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Über dieses Buch

Die europäischen Integrationsanstrengungen stehen auf der Kippe. Dabei wirkt die Euro-Währungsunion in ihrer jetzigen Verfassung ungewollt eher als ein Des-Integrationsfaktor denn als ein verbindendes Element. Dirk Meyer liefert Zustandsbeschreibungen, Analysen, Hintergründe und Zusammenhänge, die in der Tagespolitik entweder gar nicht zum Tragen kamen oder aber schnell vergessen wurden. Konzepte einer möglichen Umstrukturierung der Währung hin zu einer funktionsfähigen Gemeinschaftswährung bilden einen konstruktiv-zuversichtlich stimmenden Ausblick.

Das Buch ist das Ergebnis einer etwa zehnjährigen Beschäftigung mit der Thematik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einführung

Zusammenfassung
Am 1. Januar 2019 jährte sich die Einführung des Euro zum 20. Mal. Zum 1. Januar 1999 führten 11 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) den Euro als Buchgeld (Giralgeld) ein, drei Jahre später folgte das Euro-Bargeld. Seither ist der Euroraum auf 19 Mitgliedstaaten gewachsen.
Dirk Meyer

Scheitert die europäische Integration – trotz oder gerade wegen der Alternativlosigkeit?

Frontmatter

Kapitel 2. Die Politik der Alternativlosigkeit: Wie es dazu kam und warum ein Wechsel angeraten ist

Zusammenfassung
„Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Dieser Satz aus der Regierungserklärung Angela Merkels vom 19. März 2010 wurde zum Leitspruch für die „Euro-Rettung“ von Beginn an. Doch nicht die Stabilität des Kreises der Mitglieder der Europäischen Währungsunion (EWU), sondern die Stabilität der Euro-Währung (Art. 127 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, AEUV) sowie das Verbot der monetären Staatsfinanzierung (Art. 123 AEUV) und das Bail-out-Verbot (Art. 125 AEUV) sind die vertragliche Grundlage.
Dirk Meyer

Kapitel 3. Die Flüchtlings- und Eurokrise: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der politischen Handhabung

Zusammenfassung
Neben dem Brexit sind die Flüchtlings- und Eurokrise zentrale europäische Konfliktfelder. Eine wesentliche Gemeinsamkeit dieser Krisensituationen war der Mangel an entsprechenden Notfallvorkehrungen. Trotz unterschiedlicher politischer Handhabung stellt der de facto Bruch des EU-Rechts in beiden Fällen langfristig Gefahren für Rechtstaat, Demokratie und Gewaltteilung dar.
Dirk Meyer

Die Krisenpolitik und ihre Folgen

Frontmatter

Kapitel 4. Niedrigzinsen: Folgen und Gefahren

Zusammenfassung
Die – gemessen am Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) – expansive Geldpolitik hat zu Niedrigzinsen geführt. Unter Berücksichtigung der Inflationsrate und des Zinsabschlages ergeben sich für Spareinlagen und Bundesanleihen negative Renditen, sprich Substanzverluste. Ein Zinsanstieg würde die Zinslast der Staaten dramatisch erhöhen, bei Fristeninkongruenz der Finanzierung droht Banken Illiquidität und Unternehmen bricht die Rentabilität weg. Die Gefahren für die Finanzstabilität sind immens.
Dirk Meyer

Kapitel 5. Nivellierung der Risikoprämien durch die EZB

Zusammenfassung
Die monetäre Krisenpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) hat zu Niedrigzinsen geführt. Nicht nur das außergewöhnlich niedrige Zinsniveau, sondern auch die im Rahmen der monetären Krisenpolitik egalisierten Risikoprämien bewirken neben einer Kapitalfehlleitung in die Krisenstaaten einen erheblichen impliziten Einkommenstransfer aus den Gläubigerstaaten. Die Schuldenfalle niedriger Zinsen verführt öffentliche Haushalte der Krisenstaaten zu einer erhöhten Verschuldung, die spätestens bei steigenden Zinsen zum Problem wird. Darüber hinaus hat die EZB ganz offensichtlich die Funktion als Kreditgeber der letzten Instanz (Lender of last Resort, LoR) für Banken und Mitgliedstaaten übernommen.
Dirk Meyer

Kapitel 6. Negativrenditen bei Unternehmensanleihen: Wie die EZB die Steuerungsfunktion des Kapitalmarktzinses außer Kraft setzt

