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29.04.2020 | Stadtplanung | Im Fokus | Onlineartikel

RICS konfiguriert die zukünftige Stadt

Autor:
Christoph Berger
4 Min. Lesedauer

RICS Deutschland hat sich Gedanken um die Zukunft der Städte gemacht. Um den Herausforderungen zu begegnen, braucht es vor allem drei Dinge. Sowie innovative Technologien. Dann könnten viele urbane Probleme gelöst werden.

Gemischte Nutzungsstrukturen, die Verringerung von Lärm und Schmutz, Verkehrskonzepte, die vertikale Ausrichtung oder auch der soziale Wohnungsbau: Elisabeth Oberzaucher zeigt mit den im Kapitel "Die vielen Herausforderungen an die Stadtplanung" des Springer-Fachbuchs "Homo urbanus" aufgeführten Themen die Komplexität der heutigen Stadtentwicklung und -planung auf. Laut Christa Reicher wird für die Zukunft der Städte und die Zukunft des urbanen Lebens entscheidend sein, wie mit den sozialen, ökologischen und ökonomischen Herausforderungen sowie den veränderten Rahmenbedingungen umgegangen wird. Dies schreibt sie in der "Einleitung" zum Springer-Essentials "Grundlagen, Bausteine und Aufgaben des Städtebaus".

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Die vielen Herausforderungen an die Stadtplanung

Wenn wir die moderne Stadtumwelt als Landschaft betrachten, die unseren evolutionär geprägten Ansprüchen genügen soll, so sind verschiedene Aspekte von Belang, die auf unseren Landschaftspräferenzen beruhen. Das unmittelbare Verstehen der  Stadtlandschaft hängt von ihrer Organisation und Komplexität ab.

Mit dieser komplexen Themenvielfalt beschäftigt sich auch RICS Deutschland in dem im April 2020 veröffentlichten Positionspapier "Urban Block 4.0 – zentraler Baustein für intelligente Stadtquartiere". "Wir sehen gerade in diesen Zeiten, wie wichtig funktionierende Nachbarschaften für die Menschen in den Städten ist", sagt Martin Eberhardt, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands von Immobilienfachleuten und Immobiliensachverständigen in Deutschland. Im Zentrum des Papiers stehen eine hohe bauliche Dichte und eine soziale sowie funktionale Durchmischung. Innovative Technologien machen das Quartier zudem smart, wie es weiter heißt, in Verbindung mit den dort lebenden Menschen werde es intelligent. Grundlage ist dabei das Modell der klassischen Blockrandbebauung. Dieses wird aufgegriffen und in das digitale Zeitalter des 21. Jahrhunderts zum "Urban Block 4.0" transformiert.

Gefordert wird eine höhere bauliche Dichte

"Es ist dabei wesentlich, die Stadt so zu konfigurieren, dass sie für Menschen einen lebenswerten, nachhaltigen und umweltschonenden Lebensraum formt", sagt Sabine Georgi, Country Managerin der RICS Deutschland. Die Fokussierung auf das Stadtquartier beziehungsweise den Block mag da kein Zufall sein, schreiben doch auch die Autoren des Kapitels "Einleitung: Die Zukunft gehört dem urbanen Quartier" im gleichnamigen Springer-Fachbuch, dass Urbanität längst zu einem weltweiten Narrativ geworden ist und die Menschen mehr und mehr motiviert, auf urbanes Zusammenleben und die damit verbundenen neuen Möglichkeiten zu setzen. Weiter heißt es: „Doch hat es lange gedauert, bis dies auch in den Köpfen der Verantwortlichen angekommen ist. So wurde erst im Mai 2017 ein 'Urbanes Gebiet' in die Baunutzungsverordnung (Bau-NVO) eingefügt, obwohl das urbane Narrativ längst, spätestens mit der Charta von Leipzig, auch in Deutschland akzeptiert war und seinen Platz auch im Planungsrecht hätte finden können." Und selbst heute sei nicht bewusst, dass es um mehr als eine neue Planungslyrik oder nette neue Konzepte geht, sondern um die Einlösung geradezu existenzieller Erwartungen für eine verbesserte und zukunftsfestere Lebensqualität in einem überschaubaren gesellschaftlichen Raum.

Die Autoren des RICS sehen in einer erhöhten Dichte die Möglichkeit, ausreichend und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Obergrenzen der Grundflächenzahl (GRZ) und der Geschossflächenzahl (GFZ) der Baunutzungsverordnung (BauNVO) – beides Kennzahlen für die bauliche Dichte – seien allerdings nicht mehr zeitgemäß bei der Bestimmung des Maßes der baulichen Nutzung, monieren sie. Es wird gefordert, zur Erhöhung der baulichen Dichte die GFZ-Obergrenzen in § 17 BauNVO kritisch zu hinterfragen. Auch immissionsschutzrechtliche und überhöhte brandschutzrechtliche Vorgaben, Stellplatzanforderungen und weitere technische Bestimmungen würden in der Praxis häufig nur schwer überwindbare Hindernisse darstellen.

Quartiere werden dem Digitalisierungs-Zeitalter angepasst

Zur Durchmischung sagt Martin Eberhardt: "Ein radikaler Mixed-Used – der selbst Handwerk und Light Industrial integriert – innovative Immobilienformen und attraktive, öffentliche Räume sind weitere Elemente des Konzepts. Smart Solutions optimieren Ressourcenverbräuche, Verkehr und soziale Interaktion." Zudem geht es den Autoren um eine soziale Durchmischung. Voraussetzung hierfür seien verschiedene Wohnformen, wie Mietwohnungen, Eigentumswohnungen, gefördertes Wohnen, betreutes Wohnen, studentisches Wohnen oder Häuser für Familien in den Innenhöfen. Dass Durchmischung durchaus noch breiter betrachtet werden kann, wird im Kapitel "Mischen! Aber was?" detailliert von Timo Munzinger erläutert.

Bleiben noch die innovativen Technologien. Hier sind es erst einmal die Digitalisierung und vielfältigen Lebensentwürfe der Menschen, die zu einer Transformation der Quartiere beitragen, die das Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und die Mobilität beeinflussen. Zwingend notwendig ist hierfür die Ausstattung mit High-Speed-Internet. Rohstoff- und Energieverbräuche können über smarte Systeme optimiert werden, dazu trägt ebenso der Einsatz von Solartechnik oder von zentralen Wärme- und Kälteanlagen bei. Sensordaten in der Gebäudetechnik verringern beziehungsweise optimieren die Wartungsarbeiten im Quartier, LED-Beleuchtungssysteme regeln die Lichtverhältnisse. Über Sensordaten kann zudem das Nutzerverhalten analysiert werden und die Bewirtschaftung daran ausgerichtet werden. Das "4.0" ist, zumindest auf dem Papier, in der Immobilienwirtschaft angekommen.

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