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2022 | Buch

Soziale Innovation im Kontext

Beiträge zur Konturierung eines unscharfen Konzepts

herausgegeben von: Elmar Schüll, Heiko Berner, Martin Lu Kolbinger, Markus Pausch

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

Buchreihe: Zukunft und Forschung

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Über dieses Buch

Der vorliegende Sammelband leistet einen Beitrag zur Konturierung des Konzepts sozialer Innovationen. Das große Interesse, das sozialen Innovationen schon seit einigen Jahren entgegengebracht wird, hat bislang nicht zu einem einheitlichen Begriffsverständnis geführt. Die Beiträge reflektieren die Vielseitigkeit und Vielschichtigkeit sozialer Innovationen und zeigen deren Facettenreichtum und Relevanz für verschiedene Handlungsfelder und Themengebiete. Sie bringen aber auch auf den Punkt, was soziale Innovationen im Kern ausmacht, und beugen so einer Verwässerung und Vereinnahmung des Begriffs vor. Die zwölf Beiträge sind zu drei thematischen Buchteilen gruppiert: Konzeptionelle Aspekte sozialer Innovation, Soziale Innovation und gesellschaftliche Teilhabe sowie Institutionelle, organisatorische und räumliche Aspekte sozialer Innovation.

Der Sammelband wendet sich an Dozierende und Studierende der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, an Führungskräfte in sozialen Organisationen, Angehörige der öffentlichen Verwaltung sowie Innovationsmanager*innen.​

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Konzeptionelle Aspekte sozialer Innovation

Frontmatter
Soziale Innovation und gesellschaftliche Transformationsprozesse
Zusammenfassung
Während die im öffentlichen Diskurs fokussierten sozialen und ökologischen Probleme zunehmend den Ruf nach umfassenden Innovationen laut werden lassen, bleibt der Zusammenhang zwischen sozialen Innovationen und sozialem Wandel ein weitgehend unerforschtes Gebiet. Etablierten Ansätzen zur Analyse und Gestaltung von sozialen Wandlungs- und Transformationsprozessen mangelt es häufig nicht nur an analytischer Klarheit, sondern vor allem auch an einem sozialwissenschaftlich fundierten Konzept sozialer Innovation. Über eine praxisgeleitete, politikorientierte und normative Perspektive hinausgehend ist es erforderlich – so die zentrale These –, soziale Innovationen als analytische Kategorie in der Erforschung von Veränderungsprozessen zu konzipieren und sie als solche systematisch in – vor allem praxistheoretische – Erklärungsansätze für transformativen sozialen Wandel zu integrieren.
Jürgen Howaldt, Michael Schwarz
Zur Normativität sozialer Innovationen
Zusammenfassung
In dem Beitrag werden Neuartigkeit, Intentionalität, Verbreitung und Verstetigung sowie positive gesellschaftliche Folgen als konstituierende Merkmale sozialer Innovationen diskutiert. Dabei wird deutlich, dass inhaltliche und begriffliche Unschärfen bei sozialen Innovationen weniger konzeptionellen Schwächen geschuldet sind, als vielmehr in der Natur der Sache liegen. Neuartigkeit, Intentionalität, Verbreitung und die gesellschaftlichen Folgen von sozialen Innovationen beziehen sich zwar auf empirisch erfassbare, objektivierbare Veränderungen. Ob es sich dabei um eine soziale Innovation handelt, hängt jedoch auch von einer wertenden Einschätzung ab, die in einem bestimmten Kontext, zu einem bestimmen Zeitpunkt und aus einer bestimmten Perspektive heraus vorgenommen wird. Soziale Innovationen sind ein relationales Konzept, deren Neu- und Andersartigkeit, Intentionalität und Verbreitungsgrad erst im Abgleich mit einem ebenfalls in Bewegung befindlichen Kontext ersichtlich wird. Als zentral erweist sich die Frage, anhand welcher Wertmaßstäbe entschieden wird, inwiefern die Veränderung auch eine Verbesserung darstellt. Erst die Bezugnahme auf ökonomische, politische oder künstlerische Wertmaßstäbe erlaubt es, eine Neuerung als ökonomische, politische oder künstlerische Innovation zu bezeichnen. Soziale Innovationen erweisen sich somit, wie Innovationen generell, als ein normatives Konzept.
Elmar Schüll
Soziotechnische Innovationen – vom Wechselspiel sozialer und technischer Einflüsse im Innovationsprozess
Zusammenfassung
Im Rahmen des vorliegenden Beitrages soll aufgezeigt werden, dass eine isolierte Betrachtung von technischen Innovationen ebenso wenig zielführend ist wie eine einseitige Fokussierung auf das Konzept sozialer Innovationen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen sozialer Innovationen ist wichtig. Aber Sie ist als solche nicht zu isolieren. In modernen Gesellschaften sind soziale und technische Innovationen kaum voneinander trennbar. Vielmehr stehen sie in enger Wechselwirkung und beeinflussen sich gegenseitig. Innovationsprozesse sind demnach als soziotechnische Prozesse zu betrachten. Das Wechselspiel von sozialen und technischen Einflüssen ist hierbei als iterativer Prozess zu verstehen. Dies aufzuzeigen, ist zentrales Anliegen des Beitrages. Aufbauend auf einer techniksoziologischen Reflexion sowie der Betrachtung von Innovationen aus Sicht der Innovationsforschung werden Merkmale dieses soziotechnischen Innovationsprozesses herausgearbeitet und an einem Beispiel diskutiert. Der Beitrag widmet sich zudem potenziellen Erfolgsfaktoren soziotechnischer Innovationen und ordnet das soziotechnische Innovationsverständnis in die aktuelle gesellschaftliche Innovationsdiskussion ein.
Axel Zweck, Eva Cebulla
Soziale Innovationen und Vertrauen am Beispiel von Digitalisierung im Bildungsbereich
Zusammenfassung
Technische und technologische Innovationen erstrecken sich mittlerweile in nahezu jeden zwischenmenschlichen Lebensbereich und beeinflussen das soziale Miteinander teils grundlegend. Auch im Bildungsbereich wird inzwischen – nicht zuletzt durch die aktuellen pandemiebedingten Entwicklungen – eine Vielfalt unterschiedlicher Medien eingebunden, die zum einen ein zeitlich und räumlich entkoppeltes Lernen und Lehren ermöglichen und zum anderen ein stärker individualisiertes und selbstorganisiertes Lernen anregen. Technische Innovationen sind damit stets auch gekoppelt mit sozialen Innovationen.
Inka Bormann, Inga Truschkat