Zusammenfassung
Seit Juni 2016 kauft die EZB auch Unternehmensanleihen. Negativrenditen für Unternehmensanleihen infolge dieser Ausweitung des Ankaufprogramms der EZB setzen die volkswirtschaftliche Steuerungsfunktion des Kapitalmarktes außer Kraft. Investitionen werden trotz einer negativen Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals betriebswirtschaftlich lohnend.
Dirk Meyer

Kapitel 7. Gibt es bald eine Euro-Parallelwährung? – Zum Vorschlag einer Steuer auf Bargeld

Zusammenfassung
Aus den Reihen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) dringt die Idee, die Wertaufbewahrung in Bargeld zwecks Umgehung negativer Zinsen auf Depositen und Spareinlagen unattraktiv zu machen. Euro-Bargeld und Euro-Buchgeld würden als zwei Währungen mit festem Umtauschkurs zirkulieren. Das Euro-Bargeld würde in Höhe des negativen Leitzinses/Tagesgeldsatzes gegenüber dem Euro Buchgeld abgewertet – was quasi einer Steuer auf Bargeld entspricht.
Dirk Meyer

Kapitel 8. Das neue Geldwäschegesetz: Ein erneuter Vorstoß zur Bargeldbeschränkung

Zusammenfassung
Bargeld hat in Deutschland trotz verschiedener elektronischer Zahlungsmedien (Kredit-/Geldkarte) immer noch eine bedeutende Funktion. Die Umsetzung der Vierten EU-Geldwäscherichtlinie in deutsches Recht hat zu einem stark veränderten Geldwäche-Gesetz (GwG) geführt. Damit verbunden sind eine erhebliche Ausweitung der Regulierungen und eine de facto Beschränkung des Bargeldverkehrs. Inbesondere Kreditinstitute, aber auch bargeldintensive Dienstleister und Händler werden zukünftig erhebliche Prüfauflagen erfüllen müssen. Es findet ein weiterer Schritt in die Richtung “gläserner Bürger” statt.
Dirk Meyer

Kapitel 9. Die Umsetzung der EU-Wohnimmobilienkreditrichtlinie: Folge der “außergewöhnlichen” Maßnahmen der Geldpolitik

Zusammenfassung
Die Richtlinie 2014/17/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4. Februar 2014 über Wohnimmobilienkreditverträge für Verbraucher (Wohnimmobilienkreditrichtlinie) wurde mit dem Gesetz zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie vom 11. März 2016 im Schuldrecht (§§ 505a ff. Bürgerliches Gesetzbuch, BGB), wie auch im Aufsichtsrecht (§ 18a Kreditwesengesetz) um neue Regelungen zur Kreditwürdigkeitsprüfung ergänzt. Erst die massive Kritik an einzelnen Kreditmarktregulierungen, die verschiedene Personengruppen von Immobilienkrediten de facto ausschloss, führte mit dem Finanzaufsichtsrechtergänzungsgesetz vom 6. Juni 2017 zu Nachbesserungen.
Dirk Meyer

Kapitel 10. Italienische Bankenrettung: EU-Abwicklungsrichtlinie und ein “italienischer Weg”

Zusammenfassung
Ein negativer Einlagenzins der europäischen Zentralbank (EZB), eine extrem niedrige Zinsmarge zwischen Einlagen- und Kreditgeschäft, der wachsende Regulierungsdruck und ein hoher Investitionsbedarf in die IT-Technik: Die europäischen Banken stehen schweren Zeiten gegenüber. Bei zahlreichen mediterranen Geschäftshäusern kommen eine Klientelpolitik, eine strukturelle Schwäche der kreditnehmenden Unternehmen, eine auch deshalb riskante Kreditvergabe, mangelhafte interne Kontrollen sowie unzureichende externe Prüfungen der nationalen Aufsichtsbehörden hinzu. Generell führt der dort von heimischen Finanzinstituten gehaltene relativ hohe Anteil an Staatsschuldtiteln zu einer unheilvollen Verbindung, die die Staatsschuldenkrise mit der Bankenkrise verschmelzen lässt. Der neu errichtete Bankenabwicklungsmechanismus gibt eine “Haftungskaskade” vor, die durch eine Gläubigerbeteiligung (Bail-in) letzendlich den Steuerzahler vor einer Inanspruchnahme schützen soll. Allerdings findet über den Europäischen Bankenabwicklungsfonds eine neue Vergemeinschaftung von Hilfen und Haftung statt.
Dirk Meyer

