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10.12.2020 | Compliance | Gastbeitrag | Onlineartikel

Compliance bringt im Profifußball Wettbewerbsvorteile

Autor:
Dr. Lars Figura
3 Min. Lesedauer

Die Justizministerkonferenz der Länder plant, die gesetzlichen Regelungen zur Bekämpfung von Geldwäsche auf den Profifußball auszuweiten. Die Fußballbranche reagiert zurückhaltend. Dabei könnte mehr Transparenz die Chancengleichheit und damit die Attraktivität des Fußballs erhöhen.

Compliance-Verstöße von Fußballfunktionären wurden in den letzten Jahren immer wieder bekannt. Panama Papers und Football-Leaks informierten die Öffentlichkeit zudem über ominöse Steuergestaltungen im Umfeld von Spielern und Spielerberatern. Die EU-Kommission bemängelt, dass undurchsichtige Geldströme bei Transfers und Beraterhonorare in fragwürdiger Höhe ein die Geldwäsche begünstigendes Umfeld schaffen. Auch das Vergütungsmodell der Spielerberater ist im Vergleich zu anderen beratenden Berufen, etwa Anwälten, zumindest ungewöhnlich: Für die Begleitung bei Transfers zahlt nicht etwa der beratene Spieler, sondern es zahlt der den Spieler unter Vertrag nehmende Club – wobei der Spieler die Höhe des Beraterhonorars häufig nicht erfährt.

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2020 | OriginalPaper | Buchkapitel

Economic Substance Regulations

Die Economic Substance Regulations sind eine Reaktion auf schädliche Steuerpraktiken zur Gewinnverkürzung und -verlagerung. Insbesondere durch den BEPS-Aktionsplan (Aktionspunkt 5) der OECD wurden Gewinnverkürzung und -verlagerungsmaßnahmen 2015 verschärft hinterfragt und sind ab 2017 durch die EU auf die Agenda gesetzt worden.

Mehr Transparenz im Profifußball würde existenzielle wirtschaftliche Risiken für die Branche eindämmen und den Cash-Flow aus der Finanzierungstätigkeit positiv beeinflussen. Dazu gehören insbesondere niedrigere Ausfallrisiken und damit geringere Kosten für die Forfaitierung, den Verkauf von Forderungen.

Aufdeckung von Compliance-Verstößen

Compliance-Verstöße im Fußball werden heute nicht nur durch Enthüllungen aufgedeckt, sondern insbesondere auf Betreiben von US-amerikanischen Ermittlungsbehörden, häufig verbunden mit einschneidenden wirtschaftlichen Sanktionen. Fußballclubs bringt diese Entwicklung in Zugzwang, denn die Zuständigkeit der US-Justiz ist schnell begründet: Es reicht aus, wenn die konkrete Tat eine rein virtuelle Berührung mit dem US-Territorium aufweist, beispielsweise weil die Kommunikation im Rahmen der Vorbereitungshandlung zur Tat über einen Server mit Standort in den USA läuft.

Nach US-Sanktionsrecht können dabei auch vermeintlich unbeteiligte Clubs, die Ligen und die Verbände als Mitverschwörer oder kriminelle Vereinigung verfolgt und sanktioniert werden, weil die Branche geschlossen ist, die Ligen kartellähnliche Strukturen aufweisen, und den Beteiligten an Geheimhaltung gelegen ist. Eine typische Folge sind handelsrechtliche Sanktionen wie die Indexierung – die Aufnahme auf sogenannte schwarze Listen. Eine Indexierung kann teuer werden, weil sie die meisten Lizenznehmer zum sofortigen Abbruch der Geschäftsbeziehung veranlasst.

Das Geschäftsmodell der Top-Ligen

Die Wirtschaftsreporte der Deutschen Fußballliga (DFL) belegen ein eindrucksvolles Wachstum, getrieben in erster Linie durch Erlössteigerungen aus der Vermarktung von Lizenzen. So wies die DFL für die Saison 2018/2019 für die Erstligaclubs Einnahmen aus Spielbetrieb, Werbung, Medienrechten, Merchandising und sonstigen Nutzungsrechten in Höhe von etwa 3,34 Milliarden Euro aus. Das entspricht ungefähr 83 Prozent der Gesamteinnahmen des Wirtschaftsjahres. Die Transfereinnahmen der Erstligaclubs lagen bei rund 675 Millionen Euro, also 16,8 Prozent der Gesamteinnahmen.

Erlöse aus der Vermarktung sind Zuflüsse in die Branche, Transferlöse hingegen stellen lediglich eine Umverteilung zwischen den Clubs innerhalb der Branche dar. Die wirtschaftliche Entwicklung der Clubs bleibt auch in Zukunft an die Wachstumsraten der Vermarktung des Produkts Fußball gekoppelt. Ein Blick auf die bisherige Entwicklung belegt dies eindrucksvoll: Die Einnahmen aus medialer Werbung haben sich in nur vier Jahren verdoppelt. In der Saison 2014/2015 lagen sie laut DFL Wirtschaftsreport bei 716,8 Millionen Euro, in der Saison 2018/2019 bereits bei mehr als 1,4 Milliarden Euro.

Compliance schützt das Wachstum

Auf den Punkt gebracht: Bleiben die Lizenznehmer weg, fällt die Fußballbranche in sich zusammen. Compliance ist daher schon aus Gründen der Selbsterhaltung zu fördern. Positiver Nebeneffekt: Ein anerkanntes Compliance-Management-System und Transparenz in den Finanzströmen wären im Sport ein Alleinstellungsmerkmal von erheblichem Mehrwert – sowohl für den von der Reputation abhängigen Wert der Lizenzen als auch bei Verkauf oder Verpfändung von Forderung der Clubs an ihre finanzierenden Banken. Zudem wäre Transparenz die Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Financial Fair Play.

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