Soziale Innovation und gesellschaftliche Teilhabe

Frontmatter
Empowerment und soziale Innovation
Zusammenfassung
Empowerment wird in der jüngeren Literatur verhältnismäßig häufig als Merkmal, Methode oder Ziel von sozialer Innovation angeführt, dies jedoch wenig systematisch und wenig einheitlich. Der folgende Beitrag widmet sich der Verknüpfung der beiden Konzepte „Empowerment“ und „soziale Innovation“.
Heiko Berner
Soziale Innovationen aus der Perspektive der Social Citizen Science
Zusammenfassung
Soziale Innovation bedarf in ihrem Entstehungsprozess nicht zwangsläufig einer Bürgerbeteiligung. Die Beteiligung von Bürger*innen in Forschungsprozessen im Sinne von Citizen Science führt hingegen nicht selten zu sozialen Innovationen. Das Thema Partizipation von Bürger*innen an gesellschaftlichen Forschungs- und Innovationsprozessen erfährt seit einigen Jahren nicht nur einen Aufschwung in der Politik, sondern auch in der Wissenschaft. Citizen Science ist ein prominenter Ausdruck solcher Entwicklungen.
Claudia Göbel, Justus Henke
Zur Akzeptanz sozialer Innovationen in Demokratien
Zusammenfassung
Diffusion ist eine zentrale Anforderung an Innovationen. Erst wenn ein neues Produkt, eine neue Organisationsform oder eine neue Art der Problemlösung breite Anwendung findet, kann von einer Innovation gesprochen werden. Dabei zeigen sich unterschiedliche Wege, um eine solche Diffusion zu erreichen. Diese unterschiedlichen Wege können Zwang, Anpassungsdruck oder Akzeptanz sein. In vielen historischen Beispielen waren autoritäre Maßnahmen wie Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung (Zwang), die Mittel der Wahl der Herrschenden, um für sie günstige Neuerungen wie Gebietseroberungen, Steuereinhebung u.a. durchzusetzen. Anpassungsdruck durch ökonomische oder technologische Innovationen und das Eliminieren anderer Alternativen ist eine weitere, häufig vorkommende Form der Durchsetzung von Innovationen. Seit dem Bestehen der modernen Demokratie bzw. in demokratischem Kontext ist die Akzeptanz als mildere, freiwilligere Form zumindest ein wichtiger normativer Anspruch an die Verbreitung des Neuen. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Neuerung wir mit dem Begriff „soziale Innovation“ bezeichnen.
Markus Pausch
Sparkassen und Genossenschaftskassen als „soziale Innovation“ im 19. Jahrhundert
Zusammenfassung
Wenn heute von Sparkassen oder von Genossenschaftsbanken die Rede ist, dann erscheint die Assoziation mit „sozialer Innovation“ auf den ersten Blick einigermaßen weit hergeholt – allerdings nur in zeitlicher Hinsicht. Mit der Etablierung dieser Institutionen im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden sowohl soziale wie ökonomische Ziele verfolgt, und auch ihre weitere Entwicklung weist einige Merkmale auf, die für Verbreitungsmuster sozialer Innovationen typisch sind. Aus heutiger Sicht kann die Entwicklung dieser Institutionen als dauerhafte Bestandteile des sozio-ökonomischen Finanzierungssystems als Anpassung der ursprünglichen Innovation an sich verändernde Anforderungen gesehen werden.
Christian Dirninger

