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17.10.2016 | Innovationsmanagement | Im Fokus | Onlineartikel

Wie agile Methoden Innovationen befeuern

Autor:
Jacqueline Pohl

Um neue Produkte und Services zur Marktreife zu bringen, müssen kreative Teams flexibel und eigenständig agieren können. Einige Unternehmen setzten mit Erfolg auf agile Methoden für Innovationsprozesse.

Durch die fortschreitende Digitalisierung müssen Unternehmen heute schnell auf geänderte Anforderungen des Marktes reagieren und neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Technologie dafür ist vorhanden, dennoch scheitern immer wieder Produktneuheiten und Projekte an den starren Strukturen des Unternehmens, die Kreativität und Innovation unterdrücken. Deshalb setzen Unternehmen auf agile Methoden für ihre Innovationsprozesse.

Aus der Softwareentwicklung sind agile Methoden wie Scrum längst bekannt. Anstelle von zermürbenden Meetings, endlosen Freigabeschleifen und Dokumentationsprozessen, die zu ausufernden Entwicklungszeiten führen, werden agile Teams ermutigt, abteilungsübergreifend und selbstverantwortlich an einem Projekt zu arbeiten und in enger Abstimmung mit dem Kunden zur Reife zu bringen.

Agilität verlangt einen neuen Führungsstil

Um Innovationen mit agilen Methoden zu fördern, muss sich allerdings die Unternehmenskultur und damit auch der Führungsstil radikal ändern: Manager dürfen ihre kreativen Köpfe nicht ausbremsen, sondern ihnen den nötigen Freiraum verschaffen. Noch fehlen vielen Unternehmen die Erfahrungen mit agilen Methoden und der Mut, ihre Innovationsprozesse konsequent umzustellen. Doch nur, wenn Agilität im Management vorgelebt wird, können sich agile Ansätze im Unternehmen etablieren.

Denn Agilität lohnt sich, wenn sie richtig umgesetzt wird. Der Landmaschinenhersteller John Deere konnte die Produktivität seiner Innovationsabteilung laut der Bain-Studie "Agile Innovation" (PDF) verdoppeln. Gleichzeitig halbierte sich die Projektlaufzeit durch die agilen Prozesse. Insgesamt haben die Bain-Consultants 10.000 Projekte analysiert und herausgefunden, dass sich die Erfolgswahrscheinlichkeit der Innovationen verdreifachte, wenn agile Methoden angewendet wurden. Doch sie gehören noch längst nicht zum unternehmerischen Alltag.

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Svenja Hofert stellt zahlreiche agile Ideen vor und zeigt, wann und wie diese in der Praxis eingeführt und umgesetzt werden können. Ob Visualisierung von Arbeitsprozessen, konsultativer Einzelentscheid oder Retrospektiven: Sie lernen, wie Sie Instrumente nutzen und sich Stück für Stück dem agilen Gedanken nähern.

"Agil ist eine Art Reizwort, das die einen lieben, die anderen nicht verstehen und die nächsten kategorisch ablehnen“, schreibt Svenja Hofert im Kapitel "Einführung in das agile Denken“ des Fachbuchs "Agiler führen". "Manager hassten 'agile' (engl. ausgesprochen ätscheil), so schrieb vor nicht allzu langer Zeit die amerikanische Zeitschrift "Forbes!“. Die Zeitschrift begründete die Abwehrhaltung mit der Angst der Führungskräfte vor einem Machtverlust. Denn Agilität im Management wird gerne mit dem Abbau von Führung verwechselt. Doch es geht nicht um weniger Führung, sondern nur um weniger Hierarchien“, so die Springer-Autorin weiter. 

Tipps für agile Innovationsteams

Die Unternehmensberatung Bain & Company stellt in der Studie sechs Grundregeln auf, um agile Methoden mit Erfolg für Innovationsprozesse einzusetzen:

  1. Unternehmen müssten verstehen, dass Agilität nicht mit Anarchie gleichzusetzen ist, sondern einen praxiserprobten Lösungsansatz für komplexe Probleme bietet.
  2. Unternehmen sollten sondieren, welche Bereiche sich für agile Methoden eignen: Die Produktentwicklung in Abstimmung mit dem Kunden oder das Marketing zum Beispiel, nicht jedoch Routineaufgaben.
  3. Um Agilität in der Unternehmenskultur zu verankern, reicht es nicht, die Kreativkräfte mit dem neuen Ansatz bekannt zu machen. Die Führungsspitze des Unternehmen sollte ebenfalls agile Ansätze anwenden.
  4. Bei der Strategieentwicklung, Ressourceneinteilung oder der Abstimmung im Unternehmen können agile Methoden zu schnellen Ergebnissen führen und demonstrieren, dass das Management Agilität vorlebt.
  5. Auch Mitarbeiter in agilen Pilotprojekten, die in der Regel sehr zufrieden mit ihrer Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit sind, fungieren als Botschafter der neuen Innovationskultur und helfen durch Mundpropaganda mit, andere für die Idee zu begeistern. 
  6. Die anfangs unumgänglichen Hindernisse und Widerstände müssen die Führungskräfte aus dem Weg räumen und Prioritäten, Rollen und Verantwortlichkeiten klar kommunizieren. Erfahrene Mitarbeiter sollten später jedoch in der Lage sein, die agilen Methoden anzupassen und nach ihren Vorstellungen weiterzuentwickeln. 

Fazit: Es muss nicht immer gleich eine agile Revolution sein, die auf einen Schlag das ganze Unternehmen von Kopf bis Fuß umkrempeln soll. Wer Prozesse beschleunigen und Teams innovativer machen will, kann agile Methoden zunächst in dafür geeigneten Projekten erproben. 

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