Kapitel 11. Schuldenerleichterungen für Griechenland: Ein Überblick bisheriger Entlastungen

Zusammenfassung
Das dritte Hilfsprogramm für Griechenland lief im August 2018 aus. Bislang wird angestrebt und davon ausgegangen, dass Griechenland seinen zukünftigen Kreditbedarf am freien Kapitalmarkt finanzieren kann. Um dies zukünftig möglich zu machen, wurden in der Vergangenheit zahlreiche Schuldenerleichterungen vorgenommen, teils im Nachhinein – beginnend mit einer Lockerung der Kreditkonditionen bis hin zum Schuldenerlass. Die (bislang) letzten Schuldenerleichterungen beschloss die Eurogruppe im Juni 2018. Von 2012 bis 2018, dem Ende des dritten Hilfsprogramms, hat Griechenland immer wieder Schuldenerleichterungen bzw. Finanzierungsvorteile auf der Basis von Nachverhandlungen erhalten. Ein Schuldenschnitt privater und öffentlicher Gläubiger (2012), ein Schuldenrückkauf-Programm (2012), die Verlängerung der Kreditlaufzeiten, eine Absenkung des Kreditzinses und ein geändertes Schuldenmanagement der Rettungsfonds (2017) summieren die Vorteile bis 2017 auf 274 bis 290 Mrd. EUR. Hinzu kommt ein de facto viertes Hilfsprogramm in Höhe von 47 Mrd. EUR, das mit der Entlassung Griechenlands aus den Euro-Hilfen im Sommer 2018 gewährt wurde.
Dirk Meyer

Agreement on Net Financial Assets (ANFA): Gefahren aus nationalem Zusatzgeld?

Frontmatter

Kapitel 12. ANFA: Euro-Geldschöpfung durch die Mitgliedstaaten

Zusammenfassung
Die Mitgliedschaft in der Europäischen Währungsunion (EWU) kennzeichnet einen Automatismus. Dabei übertragen die Mitgliedstaaten ihre Währungssouveränität auf die Europäische Union (EU). Für die EWU besteht eine zentrale geld- und währungspolitische Zuständigkeit in Form des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB), das durch das Beschlussorgan der Europäischen Zentralbank (EZB) für die einheitliche Geldpolitik zuständig ist. ELA-Notkredite, ANFA und die TARGET2-Salden ermöglichen den NZBen jedoch die Ausgabe von nationalem Zusatzgeld, das unter anderem der monetären (Zwischen-)Finanzierung von Krisenstaaten und/oder der Unterstützung insolventer Banken dient. Darüber hinaus finanziert es Kapitalflucht und gewährt einen subventionierten Kreditzugang für Importe. Anhand ausgewählter Krisensituationen wird gezeigt, das der EZB-Rat seine Kontrollfunktion nicht wahrgenommen hat und teilweise wissentlich gegen den AEUV, die EZB-Satzung sowie interne Vorgaben verstoßen hat.
Dirk Meyer

Reformvorschläge: Der Weg in die Risikovergemeinschaftung?

Frontmatter

Kapitel 13. Eurobonds: Eine Weichenstellung für Europa

Zusammenfassung
Staatliche Schuldtitel mit gemeinschaftlicher Haftung, kurz: Eurobonds, sind der Dreh- und Angelpunkt einer politisch-normativen Fragestellung. In welche Richtung wird beziehungsweise soll sich die Eurozone im Rahmen der Staatsschuldenkrise bewegen? Der Beitrag konzentriert sich auf den ordnungspolitischen Blickwinkel. Ökonomisch verstoßen Eurobonds gegen das marktwirtschaftliche Prinzip der Haftung. Marktkontrolle wird durch politische Kontrolle ersetzt. Die damit verbundene Außerkraftsetzung des Zinsmechanismus ist mit hohen impliziten Transfers verbunden, führt zu Kapitalumlenkungen in die Krisenländer und mindert deren Anreize, notwendige Strukturreformen anzugehen. Der Beitrag thematisiert den Bezug zu den bisherigen Rettungsinstrumenten und weist auf rechtliche Bedenken hin.
Dirk Meyer

