verstandenen digitalen Wandel gilt es nicht nur zu bewältigen. Als aktiv vermittelnde Repräsentant*innen sollen sich Sozialarbeiter*innen vielmehr darum bemühen, sich selbst und damit letzten Endes auch Flaschensammler*innen in diese Prozesse sozialen Wandels stärker zu integrieren und in ihrem Sinne zu verändern.

Florian Engel, Gunnar Plettenberg

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