Institutionelle, organisatorische und räumliche Aspekte sozialer Innovation

Frontmatter
Soziale Innovation in und durch die öffentliche Verwaltung – theoretische Überlegungen und empirische Ergebnisse für Österreich
Zusammenfassung
Effekte zunehmender transnationaler Verflechtungen, die Zunahme von grenzüberschreitenden Krisen sowie die stetige Weiterentwicklung von modernen Technologien stellen jene dynamischen Rahmenbedingungen dar, unter welchen auch öffentliche Verwaltungen agieren und innovativ reagieren müssen. Nach einer kurzen Einführung wird der Begriff der sozialen Innovation theoretisch umrissen und in andere sozial- und verwaltungswissenschaftliche Konzepte eingebettet. Anschließend werden empirische Ergebnisse vorgestellt und diskutiert, welche im Rahmen zweier Surveys im Krisenkontext (Fluchtmigration nach 2015, Covid-19 Pandemie 2020) in Österreich und Deutschland sowie weiterführender Fallstudien erhoben wurden.
Rahel M. Schomaker, Christina A. Lobnig, Carsten Deckert
Räumliche Dimensionen sozialer Innovation
Zwischen lokaler Dynamik und Multiskalarität
Zusammenfassung
Soziale Innovation wird meist als lokales Phänomen verstanden. Die Betonung des Lokalen als Ort sozialer Innovation und der Bottom-up-Dynamik als Modus sozialer Innovation birgt jedoch vielfältige Risiken sowohl für die Sozialforschung als auch für die Praxis. Unsere Forschungsfrage ist daher, ob die Annahme, dass soziale Bedürfnisse auf lokaler Ebene besser geregelt werden, überbewertet ist. Ebenso stellen wir zur Debatte, ob das Potenzial lokaler Handlungsfähigkeit bei der Bewältigung struktureller globaler Prozesse der sozialen Ausgrenzung zu hoch eingeschätzt wird.
Tatjana Boczy, Yuri Kazepov, Tatiana Saruis
Autogene soziale Innovation: Fridays for Future als synergetisch selbstgesteuerte Jugendbewegung
Zusammenfassung
Soziale Innovationen unterliegen unterschiedlichen Entfaltungs- und Durchsetzungslogiken: Die Jugendbewegung Fridays for Future kann als Beispiel einer hochkomplexen und dabei zugleich globalen, sehr dynamischen sozialen Innovation gelten. Als Erklärungsmuster für die schnelle und dabei sich selbst stabilisierende Entwicklung dieser sozialen Innovation werden Hinweise aus der Synergetik, der Selbstorganisation und der Systemtheorie zusammengetragen und im Sinne einer autogenen Organisation zusammengeführt.
Martin Lu Kolbinger
Auf dem Weg zur Klimaneutralität – soziale Innovationen als Erfolgsfaktor lokaler projektbezogener Transformationsvorhaben
Zusammenfassung
Soziale Innovationen können eine wichtige Rolle spielen bei anstehenden Transformationsprozessen, die zu einer nachhaltigeren Gesellschaft führen sollen. Auf diese Hoffnung wird beispielsweise bei der langfristigen Transformation europäischer Städte für eine klimaneutrale Zukunft gesetzt. Am Beispiel des europäischen Forschungsprojekts „SPARCS“ (Sustainable energy Positive & zero cARbon CommunitieS) mit Ziel der nachhaltigen Herstellung von Klimaneutralität wird innerhalb eines experimentellen Erprobungsrahmen in ausgewählten europäischen Städten diese Transformation erforscht. Zur Zielerreichung werden veränderte soziale Praktiken eingesetzt, um urbane Transformationsprozesse anzuregen und zu lenken. In diesem Beitrag wird am Fallbeispiel untersucht, wie die lokale Adaption von sozialen Innovationen durch strategische Akteur*innen in den Beispielstädten gelingt und welche Faktoren bei der Anpassung und Durchsetzung sozialer Praktiken bedingen.
Jörg Kosinski, Annamaria Riemer
Metadaten
Titel
Soziale Innovation im Kontext
herausgegeben von
Elmar Schüll
Heiko Berner
Martin Lu Kolbinger
Markus Pausch
Copyright-Jahr
2022
Electronic ISBN
978-3-658-37221-7
Print ISBN
978-3-658-37220-0
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-37221-7