Zum Inhalt

"Wir haben einen sehr eng verzahnten Prozess"

Aktivieren Sie unsere intelligente Suche, um passende Fachinhalte oder Patente zu finden.

search-config
loading …
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Gunhild Grieve und Thomas Denny vom Energieversorger RWE erklären im Gespräch mit der Zeitschrift "Controlling & Management Review", wie die Zusammenarbeit ihrer beiden Bereiche - Controlling und Risiko-Management und Investor Relations - in der Praxis funktioniert. 

Gunhild Grieve und Thomas Denny haben im April 2020 beim Energieversorger RWE ihre Posten getauscht: Seitdem leitet Grieve das Controlling und Risiko-Management und Denny den Bereich Investor Relations.


Controlling & Management Review: Inwieweit arbeiten Sie denn im Rahmen der Planung eng zusammen?

Grieve: Vor der eigentlichen Planung bauen wir gemeinsam mit Investor Relations und einem anderen Team einen Outside-In-View. Wir fragen uns auf Grundlage der aktuellen Informationen: Wie sollten in den nächsten drei Jahren die Ergebnisse aussehen? Wir betrachten die Treiber, die wir von außen sehen, und nehmen die Daten, die man auch am Markt bekommt, und machen damit unsere Modelle und Forecasts. Das hilft uns dann, die Planung der operativen Gesellschaften zu challengen.

Denny: Diese Vorgehensweise kommt aus dem IPO-Prozess unserer ehemaligen Tochtergesellschaft Innogy und hat sich sehr bewährt, denn sie hilft, die komplexe Welt zu abstrahieren und zu vereinfachen. Wir betrachten nur fünf bis zehn Parameter und können auf dieser Grundlage sehr viel besser diskutieren. Damit schlagen wir auch eine Brücke zur Kapitalmarktkommunikation, wo wir unsere Planung ja so erklären müssen, dass der Kapitalmarkt sie versteht.

Grieve: Aus meiner Sicht könnte man noch weiter gehen und sich fragen, ob man nicht den gesamten Planungsprozess genauso vereinfachen und verkürzen könnte. Würde es nicht ausreichen, sich auf einige wesentliche Dinge zu konzentrieren und mit pauschalen Annahmen zu arbeiten?

Empfehlung der Redaktion

01.01.2021 | Schwerpunkt

"Als Controller weiß ich oft mehr, als ich selbst kommunizieren darf"

Gunhild Grieve und Thomas Denny haben im April 2020 beim Energieversorger RWE ihre Posten getauscht: Seitdem leitet Grieve das Controlling und Risiko-Management und Denny den Bereich Investor Relations. Im Interview sprechen beide über ihre neuen Rollen, Vorteile und Schwierigkeiten der Zusammenarbeit.

Spannend. Manchmal kann weniger mehr sein …

Grieve: Ja, ich glaube, es hilft beim Challengen der operativen Gesellschaften, es hilft dem weiteren Prozess, es hilft bei der Erklärung der Treiber.

Lassen Sie uns noch mal eine andere Perspektive einnehmen: Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit im Jahresverlauf? 

Grieve: Wir haben über das ganze Jahr sehr viele Berührungspunkte. Wir sind wöchentlich durch Sonderthemen und unsere allgemeinen Jours fixes im Austausch. Und wenn sich Themen oder Fragen ergeben, die dort nicht besprochen werden, dann telefonieren wir oder machen eine Videokonferenz.

Denny: Vor ein paar Jahren haben wir eingeführt, dass wir bei den klassischen Reporting-Anlässen zu jedem Quartal eine neue Jahresprognose mitbringen. Damit haben wir einen sehr eng verzahnten Prozess. Wir haben zwei wesentliche Reporting-Termine: Der eine ist unter dem Lead von Controlling, der andere ist unter dem Lead von Investor Relations. Den ersten Termin nennen wir dementsprechend Finanzdialog. Hier versuchen wir einfach, gemeinsam zu verstehen, was die Performance im Quartal war, im Halbjahr oder auch für die Prognose. Der zweite Termin hat den Fokus auf der externen Kommunikation, also Investor Relations und Presse. Hier fragen wir nach den Botschaften, die wir nach draußen tragen wollen. Hier besprechen wir auch ganz konkret die Kommunikationsdokumente. Wir arbeiten da sehr integriert zusammen.

Welche Personen sind denn daran beteiligt?

Grieve: In der Regel nehmen etwa 15 Personen teil, der CFO und der Head of Controlling der AG und die CFOs und Heads of Controlling der operativen Gesellschaften sowie alle Bereichsleiter der zentralen Finanz-Ressorts. In den Meetings, die eineinhalb bis zwei Stunden dauern, werden die Ist-Zahlen präsentiert, der Forecast, quasi ganze Excel-Tapeten für jedes der Segmente und für den Konzern insgesamt. Jeder liest vor dem Meeting die Unterlagen, sodass hier nur noch Verständnisfragen gestellt werden und man sich ganz auf die Diskussion fokussieren kann. 

Das klingt alles sehr harmonisch. Gibt es im Zusammenspiel auch mal Probleme?