Kapitel 14. Europäische Sichere Anleihen: Vergemeinschaftung auf Raten

Zusammenfassung
Angesichts politischer und rechtlicher Vorbehalte gegen Eurobonds nehmen der Sachverständigenrat (2016) in seinem Jahresgutachten 2016/2017 und die EU-Kommission (2017) in ihrem „Reflexionspapier zur Vertiefung der Wirtschafts- und Währungsunion“ ein Thema auf, das bereits durch das Grünbuch der EU-Kommission (2011) auf der Grundlage einer Gruppe europäischer Ökonomen unter Markus Brunnenmeier (2011, 2016) diskutiert wurde – staatsanleihebesicherte Wertpapiere. Mit diesen Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS), auch unter der Bezeichnung Europäische Sichere Anleihen (European Safe Bonds, ESBies) geführt, werden zwei Absichten verfolgt: Sie sollen dem Bedarf nach sicheren Anlagen Rechnung tragen und zugleich einen Beitrag zur Finanzstabilität leisten, indem sie helfen, den Teufelskreis zwischen Staatenrisiken und Bankenrisiken zu durchbrechen. Der Beitrag analysiert die Funktionsweise dieser Verbriefungen, weist auf mögliche Problemaspekte hin und zieht eine direkte Verbindung zu Eurobonds, um abschließend einen kurzen Ausblick auf ziel- und problemlösungskonforme Alternativen zu geben.
Dirk Meyer

Kapitel 15. Europäische Arbeitslosenversicherung

Zusammenfassung
Die Europäische-Kommission hat vor einiger Zeit eine Initiative für eine Europäische Arbeitslosenversicherung (EALV) gestartet. Hintergrund des Diskussionsbeitrages, sind die gerade in der Euro-Krise sichtbar gewordenen konjunkturellen Ungleichgewichte zwischen den Krisenstaaten und der Kernzone. Der Vorschlag geht in Richtung einer Fiskalunion. Die EALV würde idealtypisch als automatischer Stabilisator für einen konjunkturellen Ausgleich ohne systematische Transfers sorgen können. Insbesondere die Abgrenzung zwischen konjunkturellen und strukturellen Faktoren der Arbeitslosigkeit dürften die Praktikabilität jedoch erschwerren, dauerhafte Transfers auszuschließen. Die Einführung einer EALV setzt in jedem Fall eine Änderung des Lissabon-Vertrages voraus. Sie könnte den Kern einer beginnenden Sozialunion bilden.
Dirk Meyer

Kapitel 16. Europäischer Währungsfonds: Zum Vorschlag der EU-Kommission – Konstrukt lässt weitreichende Freiräume zu

Zusammenfassung
Im Dezember 2017 hat die EU-Kommission „Weitere Schritte zur Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion Europas: ein Fahrplan“ angekündigt. Darin enthalten sind fünf Reformelemente: ein Europäischer Finanzminister als Vorsitzender der Eurogruppe und Vizepräsident der EU-Kommission; ein Europäischer Währungsfonds (EWF); die Überführung des Fiskalpaktes als völkerrechtlichen Vertrag in das supranationale EU-Recht; eine Letztsicherung für den einheitlichen Bankenabwicklungsfonds sowie drei neue Haushalts-/Finanzierungsinstrumente zur Unterstützung der Konvergenz beitrittswilliger Länder, zur Stabilisierung bei asymmetrische Schocks sowie zur Unterstützung von Reformen. Die institutionellen Änderungen werden den Einfluss von EU-Kommission und EU-Parlament stärken, die technokratische Regelbindung durch politische Einflussnahme schwächen und das Prinzip “Nothilfe gegen Auflagen” zugunsten von bedingungslosen Krediten und Transfers auflösen.
Dirk Meyer

Euroaustritt: Juristisch möglich und ökonomisch sinnvoll?

Frontmatter

Kapitel 17. Rechtliche Möglichkeiten eines Ausscheidens aus dem Euro und die Rückübertragung der Währungssouveränität

Zusammenfassung
Im Rahmen der Staatsschuldenkrise verschiedener Euro-Mitglieder ist die Möglichkeit eines Austritts einzelner Länder oder gar eines Zerfalls der Eurozone nicht ausgeschlossen. Ein Austritt bedarf allerdings der gründlichen Planung und Vorbereitung. Entgegen der Vermutung, lediglich die Schaffung einer Währungsunion benötige Koordination, ist ein Konsens zwischen den Mitgliedsländern unbedingt notwendig, will man Probleme für die neue Währung und Konflikte mit der Rest-Union vermeiden (Scott 1998, S. 221, 225).
Dirk Meyer

