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02.08.2017 | Medien | Im Fokus | Onlineartikel

Zukunft der Arbeit - ein unausweichlich Ding?

Autor:
Michaela Paefgen-Laß

Viele Facetten, aber nicht über den Tellerrand. Wie das geht, machen die Medien am Thema "Zukunft der Arbeit" vor. Die Digitalisierung ist ihnen eine Naturgewalt ohne alternatives Potenzial, kritisiert die Otto-Brenner-Stiftung.

Die Arbeitswelt ändert sich unter dem Einfluss der Digitalisierung radikal, aber dort wo Meinungen gebildet, kritische Fragen gestellt und Lösungen diskutiert werden sollten - in den Medien  -  werden nur laue Aufgüsse altbekannter Ansichten serviert. In der Kurzstudie "Die Zukunft der Arbeit als öffentliches Thema" wirft die Otto-Brenner-Stiftung der meinungsbildenden Presse vor, Chancen und Risiken des digitalen Wandels zwar facettenreich, aber mir einer Überbetonung der Risiken und der wirtschaftlichen Perspektive zu verhandeln. 

Der Grundton sei stets schicksalsergeben und wenig streitbar. Die Lieblingsthemen: Arbeit ist entgrenzt aber durch die Digitalisierung unter das Primat der Effizienz geraten. Alle Variablen von Arbeit sind Effizienzansprüchen untergeordnet. Arbeit ist eine Hetzjagd, die die Langsamen auf der Strecke liegen lässt. Wettbewerbsdruck, Innovationsdruck, Konkurrenzdruck sind die globalen Beben, die auch die vierte Industrielle Revolution zu verantworten hat. Soziale Unsicherheiten der Beschäftigten, automatisierte Arbeit, kürzere Beschäftigungszyklen mit strengerem Monitoring und Controlling bedrohen als Folge das innere Klima. 

Der Mensch muss sich bei alledem mit der Maschine arrangieren. Wenn das mal gut geht! Der Digitalisierung wohnt offenbar die ganze Unausweichlichkeit einer Naturkatastrophe inne. Wenn Journalisten sich mit dem Digitalen Wandel befassen, tun sich Bilder von hieronymusboschhafter Düsternis und Rätselhaftigkeit auf. Zurück bleibt eine Gesellschaft, die schlecht informiert ist über die Vielschichtigkeit und Vielgestaltigkeit ihrer Arbeit.

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Pluralistisch aber zahm

Für die Medienstudie wurden 360 Beiträge von elf bekannten Printmedien ( darunter "Der Spiegel", "F.A.Z"., "Die Zeit", "Süddeutsche Zeitung", "Handelsblatt" und "Die Welt") der Jahre 2014 und 2015 analysiert. Das leitende Forschungsinteresse galt der gesellschaftspolitisch relevanten Frage, welches Bild der Arbeit der Zukunft aus den Informationen und Interpretationen des Journalismus erwächst. Vermisst wurde der Fortschrittsoptimismus, von dem die vorausgegangenen industriellen Umbrüche begleitet wurden - Wohlstand und eine klassenfreie Gesellschaft waren einst mit der Modernisierung einhergehende Hoffnungen. 

Ebenso fehlten den Studienautoren Diskussionen zum alternativen Potenzial der Digitalisierung und politische Gestaltungsansprüche. Keine Fragen, keine Forderungen, keine Visionen. Etabliert aber ohne Impulse. Pluralistisch aber entlang der anerkannten Akteure aus Wirtschaft und Politik. Die deutschen Printmedien vermittelten den Gesamteindruck, dass die Arbeit in einen unaufhaltsamen epochalen technischen Umbruch geraten sei, aber: "Woher diese technische Revolution, genannt Digitalisierung, kommt, ist uninteressant, wohin sie führt, ist unbekannt oder umstritten."

Als generelle Trends in der Medienberichterstattung nennt die Studie:

  • Mehr Eigenverantwortung mündet zusammen mit der Entgrenzung der Arbeitsmöglichkeiten in mehr Arbeit. Die arbeitende Bevölkerung teilt sich schon jetzt und in Zukunft noch deutlicher in Gewinner und Verlierer. 
  • Das Risiko, nur prekäre oder keine Arbeit zu finden, steigt - inwieweit tatsächlich, inwieweit gefühlt, muss offen bleiben.
  • Die entscheidende gesellschaftliche Integrationsfunktion der Arbeit für jeden Einzelnen wird gesehen und betont. Wie sie ersetzt werden könnte, wenn sie für (zu) viele unerfüllt bleibt, wird nicht gefragt.
  • Im Zentrum stehen große Befürchtungen, dass menschliche Arbeitskräfte immer weniger gebraucht werden, weil intelligente Maschinen Arbeitsleistungen billiger und besser ausführen. Solchen Befürchtungen wird mit beruhigenden Hinweisen begegnet, dass diese sich auch in der Vergangenheit nicht bewahrheitet hätten.
  • Der Idee, dass mit den neuen technischen Potenzialen auch eine Befreiung von der Arbeit einhergehen könnte, wird in den untersuchten Publikationen nicht weiter nachgegangen.

Weniger Arbeit fair verteilt

Den Autoren der Otto-Brenner-Stiftung fehlt die Perspektive, dass sich Arbeit mit dem Wandel humanisieren lässt, dass mit ihm eine Befreiung von Arbeit einsetzen kann. Ihnen herrscht keine öffentliche Zuversicht, dass eine "gute Entwicklung" in Gang ist. Und wie sehen das die Springer-Autoren? Welche Entwürfe liefern sie zur Zukunft der Arbeit? "Es scheint, als ob die Effekte von arbeitssparendem technischen Fortschritt in Argumenten über Demographie und Bevölkerungsentwicklung untergehen. Man macht sich Sorgen um ein ausreichendes Arbeitskräfteangebot, statt über technologische Arbeitslosigkeit", schreiben Brigitte Unger und Alfred Kleinknecht in ihrem Aufsatz "Zukunft der Arbeit, Arbeitszeit und Arbeitsproduktivität" (Seite 87). Von den Institutionen wünschen sich die Autoren einen Weg zu ebnen, der auf zügige Automatisierung und Wachstum setze und die daraus resultierende Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich kompensiere. Es sei sicherzustellen, dass die Menschen sowohl die Verkürzung als auch den Lohnausgleich in Anspruch nehmen könnten: "Denn die verbleibende Arbeit der Zukunft ist fair aufzuteilen." (Seite 97)

Claus-Peter Praeg und Wilhelm Bauer skizzieren in "Vom Zukunftstrend zum Arbeitsalltag 4.0" eine Arbeitswelt in der das Bedürfnisprofil vom Arbeitnehmern je nach Lebensphase und -situation variiert. Der Mensch komme nicht mehr zur Arbeit, sondern die Arbeit zu dem Menschen. Sie werde wissensintensiver und differenziere sich in ihren Dimensionen Struktur, Ort und Zeit. Unternehmen ermögliche das ihre strukturellen, örtlichen und zeitlichen Gestaltungsspielräume zu entgrenzen. Daraus resultieren neue Chancen für den Arbeitnehmer: "Sie erfahren innerhalb der neuen, hyperflexiblen und mobilen Arbeitswelt bis dato noch nie da gewesene Möglichkeiten zur Gestaltung des Berufs- und Privatlebens." (Seite 184)

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