Denny: Als ich noch im Controlling war, war mein wichtigster Stakeholder mein Chef, der CFO. Jetzt rufen mich zusätzlich externe Stakeholder wie Investoren und Analysten an, deren Anliegen für mich die höchste Priorität haben. Wenn ich deshalb dringende Fragen habe und auf andere Bereiche angewiesen bin, die diesen Druck nicht spüren und meine Anfrage nicht entsprechend priorisieren, habe ich ein Problem. Manchmal kommen die Antworten zu spät – oder das Segment oder der Controlling-Bereich redet mit mir gar nicht erst offen über bestimmte Hintergründe. Das läuft nach dem Motto: Wir können extern nicht darüber sprechen und deswegen erzähle ich auch Investor Relations nicht die ganze Wahrheit. Aus meiner Sicht ist das die größte Gefahr in der Zusammenarbeit: Wenn ich selbst nicht die volle Transparenz habe, kann ich mir auch nicht überlegen, was ich nach außen kommuniziere. Das Problem haben wir aber eher mit den dezentralen Bereichen, nicht mit dem Controlling.

Grieve: Dahinter steckt die Befürchtung, dass Investor Relations, wenn sie zu viel wissen, dies zu früh in der Tonalität ihrer Antworten verraten könnten. Zwischen Investor Relations und uns sehe ich da aber ebenfalls keine Konflikt-Potenziale, nur dass wir ab und zu tatsächlich nicht schnell genug sind.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Zeitschrift "Controlling & Management Review" (Ausgabe 1 | 2021). 

print
DRUCKEN

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

IR und Controlling als Teil der Finanzfunktion

  • Schwerpunkt

Die Investor Relations von Unternehmen werden immer umfassender. Damit gewinnt auch die Zusammenarbeit von Investor Relations und Controlling für die erfolgreiche Positionierung eines Unternehmens am Kapitalmarkt an Bedeutung. Wie diese Zusammenarbeit aussehen kann, zeigt das Beispiel der SAP.

Warum ist der Forecast wichtig?

Den Ausgangspunkt der operativen Unternehmensplanung bildet die Absatzprognose (der Begriff „Forecast“ wird synonym verwendet). Hier findet sich die Abschätzung, wie viele Abverkäufe das eigene Unternehmen in der Planungsperiode tätigen wird, also …

Informationsverarbeitung am Kapitalmarkt

Speziell für die Kapitalmarktkommunikation unterhalten Unternehmen sogenannte Investor-Relations-Abteilungen. Diese zeichnen sich verantwortlich für die Bereitstellung entscheidungsrelevanter finanzieller und nichtfinanzieller Informationen, die sowohl vergangenheits- als auch zukunftsbezogene Sachverhalte adressieren und dabei stellenweise über die gesetzliche Pflicht hinausgehen.

Theoretisch deduktive Herleitung eines Konzeptionsmodells

Die Lageberichterstattung gehört dem Reportingsystem des Financial Accounting an. Gleichwohl verknüpft er wertorientierte Informationen aus dem internen und externen Rechnungswesen, sodass er dem Value Reporting i. e. S. zu zuordnen ist. Im Zuge …

Im Netzwerk der Kommunikation

Woran erkennt man, dass ein Text revolutionär ist? An seinem Inhalt? An seiner Rezeption? – zur Zeit seines Erscheinens? – in der Folge? – heute? Können Revolutionen stattfinden, ohne dass die Öffentlichkeit es merkt?

Wie CEO und CFO kommunizieren

  • Schwerpunkt

In der Kapitalmarktkommunikation gelten CEOs und CFOs zunehmend als Aushängeschilder der Unternehmen. Sie übernehmen zentrale kommunikative Aufgaben. Noch mangelt es in den meisten Unternehmen aber an einer klaren Aufgabenverteilung zwischen den Vorständen und Ausarbeitung einer Positionierungsstrategie.

Weiterentwicklung des Finanz-Forecasts im Rahmen der digitalen Transformation am Beispiel der SAP SE

Der Finanz-Forecast-Prozess war bei SAP traditionell entlang eines klassischen Bottom-up-Prinzips strukturiert. Nachdem 2015 die Unzulänglichkeiten dieser Prozessgestaltung in Bezug auf Steuerungsrelevanz und Simulationsmöglichkeiten deutlich …

Conference Calls aktiv gestalten

  • Schwerpunkt

Alle DAX- und fast alle MDAX- und SDAX-Unternehmen führen Conference Calls mit Analysten und Investoren durch. Empirische Untersuchungen zeigen allerdings deutliche Verbesserungsmöglichkeiten bei der Anwendung auf. Ein aus den Befunden …

    Bildnachweise
    RWE-Interview CMR 2021/© Michael Jordan | Controlling & Management Review, Salesforce.com Germany GmbH/© Salesforce.com Germany GmbH, IDW Verlag GmbH/© IDW Verlag GmbH, Diebold Nixdorf/© Diebold Nixdorf, Ratiodata SE/© Ratiodata SE, msg for banking ag/© msg for banking ag, C.H. Beck oHG/© C.H. Beck oHG, OneTrust GmbH/© OneTrust GmbH, Governikus GmbH & Co. KG/© Governikus GmbH & Co. KG, Horn & Company GmbH/© Horn & Company GmbH, EURO Kartensysteme GmbH/© EURO Kartensysteme GmbH, Jabatix S.A./© Jabatix S.A.