Kapitel 18. Währungsdenomination: Zur Frage der Schuldwährung in Altverträgen bei Euroaustritt aus deutscher Sicht

Zusammenfassung
Eine Währungsumstellung führt generell zur Frage, welche Währung in den Altverträgen Geltung hat. Für die Frage der Währungsdenomination ist die Unterscheidung zwischen dem Währungsstatut, dem Schuldstatut und dem Zahlungsstatut von Bedeutung. Insbesondere für Verträge mit Auslandsbezug kann die Rechtslage sehr komplex sein. Die rechtlichen Konsequenzen sind je nach Fallkonstellation unterschiedlich: Ausscheiden eines Euro-Mitgliedstaates, Austritt einer Euro-Staatengruppe, (chaotischer) Zerfall der Eurozone, Zulassung nationaler Parallelwährungen.
Dirk Meyer

Kapitel 19. Fahrplan eines Euroaustritts: Technische Vorbereitung, rechtliche und praktische Durchführung aus Sicht eines Austrittslandes

Zusammenfassung
Ein Plan B als Reaktion auf die Staatsschuldenkrisen und die Leistungsbilanzungleichgewichte im Sinne einer Neuordnung der Währungsunion wird politisch bislang mit dem Hinweis auf die Einheit und die Unumkehrbarkeit des Euroraumes kategorisch abgelehnt. Darüber hinaus wird auf potenziell hohe Kosten, Ansteckungsgefahren sowie einer mangelnden Praktikabilität hingewiesen. Der Austritt eines Landes aus der Eurozone steckt voller Schwierigkeiten im prozessualen Ablauf. Generell ist zwischen dem Austritt eines starken Landes mit Aufwertungserwartung und eines Krisenstaates mit Abwertungserwartung zu unterscheiden. Die Notwendigkeit einer Geheimhaltung zur Vermeidung von Bank-runs, einer Kapitalflucht sowie generell von antizipativen Kapitalbewehgungen einerseits und der für einen vertragskonformen, einvernehmlichen Austritt notwendigen Zeitbedarf der Aushandlung und Entlassung andererseits scheinen unvereinbar. Eine zeitliche Trennung der Erfassung der Kontenbestände und des Bargeldes im Vorwege, der Ankündigung des Austritts in einem zweiten Schritt sowie der Aushandlung und Festlegung der Austrittskonditionen im Nachhineine bieten eine Lösung.
Dirk Meyer

Kapitel 20. Griechenlands Austritt aus dem Euro: Ein Ablaufszenario

Zusammenfassung
Griechenland und die Eurogruppe haben drei Hilfspakete geschnürt (2010, 2012, 2015) und zusammen durchgeführt, ohne dass sich die Schuldentragfähigkeit verbessert hätte und das Land jetzt nachhaltig auf eine selbstbestimmte Zukunft „auf eigenen Füßen“ zusteuern würde. Da die Voraussetzungen für ein neues Hilfsprogramm EU-vertraglich 2015 nicht vorlagen, wäre ein Zahlungsausfall Griechenlands spätestens Ende Juni 2015 erfolgt. Den deutschen Steuerzahler hätten die (gescheiterten) Rettungshilfen bis dahin zwischen 62 und 93 Mrd. EUR gekostet. Ad hoc hätte Griechenland den “Geuro” als Notgeld regierungsseitig herausgeben können. Eine erfolgversprechendere Alternative wäre allerdings ein einvernehmlicher, mit dem EU-Recht vereinbarer Austritt aus dem Euro in Kombination mit der Emission einer vermögensfundierten Neä Drachmä gewesen.
Dirk Meyer

Kapitel 21. Der Fortbestand der Europäischen Währungsunion wird durch Italien infrage gestellt

Zusammenfassung
Italien ist mit einem Anteil von 15 % des Eurozonen-BIP ein ökonomisches Schwergewicht. Zugleich hält Italien 23 % der Euro-Staatsverschuldung. Bei einer Schuldenquote von 132 % und einem Bankensektor, den ein überaus hoher Bestand an Problemkrediten prägt, wird das Doppelrisiko einer Staatsinsolvenz und einer Bankenkrise deutlich. Zwei Indizien unterstützen diese Aussage: Zum einen sind die italienischen TARGET-Defizite seit 2011 auf 492 Mrd. EUR (Stand Nov. 2018) angestiegen, zum anderen ermöglicht das sogenannte ANFA-Abkommen den nationalen Notenbanken den Erwerb von Wertpapieren - bspw. eigene Staatsanleihen. Dieser “Geld-Eigendruck” machte etwa 13 % (2017) der Bilanzsumme der Banca d’Italia aus. Rechnet man die Staatsanleihekäufe der Banca d’Italia im Rahmen des SMP- und des PSPP-Programms hinzu, dann erhöhen sich die Eigengeschäfte auf 46 % der Bilanzsumme. Damit ist der Grundsatz der Kongruenz von Emissions- und Geldannahmegemeinschaft als Stabilitätsvoraussetzung einer jeden Währungsunion infrage gestellt.
Dirk Meyer

