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21.07.2021 | Nachhaltigkeit | Im Fokus | Online-Artikel

Klimawandel pusht Trend zum nachhaltigen Wirtschaften

verfasst von: Prof. Dr. René Schmidpeter, Christophe Funk

4 Min. Lesedauer
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Hitzewellen, Dürren, Dauerregen und Überschwemmungen zeigen: Nachhaltigkeit ist das neue Managementparadigma erfolgreichen Wirtschaftens. Denn Unternehmen müssen mit dem Risiko Klimawandel umgehen und ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen.

Nachhaltigkeit und Profit sind kein Gegensatz, sondern untrennbare Basis erfolgreichen Unternehmertums. Die aktuellen globalen Diskussionen zum Klimawandel, zur Biodiversität, zur Welternährung sowie zur Rohstoffknappheit zeigen auf, dass das alte Gegensatzdenken zwischen Wirtschaft und Ökologie keine Zukunft mehr hat. Diese Erkenntnis verbreitet sich in der Betriebswirtschaftslehre dank digitaler Medien und mutiger Vordenker, die alte Paradigmen kritisch hinterfragen, rasend schnell. 

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2020 | Buch

CSR und Klimawandel

Unternehmenspotenziale und Chancen einer nachhaltigen und klimaschonenden Wirtschaftstransformation

Dieses Buch gibt einen Einblick, wie die wirtschaftliche Praxis dem Klimawandel entgegenwirken und erfolgreich mit seinen direkten und indirekten Folgen umgehen kann. Die Autoren untersuchen die klimawandelinduzierten Risiken und ihre Steuerung aus betriebswirtschaftlicher Sicht.

Der Klimawandel verändert Unternehmen und Geschäftsmodelle

Die Zukunft unserer Gesellschaft ist mit dem Klimawandel und dessen Folgen verknüpft. Um kommenden Generationen die Möglichkeiten auf ein erfülltes Leben zu bieten, gilt es, diese Herausforderung bereits heute anzugehen und gemeinsam zu meistern. Die Menschheit erlebt in den letzten Jahren vermehrt extreme Wetterphänomene und Naturkatastrophen. Dies ist nicht nur eine Bedrohung für die Gesellschaft und unseren Wohlstand, sondern auch für den Frieden und die internationale Ordnung. Damit die Folgen nicht noch weitere direkte Schäden und indirekte Folgeschäden verursachen, gilt es, nachhaltige Entwicklung und nachhaltiges Management voranzutreiben. 

Aktuell gibt es eine noch nie dagewesene globale Dynamik des nachhaltigen Unternehmertums, die alle Bereiche der Wirtschaft erfasst. Die von den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Jahr 2015 aufgestellten Sustainable Development Goals (SDG), der jüngst veröffentliche Klimabericht des Weltklimarats, dem Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), und das in Katowice vereinbarte Regelwerk zum Pariser Klimaabkommen zeigen, wie Klima und Kapital positiv zusammenwirken und wie ein zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell aussehen kann. 

Klimarisiken bedrohen Unternehmen

Neue Regulierungen, wie etwa die Elektroautoquote in China, die Einführung von autofreien Zonen in Innenstädten weltweit oder die jüngst verabschiedeten EU-Beschlüsse zu strengeren Emissionsgrenzwerten für Pkw, sind nur wenige Beispiele für weltweit mehr als 1.200 klima- oder klimarelevanten Gesetzen. Daneben hält auch der jährliche Global Risk Report vom World Economic Forum fest, dass Klimarisiken, wie auch die damit verbundenen Herausforderungen, die höchste Bedrohung für den Planeten und die Gesellschaft darstellen. Diese Klimarisiken bedrohen Unternehmen nicht nur durch physische Gefährdungen, sondern mögliche Markt- und Technologieverschiebungen. Auch Reputations- und politisch-rechtliche Risiken spielen eine immer größere Rolle.

Internationale Klagen aus aller Welt verdeutlichen die Herausforderungen für Unternehmen. So wurde 2015 ein deutscher Energiekonzern von einem peruanischen Landwirt verklagt. Basis dieser Klage war der CO2 Ausstoß durch den Konzern, der den Klimawandel fördert und dadurch die Lebensgrundlage des Landwirtes bedroht beziehungsweise zerstört. Genauso erging es einem Ölkonzern in Amerika. Dieser wurde von den US-Städten San Francisco und Oakland verklagt. Grund hierfür waren die zukünftigen Schutzmaßnahmen, die Städte bezahlen müssen, da das Unternehmen nachweisbar umweltschädlich wirtschaftet. Ergänzend gab es in den Niederlanden einen ähnlichen Fall. Hier wurde ebenfalls ein Ölkonzern verklagt, da er durch seine Wirtschaftsaktivitäten den Klimawandel fördert und so seiner Sorgfaltspflicht als Unternehmen nicht nachkommen würde.

Klimawandel treibt den Wirtschaftswandel an

Basierend auf den EU-Aktionsplan für einen nachhaltigen Kapitalmarkt werden derzeit kontinuierlich politische Maßnahmen zur Neuausrichtung der Finanz- und Kapitalmärkte gesetzt. Die EU schätzt den Investitionsaufwand auf jährlich rund 180 Milliarden Euro, um die gesetzten Klima- und Energieziele zu errichten. So verwundert es nicht, dass auch die Investoren mittlerweile mit einem auf Nachhaltigkeit orientierten Anlageverhalten reagieren. "Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden alle Investoren die Auswirkungen eines Unternehmens auf Gesellschaft, Regierung und Umwelt heranziehen, um den Unternehmenswert zu bestimmen", schätzt Blackrock CEO Larry Fink.

Diese Veränderungen in Politik und Finanzwelt spiegeln das veränderte Anspruchsdenken beim Kunden hinsichtlich mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit wider. Zahlreiche Studien belegen, dass Kunden Nachhaltigkeit immer öfter als wesentlichen Faktor bei Kaufentscheidungen einfließen lassen. Und bei der strategisch wichtigen Herausforderung, Fach- und Führungskräfte in Zeiten des War for Talents zu gewinnen, zeigen sich nachhaltig aufgestellte Unternehmen deutlich erfolgreicher.

Nachhaltigkeit wird zum größten Werttreiber im Unternehmen. Aktuelle Studien aus Oxford und Harvard zeigen auf, dass das sogenannte Alpha, also die riskoadjustierte Rendite, bei nachhaltigen Unternehmen über dem Marktdurchschnitt liegt und soziale, ökologische und Governance-Kriterien den Unternehmenswert positiv beeinflussen. Somit werden die ökonomischen Anreize immer größer, aktiv den Klimawandel und dessen Folgen zu begegnen. Auf dieser Basisentsteht ein neues Managementparadigma und zugleich neue Billionen-Märkte der Zukunft. Eine Chance, welche immer mehr Unternehmen wahrnehmen wollen, indem sie ihre Strategien und Geschäftsmodelle neu ausrichten.

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