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05.12.2023 | Verkehrssicherheit | Infografik | Online-Artikel

Ältere bei Autounfällen häufiger Hauptverursachende

verfasst von: Christiane Köllner, dpa

4 Min. Lesedauer

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Ältere Autofahrer haben häufiger die Hauptschuld als jüngere, wenn sie an Unfällen mit Personenschaden beteiligt sind. Verkehrsminister Wissing ist weiterhin gegen eine regelmäßige Selbstauskunft für fahrende Senioren. 

Sind ältere Autofahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt, so tragen sie häufiger die Hauptschuld daran als jüngere, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht. Im Jahr 2022 waren die mindestens 65-Jährigen in mehr als zwei Drittel der Fälle (68,7 %) die Hauptverursachenden, so die Behörde. Bei den mindestens 75-Jährigen wurde sogar gut drei von vier unfallbeteiligten Autofahrern die Hauptschuld am Unfall zugewiesen (76,6 %). Das sei mit Abstand der höchste Wert aller Altersgruppen. 

Zum Vergleich: Bei den unter 65-jährigen Autofahrern seien laut Destatis 55,2 % Hauptverursachende. In dieser Altersgruppe hätten insbesondere junge Fahrer überproportional viele Unfälle verursacht: Saßen junge Erwachsene im Alter von 18 bis 20 Jahren am Steuer eines Pkws, seien sie in 70,8 % der Fälle für den Unfall hauptverantwortlich gewesen.

Unfallursachen verändern sich mit dem Alter

Insgesamt waren Destatis zufolge im Jahr 2022 gut 309.300 Pkw-Fahrer an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt. In 57,1 % der Fälle hatten die Fahrer den Unfall auch hauptverursacht, so die Statistikbehörde.

Die Unfallursachen bei Autounfällen unterscheiden sich bei älteren Menschen von denen in jüngeren Altersgruppen. Pkw-Fahrer im Seniorenalter sei beispielsweise anteilig häufiger als den unter 65-Jährigen vorgeworfen worden, die Vorfahrt beziehungsweise den Vorrang anderer Fahrzeuge missachtet zu haben. Auch Fehlverhalten beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren sei häufiger auf als bei Jüngeren aufgetreten. Dagegen sei älteren Menschen deutlich seltener zur Last gelegt worden, den Abstand nicht eingehalten zu haben, mit nicht angepasster Geschwindigkeit gefahren zu sein oder ihr Auto unter Alkoholeinfluss gesteuert zu haben.

Hochbetagten-Haushalte seltener mit Autos ausgestattet 

Wie Destatis angibt, seien ältere Menschen gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung seltener in Verkehrsunfälle verstrickt als jüngere. Grund für die geringere Unfallbeteiligung sei, dass ältere Menschen seltener als jüngere am Straßenverkehr teilnehmen, unter anderem, weil sie nicht mehr zur Arbeit fahren. Ab 60 Jahren gehe mit steigendem Alter vor allem die als Autofahrer zurückgelegte Strecke deutlich zurück.

Dass ältere Menschen seltener mit dem Auto unterwegs sind als jüngere, spiegelt sich auch in der Ausstattung der Seniorenhaushalte mit Autos wider. In der Altersgruppe der Hochbetagten (80+) hatten noch knapp zwei Drittel (65,2 %) im Jahr 2022 mindestens ein Auto. Hingegen hatten 77,6 % aller Haushalte in Deutschland 2022 mindestens ein Auto. 

Wissing gegen Pflicht-Selbsteinschätzung für Ältere

In der Debatte um die Fahrtüchtigkeit von Senioren spricht sich Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) gegen verpflichtende Selbstauskünfte von Senioren zur eigenen Gesundheit aus. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat lehnt eine mögliche verpflichtende Überprüfung der Fahrtauglichkeit von Senioren ebenfalls ab und bezeichnet sie als unverhältnismäßig. Nach Ansicht von Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, unterschätzt Wissing die Gefahr durch Senioren am Steuer. Zwar seien ältere Menschen mit Blick auf die absoluten Zahlen im Schnitt nicht öfter an Unfällen beteiligt, dies liege aber daran, dass sie deutlich weniger unterwegs seien, sagte der Unfallforscher der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Kilometerfahrleistung bezogen sei das Unfallrisiko von Menschen über 75 Jahren in bestimmten Aspekten vergleichbar mit der Hochrisikogruppe der sehr jungen Fahrer.

Die EU-Verkehrsminister haben gestern ihre Position zu neuen Führerscheinregeln in der EU festgelegt. Dabei geht es unter anderem auch um Vorgaben für ältere Menschen. Wer künftig einen Führerschein verlängern lassen will, muss dafür nach dem Willen der EU-Staaten einen Fragebogen mit Gesundheitsfragen ausfüllen. Damit könnte künftig in Deutschland alle 15 Jahre eine solche Selbstauskunft fällig werden, wie aus Angaben der EU-Länder hervorgeht. Das deutsche Verkehrsministerium konnte sich bei Verhandlungen über neue Führerscheinregeln nicht damit durchsetzen, dass es keine solche Selbstauskunft geben soll. Wissing hatte deswegen angekündigt, dem Vorhaben nicht zuzustimmen.

Begleitetes Fahren ab 17 und digitaler Führerschein

Zudem könnte begleitetes Fahren ab 17 EU-weit Schule machen. Künftig soll auch bei Lkw begleitetes Fahren möglich sein. Die EU-Staaten einigten sich zudem darauf, dass es künftig auch einen digitalen Führerschein geben soll, den man auf dem Handy abspeichern kann.

Bevor neue Regeln in Kraft treten können, muss das EU-Parlament noch eine Position festlegen und sich im Anschluss mit den EU-Staaten auf einen Kompromiss einigen. Es wird erwartet, dass der Verkehrsausschuss am 7. Dezember über eine Position abstimmt. Danach kann das gesamte Parlament auf Grundlage der Entscheidung im Verkehrsausschuss über eine Position abstimmen und es können Verhandlungen aufgenommen werden.

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