Kapitel 22. Mini-Bots: Ein “Liro” als Parallelwährung für Italien?

Zusammenfassung
Die gescheiterte italienische Regierung aus der Fünf-Sterne-Bewegung (MoVimento 5 Stelle, M5S) und Lega steht für ein Ende der Austerität in Italien. Einher ging die Ankündigung, die Defizitregeln aus EU-Vertrag (EUV), Fiskalvertrag, der haushaltspolitischen Überwachung (“Twopack”), der Reform des Stabilitäts- und Wachstumspaktes (SWP) und das Verfahren zur Überwachung makroökonomischer Ungleichgewichte (“Sixpack”) aufkündigen zu wollen und eine (Teil-)Entschuldung anzustreben. Im Rahmen der Bildung dieser eurokritischen Regierung im Frühjahr 2018 wurde die Idee von Mini-Bots (“Liro” – italienischer Euro) als eine Art nationale Parallelwährung auf Schuldscheinbasis geboren. Parallelwährungen entspringen vornehmlich zwei Rahmenbedingungen, einer hohen Geldentwertung oder einer Kreditklemme. Anders beim “Liro”: Die Schuldschein-Währung wurde vornehmlich als Druckmittel zur Revision der institutionellen Regeln der Währungsunion verstanden, dem in letzter Konsequenz ein eher chaotischer Euroaustritt folgen würde.
Dirk Meyer

Alternativen: Parallelwährung und Vollgeld

Frontmatter

Kapitel 23. Parallelwährungen als Lissabon-konforme Krisenlösung

Zusammenfassung
Eine Euro-Parallelwährung kann die Blockade von Recht und Politik überwinden und als Beschleuniger für die Gemeinschaftswährung wirken. Das Konzept einer Euro-Parallelwährung wird als Königsweg aus dem Dilemma gesehen, da einerseits die Fortführung der Währungsunion im Rahmen der Rettungshilfen wenig erfolgversprechend erscheint und zu kaum mehr tragbaren Risiken führen kann, andererseits ein Austritt aus dem Euro oder sein Untergang zu Dominoeffekten für andere Krisenstaaten und zu einem Gesichtsverlust der gesamten europäischen politischen Klasse führen würde. Vorgeschlagen wird die Möglichkeit der Einführung nationaler Währungen parallel zum Euro, wobei im Falle einer Staatsinsolvenz ein Austritt aus der Währungsunion bei gleichzeitiger Nutzung des Euro als Zahlungsmittel erfolgen könnte. Ein Bank-run, die Kapitalflucht sowie weitere Umstellungsprobleme, die mit dem Austritt und der Ablösung des Euro durch eine abwertende Neuwährung verbunden wären, können vermieden werden.
Dirk Meyer

Kapitel 24. Gemeinschaftswährung mit Kaufkraftgarantie auf Kapitalbasis: Das Konzept eines Kapitalfundierten Hart-Euro

Zusammenfassung
Der Inflationsschutz für langfristige Verträge (Löhne, Mieten) sowie speziell Kapitalanlagen (Spareinlagen, Anleihen) ist seit alters her Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Diskussionen gerade unter dem Aspekt der als ungerecht empfundenen Umverteilungseffekte. Die Besonderheit eines Kapitalfundierten Hart-Euro (KHE) bestehen in seiner konstanten Kaufkraft (Inflationsschutz) sowie seiner Kapitalfundierung (Werthaltigkeit). Es ist der Versuch, die historische Idee des kompensierten Golddollars auf die Europäische Währungsunion (EWU) zu übertragen. Die Kapitalfundierung durch den verbindlich vorgeschriebenen Erwerb von Anteilen am Produktivkapital (Aktien) durch die emittierende Notenbank verleiht dem KHE Warengeldcharakter.
Dirk Meyer

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