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23.06.2022 | Aus- und Weiterbildung | Infografik | Online-Artikel

Duale Ausbildung in Gefahr?

verfasst von: Andrea Amerland

2:30 Min. Lesedauer
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Das Modell der dualen Berufsausbildung wird weltweit geschätzt. Doch die Corona-Pandemie hat auch auf diesem Gebiet ihre Spuren in Deutschland hinterlassen. So ist die Zahl der Ausbildungsabschlüsse seit 2019 drastisch gesunken.
 

In der Corona-Pandemie sind Firmen und Auszubildende einfach nicht zusammengekommen. Oft behinderten Lockdowns und Kontaktbeschränkungen den etablierten Ausbildungsbetrieb und schreckten Unternehmen ab, Azubis anzunehmen. In den Betrieben, die seit 2016 mindestens einen Ausbildungsplatz angeboten haben, ist daher der Anteil an Ausbildungsabschlüssen von 2019 auf 2021 von 55 Prozent auf 38 Prozent gesunken. Das geht aus der Befragung "Betriebe in der Covid-19-Krise" des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, für die monatlich zwischen 1.500 bis 2.000 Betriebe befragt werden. 

Die betroffenen Unternehmen nennen weniger abgeschlossene Ausbildungen als Grund für den Rückgang, aber auch einen kleineren Ausbildungsjahrgang sowie pandemiebedingte Restriktionen. So ist in rund der Hälfte der befragten Unternehmen die Zahl der Bewerber rückläufig, 41 Prozent beklagen die geringe Qualität der Stellengesuche und rund ein Drittel monieren Schwierigkeiten, durch Corona mit geeigneten Kandidaten in Kontakt zu kommen. Die Probleme im Azubi-Recruiting resultieren auch aus weniger Schülerpraktika, die 43 Prozent der Betriebe reduziert haben, insbesondere diejenigen, die von der Krise besonders getroffen wurden. 

Arbeitgeberattraktivität für Azubis steigern

Um mehr Auszubildende zu gewinnen, versuchen Arbeitgeber laut Studie für junge Menschen attraktiver zu werden. Gleichzeitig schraubt rund die Hälfte der Firmen Ansprüche an Kandidaten herunter, etwa bei den schulischen Qualifikationen. "Dies ist ein wichtiger Schritt, da den vielen unbesetzten Ausbildungsplätzen gleichwohl eine hohe Anzahl an unversorgten Ausbildungsplatzsuchenden gegenübersteht, bei denen es sich oftmals um Jugendliche mit einem niedrigen Schulabschluss handelt. Zudem gilt es aber auch, überhaupt wieder mehr junge Erwachsene für eine duale Ausbildung zu gewinnen", kommentiert IAB-Forscherin Ute Leber die Umfrageergebnisse. 

Ausbildung unter Corona-Bedingungen

Corona hat in 22 Prozent der Betriebe dazu geführt, dass Prüfungen verschoben werden mussten, in 16 Prozent der Firmen Wissen nicht in der vorgesehenen Zeit vermittelt werden konnte und bei neun Prozent Prüfungen nicht bestanden wurden. "Die duale Berufsausbildung ist für die Betriebe ein wichtiges Instrument, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Voraussetzungen hierfür sind zunächst, dass sie die von ihnen angebotenen Ausbildungsplätze besetzen und die Auszubildenden die Ausbildung erfolgreich abschließen können", so IAB-Direktor Bernd Fitzenberger. Beides habe in der Pandemie deutlich gelitten.

Bereits vor Corona weniger Auszubildende

Allerdings seien die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen nicht neu, betonen die Forscher. So hatte rund die Hälfte der im Januar 2022 befragten Betriebe, bereits vor Covid-19 häufig (27 Prozent) oder manchmal (ebenfalls 27 Prozent) Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze an Jugendliche zu vermitteln. Davon seien alle Branchen betroffen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. 

Besonders schwer ist es laut IAB-Studie im Baugewerbe (41 Prozent). In allen anderen Wirtschaftszweigen liege dieser Anteil zwischen 23 und 27 Prozent. Tendenziell sei die Besetzungsproblematik in kleineren Firmen ausgeprägter als in größeren.

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